tests/20-05-15_ortofon
 

Ortofon SPU Century

15.05.2020 // Dirk Sommer

Bisher habe ich das Century mit seinem Innenwiderstand von zwei Ohm an meiner Einstein-Phonostufe mit dem niedrigsten serienmäßig mitgelieferten Abschlusswiderstand von 40 Ohm gehört – und bin, wie Sie gemerkt haben dürften, schlicht begeistert. Aber ein SPU sollte man immer auch in Verbindung mit einem Übertrager hören. Das gilt besonders dann, wenn sich im eigenen Fundus ein SPU-T100 befindet. Nur kann ich den Silber-Übertrager mit dem für SPUs optimierten Werten nicht mit Einsteins The Turntable's Choice kombinieren, da die vollsymmetrische Phonostufe ausschließlich für Moving-Coil-Tonabnehmer ausgelegt ist. Günter Antoniazzi schickte mir deshalb den Blue Amp Surzur MK III, der mit MC und MM-Signalen bestens zurecht kommt. Blue Amp wird übrigens seit dem letzten Jahr von ATR - Audio Trade vertrieben. Aber bevor ich das Century mit dem SPU-T100 samt Surzur verbinde, höre ich es noch einmal mit dem Einstein, und zwar mit einer vertrauten Scheibe: Bang, Baaroom And Harp, allerdings nicht als Reissue, sondern einem englischen Original: SF-5031 (LSP-1866). Die Platte stammt aus einer Leihbücherei in einem Vorort in London, und entsprechend sieht die Oberfläche aus. Aber so etwas verzeiht zum Glück auch das modernste SPU. Die Reissues besitzen im Bass noch ein wenig mehr Druck, wirken spektakulärer. Wenn es aber um Natürlichkeit und musikalischen Fluss geht, hat das Original die Nase vorn.

Das Zavfino-Kabel für den Anschluss des Übertragers an den Surzur. In meiner Kette war ein zusätzliches Erdungskabel von der Klemme des Übertragers an Einsteins The Preamp nötig, um eine völlig brummfreie Phonowiedergabe zu erreichen
Das Zavfino-Kabel für den Anschluss des Übertragers an den Surzur. In meiner Kette war ein zusätzliches Erdungskabel von der Klemme des Übertragers an Einsteins The Preamp nötig, um eine völlig brummfreie Phonowiedergabe zu erreichen

Ich wechsle von der MC-Vorstufe zum Übertrager mit nachgeschaltetem Surzur. Gut, der eine oder andere Impuls kommt beim Einstein noch eine Spur heftiger, aber wenn es um Raum und Atmosphäre geht, haben Blue Amp und Übertrager einfach mehr zu bieten. Auch das Century fühlt sich an den Wicklungen wohler als an Elektronik. Da spielt es keine Rolle, dass der Surzur plus SPU-T100 – mit dem in Euro umgerechneten DM-Preis aus dem letzten Jahrtausend – ein Stück günstiger ist als der Einstein. Ich gebe gerne zu, dass ich kein Freund von Übertragern bin und fast immer eine MC-Vorstufe vorziehe. Alle bisher gehörten Varianten des SPUs teilen meine Vorliebe für feine hochsensible Elektronik jedoch nicht. Zur Bestätigung dieser Einschätzung verbinde ich das Century abschließend statt mit dem zwischgeschalteten Übertrager direkt mit dem dann für MC-Betrieb konfigurierten Surzur: Auch hier sollte man auf den Übertrager nicht verzichten. Er sorgt für einen noch geschmeidigeren Hochtonbereich, eine etwas tiefere Bühne und eine insgesamt körperhaftere Wiedergabe. Egal ob Einstein oder Blue Amp: So beeindruckend das Century daran auch spielen mag, mit Übertrager besitzt es einfach noch mehr Charme.

STATEMENT

Das Century demonstriert überzeugend, dass eine hervorragende Durchzeichnung und eine sehr plastische Raumdarstellung mit bekannten SPU-Tugenden eine perfekte Kombination ergeben – und dabei der sinnliche Aspekt des Musikgenusses weiterhin im Vordergrund steht. Da bleibt mir nur, Leif Johannsens markige Aussage zu zitieren, mit einem kleinen Zusatz: Das Century ist das beste SPU aller Zeiten – das ich bisher gehört habe!
Gehört mit
Plattenspieler Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil
Tonarm Ortofon 309, Thales Simplicity
Tonabnehmer Ortofon SPU Royal,Gold und Meister Silver, Lyra Olympos SL
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (sym), Blue Amp Surzur
Übertrager Ortofon SPU-T100
Vorverstärker Einstein The Preamp, Audio Exklusiv R7
Endstufe Einstein The Poweramp
Lautsprecher Göbel Epoque Aeon Fine
Kabel Goebel High End Lacorde Statement, Audioquest Dragon HC, Tornado (HC) und NRG-Z3, Ortofon TSW und AC 5000 Silver, Zafinio
Zubehör AHP Klangmodul IV G, Audioquest Niagara 5000 und 1000, Synergistic Research Active Ground Block SE, HMS-Wandsteckdosen, Blockaudio C-Lock Lite, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Artesania Audio Exoteryc, SSC Big Magic Base, Finite Elemente Carbofibre°-HD, Harmonix Real Focus und Room Tuning Disks, Audio Exklusiv Silentplugs
Herstellerangaben
Ortofon SPU Century
Tonabnehmer-Typ MC (Low-Output Moving-Coil)
Tonarm-Befestigung SME-Bajonett
Ausgangsspannung 0,2mV bei 1000Hz, 5cm/sec
Verstärkeranschluss Phono MC
Kanalabweichung bei 1 kHz <1dB
Übersprechdämpfung bei 1kHz >22dB
Übersprechdämpfung bei 15kHz >15dB
Frequenzbereich 20-25.000Hz
Frequenzgang 20-20.000Hz +3/-2dB
Abtastfähigkeit bei 315Hz 70µm bei empfohlener Auflagekraft
Nadelnachgiebigkeit 8µm/mN
empf. Tonarm-Typ mittelschwer und schwer
Abtastdiamant Shibata, nackt
Verrundung r/R 6/50µm
Auflagekraftbereich 30-50mN (3,0-5,0g)
empf. Auflagekraft 40mN (4,0g)
Abtastwinkel 20 Grad
Gleichstromwiderstand 2 Ohm
empf. Abschlusswiderstand >10 Ohm
Gehäusematerial Aluminium/stabilisiertes Buchenholz
Gewicht 32g
Besonderheiten Gehäuse im SLM-Verfahren (Selective Laser Melting), aus Aluminium-Pulver hergestellt. Wicklung aus versilbertem, sauerstofffreiem 7N-Kupfer (OFC 99,99999%). Innenverkabelung Hybrid-Aufbau aus sauerstofffreiem, versilbertem Reinkupfer und 4N-Reinsilber (Ortofon LW-800S)
Preis 4.500 Euro

Vertrieb
AUDIO-TRADE Hi-Fi Vertriebsgesellschaft mbH
Anschrift Villa Belvedere
Wallufer Straße 2
D-65343 Eltville am Rhein
Telefon +49 6123 9258956
E-Mail info@audiotra.de
Web www.audiotra.de


  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026
  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026
  • Matrix Audio mini-i Pro 4

    “Die Matrix ist allgegenwärtig, sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer.” Lange habe ich darauf gewartet, einen Testbericht mit einem passenden Filmzitat zu eröffnen. Ähnlich lange habe ich mich auf den Test eines Produkts aus dem Hause Matrix Audio gefreut. Mit dem mini-i Pro 4 ist es endlich so weit. Der Name Matrix Audio beruft sich eigentlich auf das gleichnamige mathematische Konzept, aber bei der Namensverwandtschaft zu dem stilprägenden Film kam ich…
    21.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 SSE – das Interview

    Während meines letzten Besuchs der Audio Group Denmark in Aalborg hatte ich am Tag nach der Präsentation der Børresen M8 und der Aavik M-880 Gelegenheit, mit dem Entwickler der T5 SSE über sein Produkt zu sprechen. Wenn Sie im ersten Teil technische Details vermisst haben sollten: Hier finden Sie sie in Hülle und Fülle. Dirk Sommer: Nun zu etwas ganz anderem, den T5. Was ist anders im Vergleich zum 05? Ich muss zugeben, dass ich…
    17.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 Silver Supreme Edition

    Einerseits war ich mit der Børresen 05 Silver Supreme Edition in meinem Hörraum wunschlos glücklich, andererseits begeisterte mich das Nachfolgemodell, die T5 SSE, schon bei ihrer Vorstellung damals noch in München allein durch ihr Erscheinungsbild: Die schwarze Hochglanzlackierung mit Karbonfaser-Applikationen wirkte einfach unheimlich elegant. Aber natürlich geht es mir bei Lautsprechern nicht vorrangig um die Optik. Dass die Børresen 05 SSE solange bei mir zu Gast war und ich mich schon auf die T5 SSE…
    14.07.2026
  • Qln – das Interview

    Roland Dietl: Welche Antriebstechnik verwendest Du bevorzugt bei Tief-Mitteltönern? Mats Andersen: Ich bevorzuge eine unterhängende Schwingspulenanordnung. Bei Standard-Treibern hat man eine Schwingspule, die etwa 20 bis 40 Millimeter lang ist, und dann einen Magnetspalt von etwa 5 bis 6 Millimetern. Wenn sich die Schwingspule bewegt, ändern sich die Induktivität und auch die Magnetkraft. Bei unserem Treiber beträgt der Magnetspalt dagegen 20 Millimeter und die Schwingspule ist 11 Millimeter lang. Die Schwingspule bleibt dadurch permanent vollständig…
    07.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.