tests/15-03-30_lyric
 

Lyric Ti 100

30.03.2015 // Jürgen Saile

Zwanzig sind genug! Watt meine ich natürlich, soviel Ausgangsleistung hat nämlich der neue Lyric Vollverstärker Ti100 im Single-Ended Modus zu bieten. Und nicht nur das...

Der Ti 100 – hier „oben ohne“ – hebt sich vom Design her deutlich von den Cayin Verstärkern. Ein Schutzgitter für die Röhren ist natürlich ebenfalls erhältlich. Wer schwarz nicht mag, kann das Gerät auch silberfarben bekommen
Der Ti 100 – hier „oben ohne“ – hebt sich vom Design her deutlich von den Cayin Verstärkern. Ein Schutzgitter für die Röhren ist natürlich ebenfalls erhältlich. Wer schwarz nicht mag, kann das Gerät auch silberfarben bekommen

Beim Anblick des Lyric Ti 100 muss ich unwillkürlich an das seinerzeit hypermoderne Design der Geräte der Firma Braun aus den 60er Jahren denken. Schlichte Eleganz und kein unnötiger Schnickschnack. Schwarze Geräte gab es damals zwar noch nicht und der „Landschaftsbau“ war eher amerikanischen Geräten vorbehalten. Jedenfalls hat hier der Lyric-Chef, Thomas Deyerling, wirklich ein gutes Händchen gehabt. Aber Geschmäcker sind Geschmackssache und dem Leser wird es völlig egal sein, was mir gefällt und was nicht. Deshalb wollen wir uns einmal ansehen, was das Gerät sonst noch alles zu bieten hat.

Lyric hat also eine neue Serie gestartet, mit dem Ziel, hohe Qualität zu einem noch bezahlbaren Preis zu liefern. Aus der Diskussion, was man unter noch bezahlbar versteht, möchte ich mich heraushalten, aber wenn ich mich in der Nachbarschaft so umsehe, dann scheint für neue Leichtmetallfelgen kein Betrag zu hoch zu sein. Aber egal, jedenfalls ist Deyerling den steinigen Weg gegangen, die Geräte nicht nur hier entwickeln zu lassen, sondern auch wieder komplett in Deutschland zu fertigen. Diese werden momentan vom Chefentwickler handgelötet!

Der Verstärker arbeitet im Single-Ended Modus, oder auf Deutsch gesagt: Es handelt sich um einen klassischen Eintakter, wie es bei den Röhren-Urmodellen seinerzeit der Fall war. Dabei verstärkt die Röhre sowohl die positive als auch die negative Halbwelle, dies dann zwangsläufig in Class A. Somit kennt der Verstärker keinen Ruhezustand, außer er ist ausgeschaltet.

Fünf Eingänge sollten genügen, optional kann der Verstärker mit einem Pre-Out für einen Subwoofer und einem Tape-Out für den Anschluss einer Tonbandmaschine geordert werden
Fünf Eingänge sollten genügen, optional kann der Verstärker mit einem Pre-Out für einen Subwoofer und einem Tape-Out für den Anschluss einer Tonbandmaschine geordert werden

Es existieren fünf Line Eingänge, für die Fans der schwarzen Kunst bietet Lyric auch eine passende Phonostufe an. Optional kann das Gerät auch mit einem Pre-Out oder einem Tape-Out geordert werden. Bei dem vorliegenden Gerät handelt es sich um ein Null-Serien Modell, das heißt, einige Features waren noch nicht ganz fertig. So wird der Verstärker serienmäßig mit einer Fernsteuerung geliefert, auf die ich allerdings getrost verzichten kann. Ein Detail hierzu ist allerdings interessant, das Bedienteil im Gerät ist lernfähig für die gebräuchlichen RC5 und CEC Codes. Somit könnte man eine vorhandene Systembedienung auch für den Verstärker benutzen.

Wenn man einen Blick in das Innere wirft, kann man die Prämisse dieser Konstruktion erahnen: puristischer Schaltungsaufbau, dafür aber mehr Aufwand bei der Auswahl geeigneter Komponenten. Mundorf MKPs als Koppelkondensatoren, Nichicon Elkos, Vishay Widerstände, das verwendete Lötzinn hat einen hohen Silberanteil und ist keine Dachdeckerqualität. Ist aber mühevoller zu verlöten.

Ein Mordstrafo in der Mitte im klassischen EI-Format sorgt für die richtigen Betriebsspannungen. Für einen gut klingenden Verstärker ist ein potentes Netzteil immer eine der Grundvoraussetzungen. Zur Glättung der Anodenspannung wird hier ein Choke-Filter in CLC Schaltung eingesetzt. Die Ausgangstrafos, ebenfalls mit EI Kern, werden speziell nach Vorgaben von Lyric gefertigt. Ein Detail zum Thema Betriebssicherheit am Rande: das Gehäuse enthält um die Sockel der vier Röhren Lüftungsschlitze, durch die entstehende Konvektion sollte es dann auch im Innenraum keinen Hitzestau geben.


  • Struss Audio DM250

    Den polnischen Verstärkerhersteller Struss hat Hifistatement Ihnen schon in den Messeberichten aus Warschau und den Süddeutschen Hifi-Tagen vorgestellt. Mein Kollege Wojciech Pacula beschäftigte sich vor mehr als einem Jahr intensiv mit dem Vollverstärker DM 250. Der ist nun auch bei ausgesuchten deutschen Händlern erhältlich. Hier der Test aus HighFidelity. Ich wollte, ja ich wollte diesen Text wirklich anders anfangen, um den Erinnerungen an den Test des Verstärkers Chopin MkVI von Struss Audio zu entkommen. Aber…
    20.09.2019
  • Mastersound Dueundici

    Die italienische Hersteller Mastersound ist bekannt für seine feinen Röhrengeräte, die über eine hohe Fertigungstiefe bis hin zu selbst gewickelten Trafos und Ausgangsübertragern verfügen. Für Fans von Kleinleistungsverstärkern wie mich ist daher der zweimal elf Watt leistende Röhrenvollverstärker Dueundici von besonderem Interesse. Zwar bin ich bereits häufiger zum Beispiel auf Messen oder bei Fachhändlern Geräten von Mastersound über den Weg gelaufen, allerdings hatte ich noch nie die Gelegenheit, mir eins dieser Geräte intensiver anzuhören. Beziehungsweise…
    20.08.2019
  • Crayon Audio CIA-1

    Als ich nach längerer Abstinenz vom Testerdasein mal wieder einen Anruf vom Chefredakteur bekam, ob ich nicht mal einen Crayon „machen“ möchte, habe ich spontan zugesagt. Den Verstärkerkreationen aus dem Steyrischen eilt ein sehr musikalischer Ruf voraus, und viele Nutzer äußern sich geradezu euphorisch über die zurückhaltend gestalteten Geräte. Auch der Kollege Kemper zeigte sich sehr angetan von dem CFA-1.2. So präsentiert sich auch der kleinste Vollverstärker mit der neckischen Bezeichnung CIA-1 – nein, ich…
    25.06.2018
  • Bohne Audio BB-10

    Wie man hört, stattete ein deutscher Milliardär seine Sommerresidenz in Italien mit einem großen, aktiven Bohne-Audio-System aus. Jetzt kam ich in den Genuss, für Hifistatement das brandneue, größere der beiden Einstiegsmodelle von Bohne Audio, die BB-10, zu testen. Jörg Bohne, den Chef von Bohne Audio, kann man in keine Schublade stecken. Dazu ist er einfach zu facettenreich und immer für eine Überraschung gut. Er sagt von sich selbst nicht ohne einen Ansatz von Ironie, dass…
    24.04.2018
  • Accustic Arts Power I MK 4 und Player I

    Nach langer Testabstinenz, ausgelöst durch berufliche Veränderung und Umzug, hatte ich das Vergnügen, in den letzten Wochen die Kombination aus dem Vollverstärker Power I MK 4 und dem CD-Spieler Player I von Accustic Arts zu testen. Sie haben richtig gelesen, auch wenn ich damit vorgreife: Es war ein Vergnügen! Aber jetzt erst einmal zu den technischen Details. Bei beiden Geräten fällt gleich nach dem Auspacken auf, dass sie zum einen ordentliches Gewicht aufweisen und zum…
    19.01.2018
  • quadral AURUM A8

    Auch wenn es schon länger eine Elektroniklinie von quadral gibt, habe ich bei Nennung des Firmennamens bisher immer nur an die Lautsprecher gedacht. Sicher hat man da irgendwas auf Messen gesehen, aber eingebrannt hat sich mir der Hersteller in dieser Richtung nicht. Um so gespannter war ich, als sich der neue große Vollverstärker AURUM A8 zum Test ankündigte. Die sehr wohlwollenden Besprechungen der quadral AURUM Vulkan 9 und der quadral AURUM Orcan aktiv durch Jörg-Peter…
    07.10.2017

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.