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Wohltemperiertes Vinyl – Teil 1

05.12.2025 // Klaus Schrätz

In diesem kleinen Bericht geht es darum aufzuzeigen, ob bei bereits gepressten Schallplatten eine nachhaltige Klangverbesserung durch thermische Spezialbehandlungen möglich ist.

Mir sind zur Zeit zwei Methoden bekannt, mit denen man Einfluss auf die Struktur des Schallplatten-Vinyls nehmen kann. Diese beiden Methoden sind durchaus gegensätzlicher Natur und haben trotzdem entscheidenden Einfluss auf das Klangbild der so behandelten Schallplatten. Bei der einen Methode wird die Schallplatte auf -180 Grad Celsius abgekühlt und langsam wieder aufgetaut. Bei der zweiten Methode wird die Schallplatte auf +55 Grad Celsius erwärmt und langsam wieder abgekühlt. Um ansatzweise zu verstehen, was bei den Anwendungen geschieht, sollten wir uns einmal den eigentlichen Pressvorgang einer Schallplatte ansehen: Das Rohmaterial besteht bei nativem Vinyl in der Regel aus Polyvinylchlorid (PVC), dem etwa 20 Prozent Polyvinylacetat (PVAc) und weitere Additive zugesetzt werden. Der Pressvorgang einer Schallplatte dauert etwa 30 Sekunden. Eine dosierte Menge Rohmaterial (150–180 g) wird zusammen mit den Etiketten zwischen die beiden aufgeheizten Pressmatrizen gebracht und bei einem Druck von etwa 8·106 Pa (etwa 80 kg/cm²) und einer Temperatur von etwa 150 Grad Celsius gepresst. Nach einer kurzen Abkühlphase, in der die Matrizen mit Wasser gekühlt werden, wird die Presse geöffnet und die Schallplatte entnommen. Aufgrund der kurzen Heizphase, des hohen Pressdruckes und der sehr kurzen Abkühlphase kommt es zu unerwünschten Spannungen in der fertigen Schallplatte.

Die LPs werden in die Kühltruhe gepackt
Die LPs werden in die Kühltruhe gepackt

Bei der Methode der Abkühlung mittels des sogenannten Kryo-Verfahrens wird bei der Firma CoolTech in Österreich die Temperatur innerhalb der Truhe, in der die Platten eingebracht sind, durch -196 Grad Celsiuns kaltes Stickstoffgas sehr langsam – oder präziser um ein bis drei Kelvin pro Minute – verringert. Das geht bis -180 Grad Celsius. Diese Temperatur wird eine gewisse Zeit gehalten, anschließend wird das Gas in der Truhe auf etwa -70 Grad erwärmt, dann erneut auf -180 Grad heruntergekühlt. Dieses schrittweise Erwärmen und Kühlen bei genau definierten Temperaturen ist eine Entwicklung der Firma CoolTech, gehört zum Firmengeheimnis und wird deshalb nicht preisgegeben. Am Ende des etwa 15 Stunden dauernden computergesteuerten Prozesses wird der Inhalt der Truhe auf 35 Grad Celsius erwärmt, damit sich beim Öffnen kein Kondenswasser auf den Objekten bildet. Dieser Prozess hat unmittelbaren Einfluss auf die kristallinen Strukturen des Vinyls und ebenfalls auf die Spannungsfelder innerhalb der Schallplatte. Bei der zweiten Methode, dem Tempern, wird die Schallplatte langsam auf 55 Grad Celsius erwärmt, etwa eine Stunde bei dieser Temperatur gehalten und anschließend auf Zimmertemperatur abgekühlt. Die bei diesem Test verwendeten getemperten Schallplatten sind mit Hilfe einer Audio Fidelity Improvement FLAT.DUO behandelt worden. Es mag verwundern, dass sowohl eine Kryo-Behandlung als auch das Tempern einen positiven Effekt auf die Klangqualität haben soll. Auch wenn wir bei der Technik einer Schallplattenherstellung auf viele Jahrzehnte Erfahrung zurückgreifen können, so fehlen bis heute exakte wissenschaftliche Grundlagen. Was man aber zumindest über beide Methoden sagen kann ist, dass sowohl das Tempern als auch die Kryo-Technik in der Industrie angewendet werden. Metalle und Kunststoffe werden zum Beispiel getempert, um dem Material eine bessere Steifigkeit, Härte und Abriebfestigkeit zu verleihen. Das gleiche gilt für die Kryo-Technik. So wird zum Beispiel bei Zerspanungswerkzeugen für die Metallbearbeitung die Standzeit dank Kryo-Prozess um etwa 60 Prozent verlängert. Wird eine Schallplatte nun getempert oder gekühlt, werden ebenfalls die kristalline Struktur und die Spannungsfelder des Vinyls verbessert und die Flanken der Rille quasi gehärtet, genauer gesagt stabilisiert. Die Nadel sorgt also für weniger Abrieb im Vinyl und vermutlich dürfte in diesem Zusammenhang auch das Auslesen der in der Rille gespeicherten Informationen sauberer stattfinden. Wer schon einmal Unterschiede im Vinylmaterial festgestellt hat – zum Beispiel US-LPs, die etwas härter wirken als die EU-Scheiben –, wird vielleicht nachvollziehen können, dass die messbare Erhöhung der Stabilität des Materials auch klangliche Auswirkungen haben dürfte. Wie bereits erwähnt, es fehlen hier noch gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Veränderungen des Materials und dessen Einfluss auf die Klangqualität exakt zu definieren.

Das mehrstufige Verfahren wurde von CoolTech-Chef Wolfgang Lausecker entwickelt und hat sich nach unseren Tests gegenüber einfachem Abkühlen und Aufwärmen als überlegen erwiesen
Das mehrstufige Verfahren wurde von CoolTech-Chef Wolfgang Lausecker entwickelt und hat sich nach unseren Tests gegenüber einfachem Abkühlen und Aufwärmen als überlegen erwiesen


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