tests/20-12-23_antipodes
 

Antipodes K50

23.12.2020 // Wolfgang Kemper

Drei Jahre später, Ende 2019, war das Oladra-Projekt zum gewünschten Ergebnis gekommen und wurde in die neuen Server der S-Serie und K-Linie implantiert. Grundrauschen war so gut wie nicht mehr vorhanden und die Dynamik und Detailauflösung entsprach den Wünschen und Zielen von Mark Jenkins. Zwei entscheidende Dinge waren dafür verantwortlich: ISM, das steht für Interference Spectrum Management, bewirkt die Minimierung des Rauschens auf dem Computer-Board. Antipodes kauft geeignete Motherboards zu und justiert die Parameter der Chips bis die Rauschspitzen und Rauschknoten zwischen den Rauschspektren mehrerer Chips durch Verschieben und Verteilen minimalisiert oder gar eliminiert sind. Dies geschieht vorab messtechnisch, wird jedoch zusätzlich in Hörsitzungen auf klangliche Auswirkungen überprüft. Der zweite, ganz entscheidende Schlüssel zum Erfolg des Oladra-Projekts ist die Stromversorgung. Hier bringt eine Kombination aus linearem und Schalt-Netzteil die Vorteile beider Welten zusammen. Die Schnelligkeit eines Schaltnetzteiles ist für Segmente des Computers musikalisch besser geeignet als die Versorgung mit einem Linear-Netzteil, das wiederum an anderer Stelle seine Vorzüge hörbar macht. So reduziert die lineare Stromversorgung Rauschstörungen und wurde deshalb von Antipodes von Beginn an eingesetzt. Jedoch begrenzt sie eben die Bandbreite, weil sie an einigen Stellen die Schaltung nicht schnell genug bedient. Das macht nun das neue Hybridnetzteil anders und besser, weil jeder Teil seine Stärken an geeigneter Stelle im Gesamt-Konzept einbringt. Drei dieser Netzteile HSL80 arbeiten im K50; der preisgünstigere K30 besitzt nur eines. Da ist noch etwas: Der K50 enthält ein drittes, R1i benanntes Board mit einem hochpräzisen Femto-Taktgeber, das die Eingangselektronik vollständig vom Reclocker und der Ausgangselektronik isoliert und laut Antipodes eine signifikante Klangverbesserung mit sich bringt. Eine hochwertige Taktgebung ist laut Antipodes um so wichtiger, je besser das Zusammenspiel von Rauschfreiheit und großer Bandbreite realisiert sind. Bei einem in dieser Hinsicht weniger zielführendem technischen Layout sei eine aufwändige Clock eher ein Marketing-Instrument als wirklich von hörbarem Nutzen. Der rückseitige Word-Clock Ausgang erlaubt es, einen geeigneten D/A-Wandler über die Antipodes-Clock in Gleichtakt zu bringen. Alle drei Rechner-Boards und die drei Netzteile finden Platz in einem mechanisch aufwändigen, in separaten Kammern gegliederten Gehäuseaufbau, der in hohem Maße der Abschirmung dienlich ist, aber auch für mechanisch ruhige Verhältnisse sorgt.

Die zwei Ringkerntrafos wandeln mit ihren 115 Volt jeweils eine Halbwelle des Netz-Sinus und versorgen gemeinsam die drei Netzteile links
Die zwei Ringkerntrafos wandeln mit ihren 115 Volt jeweils eine Halbwelle des Netz-Sinus und versorgen gemeinsam die drei Netzteile links

Von außen betrachtet wirkt der K50 schlicht und funktional ohne jegliche Gimmicks. Die Front bietet den großen, runden Ein-/Aus-Taster, der, sobald der rückseitige harte Netzschalter auf On steht, das Hochfahren des Servers oder den Wechsel in den Standby auslöst. Der Zustand wird durch eine rote und grüne LED angezeigt, die jeweils blinkt, solange der K50 rauf oder runter fährt. Rückseitig bieten sich die diversen Anschlüsse an, die auf dem Foto leicht zu identifizieren sind. Darüber liegen drei Slots für das bequeme Einschieben von HDD- oder SSD-Speicherplatten mit einer maximalen Größe von je acht Terabyte, so dass man bis zu 24 Terabyte zur Verfügung hat, was eine riesige Musikbibliothek ermöglicht. Passend zur K-Linie bietet Antipodes das CD-Laufwerk K10 zum Rippen per USB-Verbindung an. Die Dateien werden stets bei niedriger Lese-Geschwindigkeit in nicht komprimiertes Flac konvertiert und gespeichert. Das bedeutet zwar höheren Platzbedarf, ist aber klanglich vorteilhaft, da bei der Wiedergabe keine Dekomprimierung stattfindet, die Rechenleistung und somit Computer-Aktionismus mit sich bringt. Ich habe mit einem simplen HP-Laufwerk für 40 Euro einige CDs aufgespielt, mit einwandfreiem Ergebnis. Einfach die CD ins Laufwerk legen und warten, bis sich die Lade wieder öffnet. Für eine CD mit einer Spieldauer von knapp 43 Minuten habe ich eine Gesamt-Zeit von genau elf Minuten gestoppt. Um unnötige Aktivitäten und Datenverkehr zu unterbinden, lassen sich die Festplatten nicht in einem Raid-Modus konfigurieren. Der K50-Server sieht sie als Einheit. Wer möchte, kann aber mehrere Ordner kreieren, in denen die Files nach eigener Wunschordnung abgelegt werden können. Auch das Aufspielen oder Bearbeiten von Musikordnern im Netzwerk, so zum Beispiel von meinem MacMini aus, war komfortabel und zügig möglich. Rückseitige USB-Anschlüsse für USB-Sticks oder Festplatten sind vorhanden, die der Server selbständig erkennen und im Bedienmenü mit anbieten würde. Das Software-Angebot, das getrennt für den Server und für den Player zur Auswahl steht, bietet diverse Möglichkeiten, die sich hinsichtlich Komfort, aber auch Klang unterscheiden. Aus dem Angebot kann man wählen und kombinieren. Nicht gewünschte Player-Software darf man deinstallieren. Sie steht dann weiterhin zur Verfügung, falls sie wieder aktiviert werden soll. Das Aufspielen weiterer Player-Software ist nicht möglich. Über das Netzwerk wird die jeweils installierte Software aktualisiert, und zwar nachts. Deshalb sollte man in der Software auch die korrekte Zeitzone angeben. Das Aktivieren der Server-Software ist durch einfaches Anklicken im Menü und anschließender Einstellung zum Beispiel zum Umgang mit DSD-Files auch nicht kompliziert.

Einer der zwei gemeinsam agierenden Transformatoren
Einer der zwei gemeinsam agierenden Transformatoren

Von einem Musikserver dieser Preisklasse darf man zurecht sehr viel erwarten. Ich habe mir manchmal gewünscht, Besitzer einer opulenten und kostspieligen Server-Renderer Alternative zu sein, wie zum Beispiel der schon oben erwähnten mit Melco-Server und Auralic Aries Player. Dann wäre der Vergleich wegen der preislichen Nähe aussagekräftig. Andererseits gibt es unter Ihnen, verehrte Leser, wohl auch manchen, der sich wie ich auf preislich relativ bescheidenerem Terrain bewegt und sich vielleicht nach dem Sinn einer so üppigen Investition fragt oder damit liebäugelt. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, obwohl der Antipodes mich klanglich in jeder Hinsicht und nachhaltig überzeugt. Allerdings ist nach meiner Auffassung von erheblicher Bedeutung, womit man ihn vergleicht. Wie gesagt, der erste Konkurrent war der Daphile-Nuc mit aufwändiger Peripherie am PS-Audio DAC mit Windom, einer Kombination, die musikalisch mit einem sehr klaren, räumlich tief staffelndes Klangbild begeistern kann. Ein Beispiel: Ich liebe die Einspielung von Schuberts Klaviersonate in d-Dur op.53 und der h-Moll Sonate von Franz Liszt mit Emil Gilels auf Living Stereo, wieder aufgelegt als CD bei Sony Music. Dem K50 gelingt es, das Instrument in einer Plastizität zu reproduzieren, die glauben lassen mag, der Flügel stehe realiter im Raum. Fein und äußerst filigran gerät das Nachschwingen der Töne, ausgeprägter und anhaltender als mit dem Daphile-Nuc. Die Wucht eines kraftvollen Anschlages dieses großartigen Pianisten verknüpft Klangfülle mit Prägnanz und Detailstruktur. Das fesselt, lässt mich fasziniert zuhören, und ich muss nach den Schluss-Akorden des Lisztschen Meisterwerks erst einmal durchatmen. Verglichen mit dem Daphile-Nuc entfaltet der K50 bei symphonischen Werke überlegene Größe, Dynamik und Durchzeichnung bei authentischen Klangfarben, so dass auch jedes Solo-Instrument wie etwa die Violine von Lisa Batiashvilli in Visions of Prokofiev oder auch in ihrem musikalischen Potpourri City Lights einen beinahe sichtbaren Körper bekommt und nicht nur die Saite klingt, sondern wirklich eine Geige. Ähnlich beeindruckend klingen Jazz-Aufnahmen und Rock-Alben wie Beggars Banquet der Rolling Stones, wo Mick Jagger hier nicht hinten auf der imaginären Bühne steht, sondern an seiner Position als Frontmann, oder Chocolate and Cheese von Ween, wo ich so viele Details in der Instrumentierung und deren Klangfarben bis dato gar nicht kannte. Hier blieben die Stimmen der Sänger menschlich warm, doch nie eingedickt. Es waren eigentlich weniger Stimmen als Personen, die da sangen.


  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026
  • Dan Clark Audio Aeon Core

    Anfang letzten Jahres stellte ich den Dan Clark Audio Noire X vor, dessen Klangsignatur der meines absoluten Favoriten, dem Stealth, sehr nahe kommt – und das zu einem Viertel des Preises des Dan Clark Audio-Topmodells. Jetzt charakterisiert der kalifornische Kopfhörerspezialist den Aeon Core sehr ähnlich: „Flagship Performance. Breakthrough Price.“ Dazu, wie sich die Hierarchie zwischen Stealth, Noire X und Aeon Core darstellt, möchte ich später kommen, denn bei seiner Arbeit für den Aeon Core ging…
    14.08.2026
  • Oladra Presence

    Die Server und Streamer von Antipodes Audio sind kostspielig. Das ist nicht neu. Sie bieten für's Geld eine hervorragende Klangqualität. Das begann seinerzeit für mich mit dem EX, ging über die S-Serie zum K50 und schließlich sogar bis zum Oladra G4. Jetzt steht der brandneue Oladra Presence bei mir zum Test. Der Oladra Presence kostet enorme 58.000 Euro. Das ist für mich eigentlich Grund genug, mich nicht mit ihm zu befassen. Aber mein Interesse und…
    11.08.2026
  • MSB Technology Cascade DAC – aktuelle Version

    Die Bilder könnten zwar den Anschein erwecken, aber ich recycele hier nicht den Cascade-Test von vor zwei Jahren – auch wenn das bei den Temperaturen im Hörraum ein verlockender Gedanke wäre. Der aktuelle MSB-Wandler unterscheidet sich rein äußerlich nicht von dem, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe, in Sachen Technik und Klang aber sehr wohl. Ich habe Jürgen Sachweh, den Inhaber des deutschen MSB-Vertriebs gefragt, was mein damaliges Testmodell von der neuen Version unterscheidet, und…
    04.08.2026
  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.