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Test.
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Børresen 01 Silver Supreme

23.03.2021 // Dirk Sommer

Welche Überraschung, als ich dann Keith Jarretts „God Bless The Child“ vom Album Standards, Vol. 1 anspiele: So voluminös, ja fast schon fett habe ich den Flügel nicht in Erinnerung. Und auch die Bass Drum kommt mit ordentlich Dampf, lässt dafür aber ein wenig Präzision vermissen. Für eine – wenn vielleicht auch noch nicht hundertprozentig – freigespielte 01 ist der durch die Nähe zur Rückwand generierte Bass einfach zu viel des Guten. Zudem gehen in der Tieftonfülle einige Details verloren. Selbst bei Abdullah Ibrahims „Calypso Minor“, das ja auch von der Intensität des Kontrabasses und der Bass Drum lebt, übertreiben die 01 aufgrund ihrer Wandnähe im Tieftonbereich ein wenig. Also wandern die 01 auf die Plätze, auf denen schon eine Vielzahl von Lautsprechern meinen Raum beschallt haben. Bei „Calypso Minor“ kehrt dadurch die gewohnte Feinauflösung und Schnelligkeit zurück. Die Bass Drum und der tiefe Viersaiter besitzen ähnlich viel Druck, wie ich ihn von den Aeon Fine her kenne. Auch bei „God Bless The Child“ gibt es wieder die vertrauten Details zu hören, der Groove geht unter die Haut, nur die Bass Drum scheint ein bisschen weniger voluminös zu sein als beim meinen Standlautsprechern. Bei Ravi Shankars „West Eats Meat“ verhält es sich ähnlich. Den Tablas im Intro fehlt es weder an Schnelligkeit noch an Tieftonenergie, lediglich die Pauken im sich anschließenden Hauptteil kommen mit weniger Macht. Schostakowitschs „Polka“ fasziniert – wie üblich – mit ihrer guten Durchhörbarkeit, der realistischen Raumillusion und den kräftigen Klangfarben.

In der Bassreflex-Öffnung befinden sich diese unkonventionell geformten Diffusoren
In der Bassreflex-Öffnung befinden sich diese unkonventionell geformten Diffusoren

Es ist unglaublich, welche Menge Bassenergie die zierlichen 01 nun selbst relativ freistehend – der Abstand zur Seite beträgt etwa 65 Zentimeter, der zur Rückwand über einen Meter – mit ihrem einen 4,5-Zöller in den Hörraum wuchten. Das hätte ich mir bei der ersten Begegnung mit der Børresen 01 nicht träumen lassen. Um bei der ganzen Begeisterung über die Bassfähigkeit der ebenso zierlichen wie eleganten Zweiwege-Konstruktion keine Zweifel an ihren übrigen Spitzenleistungen aufkommen zu lassen, hier noch einmal ganz explizit: Ich kenne nicht einmal eine Handvoll Lautsprecher, die so homogen und damit frei von technischen Artefakten spielen wie die Børresen. Zudem verschwindet ihr Standort bei entsprechenden Aufnahmen völlig aus dem Klangbild. Dafür sind Positionen von Stimmen und Instrumenten respektive -gruppen auf der imaginären Bühne klar definiert und wirken unverrückbar. Selbst wenn ich die 01 – Michael Børresen beruhigende Worte im Ohr – nun mit höheren Lautstärken fordere, kann ich sie nicht dazu bringen, lästig, nervös oder komprimiert zu klingen. Mir fällt beim besten Willen kein Kritikpunkt ein. Vielleicht komme ich ja deshalb immer wieder auf den Bassbereich zurück, wo mit mehr Membranfläche noch ein wenig mehr möglich wäre.

Wie oben beschrieben, gilt das für Abdullah Ibrahims „Calypso Minor“ so gut wie nicht. Und deswegen kann ich es auch nicht lassen, bevor meine Gattin und ich wie so häufig mit einem Aperitif und einer Neuerwerbung von Qobuz oder einer alten ECM-Scheibe aus dem Plattenregal den Feierabend einläuten, noch einmal kurz das Test-Stück anzuspielen. Da die 01 nun wieder auf der für Lautsprecher üblichen Position im Hörraum und damit exakt auf der Höhe der Subwoofer stehen, und vor allem wegen der nun satten Bass Drum und des druckvollen Kontrabasses, vermutete meine Gattin, ich hätte die Velodynes an die Børresen angepasst und aktiviert: Was wir hörten, waren aber keine Subwoofer, sondern nur zusätzliche zehn Tage Einspielzeit für die 01!

Die Terminals der 01 akzeptieren lediglich Bananenstecker
Die Terminals der 01 akzeptieren lediglich Bananenstecker


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