tests/21-07-20_krell
 

Krell K-300i

20.07.2021 // Roland Dietl

Darüber hinaus bietet der K-300i auch noch Funktionen, die ihn für kundenspezifische Installationen prädestinieren, wie die 3,5-Millimeter-Buchsen für IR-Input und 12-Volt Trigger input / output sowie eine RS-232 Schnittstelle, auf die wir nicht weiter eingehen. Das Gehäuse ist – wie bei Krell üblich – erstklassig verarbeitet: Da klappert und scheppert rein gar nichts. Kein Wunder bei einem Gewicht von nahezu 24 Kilogramm. Wenn wir den Deckel abnehmen, sehen wir, dass neben dem Gehäuse ein großer Ringkerntransformator mit 770 Watt und Siebkondensatoren mit 80.000 Mikrofarad nicht unerheblich zum imposanten Gesamtgewicht beitragen. Angesichts der versprochenen Ausgangsleistung 150 Watt pro Kanal an acht Ohm und 300 Watt pro Kanal an vier Ohm sind wir dann aber ein wenig überrascht, wie kompakt die Kühlkörper ausgefallen sind.

Das umfangreiche Anschlussfeld lässt keine Wünsche offen
Das umfangreiche Anschlussfeld lässt keine Wünsche offen

Verantwortlich dafür ist die iBias genannte Technologie von Krell, welche die klanglichen Vorteile des echten Class-A-Betriebs ohne deren übermäßigen Wärme- und Stromverbrauch erreichen möchte. In den allermeisten heutigen analogen Verstärkern arbeitet die Ausgangstufe im sogenannten Gegentaktbetrieb. Dabei sind ein oder mehrere Transistoren vom Typ N für den positiven Teil des Audiosignals und Transistoren vom Typ P für den negativen Teil des Signals zuständig. Kritisch ist der Punkt, wenn das Audiosignal im Nulldurchgang vom jeweils anderen Transistortyp übernommen wird, denn dann schaltet sich der eine Transistor ein und der andere ab (Gegentakt B-Betrieb). Hier kommt es unweigerlich zu Verzerrungen, die treffend „Übernahme“- oder „Crossover“-Verzerrungen genannt werden. Abhilfe lässt sich schaffen, in dem man dauerhaft einen (Ruhe-)Strom durch die Transistoren fließen lässt. Bei einem kleinen Ruhestrom spricht man vom Gegentakt AB-Betrieb und bei einem Ruhestrom in Höhe der Hälfte des maximalen Ausgangstroms vom Gegentakt A-Betrieb, wobei letzterer als Königsweg in klanglicher Hinsicht gilt. Aber: unglücklicherweise verbraten Class-A-Verstärker gerade im Leerlauf den gesamten Strom nutzlos in Wärme und sind deshalb wenig effizient.

Ideal wäre es deshalb, den Ruhestrom in Abhängigkeit vom Audiosignal zu steuern: sprich kleines Audio-Signal, niedriger Ruhestrom und großes Audiosignal, hoher Ruhestrom. Nun sind gleitende Ruhestrom-Schaltungen nichts Neues. Die meisten Schaltungsvarianten überwachen dabei das Eingangssignal, um daraus zu berechnen, wieviel Ruhestrom durch die Endtransistoren fließen muss. Da dabei die Impedanz des angeschlossenen Lautsprechers unberücksichtigt bleibt, führt dies zu einem „ungenauen“ Class-A-Betrieb, da entweder zu viel oder zu wenig Ruhestrom fließt. Aus diesem Grund überwacht die iBias-Schaltung von Krell direkt den Strom in der Ausgangsstufe in Echtzeit und sorgt dafür, dass jederzeit genau der für einen echten Class A-Betrieb gerade notwendige Ruhestrom fließt.

Das Anschlussfeld im Detail: in der unteren Reihe die symmetrischen und unsymmetrischen analogen Eingänge, darüber die diversen Digital-Eingänge
Das Anschlussfeld im Detail: in der unteren Reihe die symmetrischen und unsymmetrischen analogen Eingänge, darüber die diversen Digital-Eingänge


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