tests/20-03-13_spec
 

Spec Real Sound Processor RSP-AZ9EX

13.03.2020 // Dirk Sommer

Zwar haben wir bisher keine Spec-Komponente – der Nobel-Hersteller hat einen Plattenspieler, einen D/A-Wandler, Vor-, Voll-, Phono- und Endverstärker sowie Kondensatoren im Angebot – getestet. Der aufsehenerregende DAC mit LAN-Eingang spielte aber im Artikel über das Diretta-Protokoll eine Rolle. Hier geht es um zwei Holzkästchen aus dem Hause Spec.

Der DAC mit LAN-Eingang, der bei Spec als Netzwerk-Player firmiert, und das ausgelagerte Netzteil hatten bei mir schon in der kurzen Zeit, bevor Roland Dietl sie in seinen Hörraum entführte, aufgrund ihrer Physis einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Die schweren Gehäuse waren perfekt verarbeitet und zeichneten sich durch massive Fichtenbasen zur Resonanzkontrolle aus. Auch die beiden von mir despektierlich „Holzkästchen“ titulierten Real Sound Processor RSP-AZ9EX besitzen eine handschmeichlerische Oberfläche. Aber es geht ja nicht um das Äußere. Hinter dem Begriff „Processor“ – die meisten Spec-Komponenten führen den Zusatz „Real Sound“ im Namen – verbirgt sich ein frei verdrahtetes Netzwerk mit Kondensatoren und einem Widerstand in – wie gesagt – feinster Verpackung, das der Gegen-EMK bei dynamischen Lautsprechern entgegenwirken soll: Aufgrund der Masseträgheit der bewegten Teile eines Lautsprechers generiert er eine Elektro-Motorische-Kraft, die in Form eines Stroms über das Lautsprecherkabel zum Verstärker zurückfließt und dort idealerweise aufgrund von dessen gegen Null gehenden Innenwiderstandes kurzgeschlossen wird. Arbeitet der Verstärker mit einer hohen Über-Alles-Gegenkopplung kann sich der zurückfließende Strom negativ auf die Rückkopplungsschleife auswirken und komplizierte Phasenprobleme verursachten.

Dem Testexemplar lagen vier Kabelstücke von Duelund bei
Dem Testexemplar lagen vier Kabelstücke von Duelund bei

Wie die in Hifi-Kreisen wahrscheinlich etwas bekannteren Enacoms sollen die RSP-AZ9EX einen Teil der gegenelektromotorischen Kraft absorbieren und so dem leider nicht idealen Verstärker helfen, den Lautsprecher leichter anzutreiben. Da die Spec-Processor parallel zum Lautsprecher angeschlossen werden, dürfen sie keinen niedrigen ohmschen Widerstand darstellen, ansonsten würden ja die Signale des Verstärkers kurzgeschlossen. Die RSP-AZ9EX können erst bei höheren Frequenzen wirksam werden. Deswegen wird in der kurzen Bedienungsanleitung auch geraten, sie bei Lautsprechern mit Bi-Wiring-Terminals mit den Anschlüssen der Mittelhochtöner zu verbinden. Bei der Göbel Epoque Aeon Fine sind die Terminals für die Bässe und den Biegewellenstrahler gebrückt, da sie nur über ein Lacorde-Statement-Speaker-Kabel mit der Einstein-Endstufe verbunden sind. Der im Bereich von 160 bis 32.000 Hertz arbeitende Biegewellenstrahler ist übrigens auch ein dynamischer Schallwandler, generiert als also Gegen-EMK.

Da ich keine allzu großen Veränderungen erwarte, mache ich es mir leicht und greife zum vertrauten „God Bless The Child“ vom Album Standards, Vol 1 des Keith Jarrett Trios: Ja, da lag ich nicht ganz so falsch, die Unterschiede sind nicht weltbewegend, aber klar nachvollziehbar. Beim Piano-Intro lassen die Spec die Bühne einen Hauch luftiger und größer erscheinen. Das Klangbild wirkt eine Spur klarer, aber Keith Jarrett scheint den Flügel minimal weniger dynamisch zu traktieren. Das dann einsetzende Schlagzeug kommt mit den RSP-AZ9EX dynamisch ein wenig differenzierter und damit spannender rüber. Die Becken umgibt nun mehr Luft. Um die Differenzen so detailliert beschreiben zu können, musste ich die Spec allerdings zweimal ab und wieder anstecken…


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