tests/21-04-07_audiaz
 
Test.
Deutsch English|

AudiaZ Cadenza Silver Edition

07.04.2021 // Dirk Sommer

Wie nicht anders zu erwarten, haben wir die Veränderung zum Teil kontrovers beurteilt: hier der Fan von Frauenstimmen, dort der von Transienten, die denen bei einem realen Konzert möglichst nahekommen. Das Clock-Kabel von AudiaZ habe ich jedenfalls für eine eingehendere Beschäftigung erst einmal behalten. Und auch die Webersche Modifikation des SOtM-Switches könnte ich mir für mein Exemplar gut vorstellen. Ein Nebeneffekt der vielen Konzentration-zehrenden Vergleiche war, dass ich den Cadenza immer mehr vertraute: Sie machen auch kleinste Veränderungen in der Kette verlässlich hörbar – auch wenn sie meiner Überzeugung nach vorrangig als Genussmittel denn als Analyse-Werkzeug konzipiert wurden. Ich hatte jedenfalls ein sehr gutes Gefühl, als ich die AudiaZ beim Test von Audioquests Thunderbird 48 (HDMI) einsetzte.

An den ersten Tagen habe ich natürlich alle einschlägigen Test-Stücke gehört – ohne auch nur einmal enttäuscht worden zu sein. Nun gut, wenn meine Erinnerung nicht trügt, agiert meine mehrfach teurere Epoque Aeon Fine noch eine Spur spritziger und feinzeichnender. Auch echte und virtuelle Räume wirken beim Biegewellenstrahler noch einen Hauch größer. Aber solche Kleinigkeiten werden komplett irrelevant, wenn man sich länger auf die Cadenza und die Musik einlässt, statt mit den immer gleichen Tracks Unterschiede aufzuspüren versucht. Zum Glück hatte ich etwa zwei Wochen Zeit, bevor die Cadenza ins Fotostudio musste. Und während derer habe ich deutlich häufiger Musik gehört als üblich. Das lag zum einen daran, dass ich Soundsmiths Strain Gauge einspielen wollte, zum anderen aber auch daran, dass ich dabei immer wieder auf in Vergessenheit geratene Vinyl-Schätze gestoßen bin. Und die Mehrzahl davon bereitete dank der Cadenza eine Menge Spaß, weil bei ihnen das Gesamtpaket passt: Da zieht kein Frequenzbereich die Aufmerksamkeit auf sich, da spielt sich keiner der drei Treiber in den Vordergrund. Die Accuton-Chassis, denen in Foren gern schon mal eine gewisse Kühle unterstellt wird, hat Helmuth Weber zu einer ungemein gefälligen, bruchlosen Einheit zusammengefügt: Wenn ich bei alten Scheiben in Erinnerungen schwelge, kommt nicht der leiseste Gedanke an den technischen Aspekt der Wiedergabe auf.

Für die Innenverkabelung verwendet Audiaz dieses Reinsilberkabel. Es ist auch als konfektioniertes Lautsprecherkabel erhältlich
Für die Innenverkabelung verwendet Audiaz dieses Reinsilberkabel. Es ist auch als konfektioniertes Lautsprecherkabel erhältlich

Kein Wunder also, dass ich die Cadenza auch nach Feierabend noch genieße wollte: Zum abendlichen Aperitif wählte ich zu einem Frizzante Libellenteich aus dem Weinviertel eine selten gehörte Scheibe von Wolfgang Puschnig und Wolfgang Mitterer, vor allem weil sie live in natürlicher Akustik, in der Pfarrkirche von Lienz in Tirol aufgenommen wurde. Die Instrumentierung ist ungewöhnlich, aber ziemlich spannend: Altsaxophon, Orgel und Computer. Im Jahre 1985 spielte man aber nicht mal eben Musik per Computer ein: Die wurde zuvor im Elektronmusikstudio in Stockholm hergestellt, wie das Cover verrät. Dass obsoderso auf dem Label Moers Music erschienen war, hätte mir eine Warnung sein sollen, aber ich habe leider nicht auf das Label geachtet. Hätte ich die Platte nicht aufgelegt, wäre meiner Gattin und mir die vorzügliche Raumdarstellung der Orgel und des Saxophons entgangen. Die teils brachialen Einsätze von Orgel und Elektronik ließen uns im Hörsessel zusammenzucken. Das Titelstück ist sicherlich nichts für schwache Nerven, aber musikalisch ein spannendes Zeitdokument und klanglich – nicht zuletzt dank der AudiaZ Cadenza – ein wahrer Genuss. Wir haben jedenfalls eine ganze Plattenseite durchgehalten und sind dann dem Wunsch nach etwas Harmonischeren mit dem Speakers-Corner-LSP-Reissue von Henry Mancinis Filmmusik zu The Pink Panther nachgekommen. Gerade wenn man zuvor einen Film der Reihe gesehen hat, kann man über die Klangfarben, die Dynamik und die rhythmische Intensität bei der Wiedergabe der Titelmelodie über eine gute Kette nur ins Schwärme geraten. Aber egal, ob sperrige Klangexperimente oder lieblich arrangierte Filmmusik: Die Cadenza überzeugen mit jeder Art von Musik.

Die Terminals stammen von WBT. Die Leiter bestehen hier ebenfalls aus Silber
Die Terminals stammen von WBT. Die Leiter bestehen hier ebenfalls aus Silber


  • Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

    Auf der HighEnd 2024 präsentierte Cayin zum 30-jährigen Marken-Jubiläum die Pearl Modelle. Dazu gehören der D/A-Wandler Pearl 30d und der CD-Transport Pearl 30c. Beide imponieren nicht allein durch ihre prachtvolle Erscheinung. Auch technisch sind sie enorm aufwändig. Da stellt sich besonders die Frage nach der Relevanz eines solchen CD-Laufwerks. Die HighEnd liegt nun beinahe zwei Jahre zurück. Als Cayin Deutschland-Chef Thomas Deyerling im Januar meine Anfrage nach einem Test dieser Kombi positiv beantwortete, war ich…
    10.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026
  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.