Russell K Red 150

03.02.2017 // Peter Banholzer

Dürfen gut aussehende Standboxen auch gut klingen? Da wir uns nicht von toller Optik blenden lassen, ist das für uns ein absolutes Muss!

Russell Kaufmanns Leidenschaft sind Musik und Lautsprecher. Schon als Teenager hat er seine ersten Boxen gebaut. Nach einem Elektronikstudium führte ihn sein Weg zu so bekannten Herstellern wie B&W und Wharfdale. Bevor er sich selbständig machte, hat er zuletzt beim Chassis- und Lautsprecherhersteller Morel deren Flaggschiffmodell „Fat Lady“ akustisch optimiert, ein Lautsprecher der über 30.000 Euro kostet. Sein Motto bei der Entwicklung lautet: Vertraue nicht auf das was Du siehst, sondern auf das was Du hörst.“ Bei einem längeren Telefonat erzählte er mir dazu folgende Anekdote: Ein mit ihm befreundeter Entwickler verbrachte den ganzen Tag damit, einen aktiven Subwoofer, zu dem sich zwei große Standlautsprecher gesellten, optimal einzustellen. Bis spät in der Nacht arbeitete er unermüdlich daran und dann war er endlich zufrieden mit seinem Werk. Als er den Hörraum verlassen wollte sah er dass der Netzstecker des aktiven Subwoofers gar nicht in der Steckdose war… Tatsächlich ist es so, dass wir uns hörpsychologisch oft täuschen lassen, beispielsweise von einer ansprechenden Optik, dem Wissen um einen hohen Preis oder dem Vorhandensein bestimmter Bauteile. Ich sage daher oft, wer nicht hören will, muss zahlen!

Versenkter 25-MillimeterGewebehochtöner mit einem Doppelferrit-Magneten
Versenkter 25-MillimeterGewebehochtöner mit einem Doppelferrit-Magneten

Russell Kaufmanns Optimierungen beginnen von allem beim Gehäusedesign, da das Gehäuse ein potentieller Verursacher für Verfärbungen durch die gespeicherte Energie ist. Vor einigen Jahren hat die BBC umfangreiche Forschungen zum Thema Gehäusedesign betrieben und festgestellt, dass schwere Gehäuse den Ton tendenziell verfärben und dass dadurch das gesprochene Wort unnatürlich klingt. Die BBC hat daraufhin dünne Wände mit Bitumen-Pads für die Dämpfung verwendet. Russell Kaufmanns eigene Forschungen ergaben, dass eine stark bedämpfte dünne Wand sehr gut im Mittentonbereich funktioniert, eine zu starke Gehäuse-Flexibilität jedoch den Tiefbass aufweicht. Seine Lösung besteht darin, die Gehäusewände dünn zu halten und interne Versteifungen zur Kontrolle der Gehäuseflexibilität zu verwenden. Fast alle Lautsprecher haben irgendeine Form der Dämpfung innerhalb des Gehäuses, um Energie aufzunehmen, die von der Rückseite der Chassis abgestrahlt wird. Russells Kaufmanns Forschungen haben jedoch ergeben, dass Dämpfung schädlich ist, wenn das Gehäuse durch Zwischenböden und Trennwände verstärkt wurde. In diesem Fall verlangsamt die Dämpfung die Klangwiedergabe. Bei seiner Red Serie verzichtet er deshalb komplett auf die Dämpfung, da das Gehäuse synchron mit den Lautsprechertreibern atmet. Im hier getesteten Topmodell Russell K Red 150 werden zur Gehäuseverstärkung vier horizontal angeordnete Versteifungen mit zehn bis 20 kleinen Löchern verwendet. Zusätzlich gibt es weitere drei vertikal positionierte kleinere Versteifungen. Während die Seitenwände 16 Millimeter stark sind und aus MDF gefertigt werden, sind die aus dem gleichen Material bestehende Gehäusefront und der Boden jeweils 19 Millimeter dick. Die Bassreflexöffnungen sind unterschiedlich groß – auch wenn man das auf dem ersten Blick nicht erkennt.

Gut zu erkennen sind die Bohrungen bei einer der vier horizontalen Gehäuseverstärkungen. Durch diese Konstruktion ist eine dynamikmindernde Dämpfung komplett obsolet
Gut zu erkennen sind die Bohrungen bei einer der vier horizontalen Gehäuseverstärkungen. Durch diese Konstruktion ist eine dynamikmindernde Dämpfung komplett obsolet


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