oBravo HAMT-1

02.10.2015 // Dirk Sommer

Den Ergo AMT, einen Kopfhörer mit Vollbereichs-Air-Motion-Transformer, gibt es schon geraume Zeit, und vor Jahrzehten wurde der schwere, riesige Pickering in Zweiwege-Technik gebaut, der als Hifi-Kuriosität bei uns im Wohnzimmer hängt. Der oBravo vereint beide Besonderheiten meines Wissens nach zum ersten mal: Hier wurde ein Air-Motion-Transfomer mit einem Konus-Tieftöner kombiniert.

Heute hat man natürlich ganz andere Fertigungsmöglichkeiten als zur Zeit des Pickering und nicht zuletzt deswegen fühlt sich der oBravo keinesfalls zu groß oder schwer an –wenn man wie ich einen Audeze EL-8 oder LCD-X gewohnt ist. Das gilt zumindest, solange man sich senkrecht hält: Den oBravo auf der Seite liegend zu benutzen, kann ich mir nicht vorstellen. Aber diese kleine Einschränkung trifft auf die meisten extrem hochwertigen und raumgreifend gebauten Kopfhörer zu. Dank des Alcantara-Bezuges für die Ohrmuscheln und das Polster des Kopfbügels vermittelt der HAMT-1 auf Anhieb ein angenehmes Tragegefühl.

Der HAMT-1 wird in diesem schmucken Alukoffer geliefert, der für den Transport noch einmal in eine Stoffhülle verpackt wird. Sehr edel!
Der HAMT-1 wird in diesem schmucken Alukoffer geliefert, der für den Transport noch einmal in eine Stoffhülle verpackt wird. Sehr edel!

Doch statt weiter in den wohligen Tieftonwellen des oBravo zu schwelge, sollte ich Ihnen die beiden Spezialitäten dieses Schallwandlers vorstellen. Das wären zum einen die drei Öffnungen, die nach dem Entfernen von sechs Inbusschrauben und dem davon gehaltenen Gehäusedeckel aus Holz zugänglich werden und in die offene, halboffene oder geschlossene Einsätze gesteckt werden können, um die Intensität der Basswiedergabe zu variieren es. Es ergeben sich also insgesamt 27 Abstufungen. Im geöffneten Gehäuse entdeckt man auch den Wima-Kondensator zum Schutz des Air-Motion-Transformers vor Tieftonanteilen. Und damit wären wir bei der zweiten Besonderheit, dem von Oscar Heil entwickelten Schallwandler mit seiner gefalteten Membran und dem Vorteil gegenüber anderen Bändchen-Hochtönern, mit vergleichsweise geringer Membranbewegung ein Vielfaches an Schalldruck zu erzeugen. Im oBravo ist der AMT koaxial, also mittig zum Konuslautsprecher montiert. Der Tieftöner wird von einem kräftigen Neodym-Magneten angetrieben und hat einen Durchmesser von 57 Millimetern und damit weitaus mehr Membranfläche als bei dynamischen Kopfhörern gemeinhin üblich.

Die Deckel der Gehäuse bestehen aus Holz, die Seiten aus Aluminium, Ohr- und Kopfpolster sind mit Alcantara bezogen
Die Deckel der Gehäuse bestehen aus Holz, die Seiten aus Aluminium, Ohr- und Kopfpolster sind mit Alcantara bezogen

oBravo gibt die Impedanz seines Zweiwege-System mit 56 Ohm an und die Empfindlichkeit mit 105 Dezibel, was mir ohne nähere Angaben aber wenig aussagekräftig erscheint. Da hilft nur Ausprobieren: Selbst am Ausgang eines iPhones lassen sich völlig ausreichende Pegel erzielen. Der HAMT-1 wird in einem abschließbaren Aluköfferchen geliefert, das auch Platz für eine langes und ein kürzeres monokristallines Anschlusskabel sowie ein Kistchen für die verschiedenen Bass-Einsätze bietet. Das Köfferchen steckt in einer weichen Stofftasche, die wiederum von einem Karton umgeben wird. Die Präsentation des oBravo stellt sich also genauso hochwertig dar wie die Verarbeitung des Kopfhörers. oBravo wurde übrigens im Jahre 2006 in Taiwan gegründet und baut neben Kopfhörern mit Air-Motion-Transformer auch solche mit Bändchen-Hochtönern. Zum Programm zählen zwar auch kleine Lautsprechersysteme mit AMTs, Zubehör und ein Kopfhörerverstärker, bekannt wurde die Firma aber durch ihrer einzigartigen Kopfhörerkonstruktionen.

Zwei Exemplare dieser fein konfektionierten Kabel – eine längeres und ein kürzeres – gehörten beim meinem Textexemplar zum Lieferumfang
Zwei Exemplare dieser fein konfektionierten Kabel – eine längeres und ein kürzeres – gehörten beim meinem Textexemplar zum Lieferumfang


  • Sonoma Acoustics M1

    Für mich schien das Thema Kopfhörer abgeschossen: Dessen hatten sich in letzter Zeit zwei besonders Kopfhörer-affine und kompetente Kollegen angenommen. Aber bei einem Komplettsystem mit neuer Technologie, das den Namen der bekannten Sonoma-DSD-Aufnahme-Workstation trägt, kann ich einfach nicht widerstehen. Hinzu kommt, dass Finn Gallowsky, einer unserer beiden Kopfhörerspezialisten, in seinem Bericht über die CanJam ausgesprochen positiv über den M1 schrieb. Grund dafür war weder ein Wahnsinns-Bass noch eine außergewöhnlich feine Auflösung. Der Kollege pries vor…
    22.06.2018
  • Audeze LCD-X

    Audeze produziert Magnetostaten in handwerklicher und klanglicher Perfektion. Mir wird die Aufgabe zuteil, unser Audeze-Testportfolio um den LCD-X zu erweitern. Dass der Testablauf keinesfalls der namensgebenden Odyssee glich, sondern mich auf angenehme Weise ans Ziel führte, werde ich im Folgenden schildern. Der LCD-X soll, ebenso wie sein geschlossenes Pendant LCD-XC, zu den vielseitigsten Magnetostaten der LCD-Serie gehören. Die Nutzbarkeit an einem Smartphone, Tablet oder PC soll ebenso gegeben sein wie an einem separaten Kopfhörerverstärker. Bei…
    04.06.2018
  • Audeze LCDi4

    Noch vor wenigen Jahren erreichte ein edler Kopfhörer nur einen kleinen Kreis von Musikliebhabern. Dann eroberten Smartphones die Welt und in deren Kielwasser wurden die kleinen Lautsprecher im Ohr richtig hipp: Heute ist ein ambitionierter In-Ear Hörer wie der Audeze LCDi4 kein Exot mehr. Er ist vielmehr eine Proklamation des guten Tons, der guten Musik. Einhundertvierunddreißig Takte in Es-dur bilden das „Vorspiel“ von Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen. Vier Minuten und fünfunddreißig Sekunden…
    11.08.2017
     
  • iPhone-freundlicher In-Ear von Denon

    Mit dem iPhone-freundlichen In-Ear-Kopfhörer AH-C621R rundet Denon sein stilvolles Kopfhörer-Angebot ab. Denon, einer der weltweit führenden Anbieter hochwertiger Audio- und Heimkinoprodukte, kündigt mit dem AH-C621R seinen neuen In-Ear-Kopfhörer an. Das neue Modell im hochwertigen Aluminium-Gehäuse ist für all diejenigen gedacht, die sich auch unterwegs großartigen Klang wünschen. iPad- und iPhone-Nutzer können mit der integrierten Dreitasten-Fernbedienung inklusive eingebautem Mikrofon die Musikfunktionen ihres Gerätes steuern, Anrufe annehmen und beenden sowie den Sprachassistenten Siri aufrufen. Wie alle Modelle…
    04.04.2017
  • Grado Kopfhörer aus Cocobolo Holz

    Grado präsentiert einen neuen Kopfhörer aus Luxusholz. Der weltweit auf 1000 Stück limitierte Grado GH2 ist das zweite Modell eben jener Heritage Serie, mit der das kleine Unternehmen Grado sein über 60-jähriges Bestehen feiert. Während Grado bei den bekannten Modellen bisher ausschließlich Mahagoni verwendet, trägt der neue Grado GH2 seine dynamischen Treiber in Gehäusen aus seltenem Cocobolo, das normalerweise eher für Musikinstrumente und filigrane Intarsienkunst verwendet wird. John Grado nutzt das besondere Holz für seinen…
    07.03.2017
  • Audioquest NightOwl Carbon

    Der NightOwl ist nicht einfach die geschlossene Variante des an dieser Stelle vor knapp anderthalb Jahren vorgestellten NightHawk, Audioquests erstem Kopfhörer in der ebenso langen wie erfolgreichen Firmengeschichte. Das halb-offene Gegenstück zum NightOwl ist der NightHawk Carbon. Momentan gibt es also drei leicht unterschiedliche Modelle – Restbestände des NightHawk, den NightHawk Carbon und den NightOwl Carbon – im Programm des einstigen Kabelherstellers, der inzwischen auch mobile Wandler/Kopfhörerverstärker-Kombinationen wie die DragonFlys, die Niagara-Stromversorgungs-Linie und den Jitterbug,…
    24.02.2017
 
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen