tests/22-04-05_cayin
 

Cayin CS-6PH

05.04.2022 // Carsten Bussler

Die 6922 stammt aus neuer Fertigung von Electro Harmonix und kümmert sich um die MC-Verstärkung. Das ist bemerkenswert, denn viele Hersteller scheuen die Umsetzung einer aktiven Verstärkerstufe für die schwachen MC-Signale und setzen hier standardmäßig zum Beispiel kleine Übertrager ein, die das Signal einfach auf MM-Niveau hieven. Nicht so Cayin, die Chinesen gehen den mutigen, aufwendigen Weg, das verdient wirklich Anerkennung. Die zwei 12AX7 von JJ Electronics sind für die MM-Verstärkung beziehungsweise die RIAA-Entzerrung zuständig und die beiden 12AT7 von Electro Harmonix bilden die Ausgangsstufe. Insbesondere bei diesen drei Doppeltrioden-Pärchen eröffnet sich eine Spielwiese für Tube Roller, die womöglich über eigene New Old Stock Gläser dieser Röhrentypen verfügen und munter ausprobieren, ob sich klanglich noch etwas herauskitzeln lässt. Natürlich konnte ich es nicht sein lassen und kramte in meinem Fundus nach diversen alten Glaskolben. Schließlich stöpselte ich unter anderem alte ECC81 von Amperex, CV492 (ECC83) von Tungsram, JAN 12AX7WA von GE beziehungsweise ECC83 von Siemens und Amperex ein – alles Röhren, die ich eigentlich für meinen Almarro liegen habe. Die spätere Klangbeschreibung bezieht sich zwar ausschließlich auf das Setup mit den von Cayin ausgelieferten Röhren, aber an dieser Stelle sei mir schon einmal der Hinweis erlaubt, dass das Gerät so gut ist und über so viel Klasse verfügt, dass Klanggourmets den Einsatz guter NOS-Röhren unbedingt goutieren werden und dieses schlummernde Potenzial werden heben wollen.

Das Schmankerl der Netzteilsektion sind die beiden Gleichrichterröhren des Typs 22ED4, hier in Form von New Old Stock Röhren von RCA
Das Schmankerl der Netzteilsektion sind die beiden Gleichrichterröhren des Typs 22ED4, hier in Form von New Old Stock Röhren von RCA

Alle wesentlichen Bedienelemente befinden sich auf der wahlweise in Schwarz oder Silber erhältlichen Frontblende. Per Knopfdruck wird zwischen MM- und MC-Tonabnehmer ausgewählt. Der Verstärkungsfaktor liegt bei standardmäßigen 40 Dezibel für magnetische Tonabnehmer. Für unempfindlichere Tondosen mit bewegten Spulen erlaubt ein weiterer Druckschalter die Wahl zwischen praxisgerechten 57, 61 oder 65 dB. Ergänzend befindet sich auf der rechten Seite der Front ein größerer Drehschalter für die Wahl der passenden Impedanz für MC-Tonabnehmer. Hier hat man die Auswahl zwischen 47, 100, 200, 470 oder 1000 Ohm, was für alle MC-Lebenslagen passen dürfte. Ergänzend gibt es noch einen Rumpelschalter auf der Vorderseite, der zum Beispiel bei verwellten Platten ein probates Mittel darstellen kann, per Tiefpassfilter potenziell zu hohen Membranauslenkungen der Tieftöner vorzubeugen. Alle elektronischen Schalter merken sich beim Ausschalten des Geräts übrigens die letzten Einstellungen, so müssen diese bei der nächsten Hörsession nicht wieder neu vorgenommen werden. Das alles ist sehr komfortabel für Musikhörer, die auch mal schnell zwischen unterschiedlichen Tonabnehmern wechseln wollen: Ein Aufschrauben des Gehäuses zum fummeligen Umschalten und Anpassen der korrekten Werte für den verwendeten Tonabnehmer per Mäuseklavier ist hier nicht notwendig. Nur mal so nebenbei bemerkt: Dies wäre ein komfortseitig perfektes Gerät gerade für den Alltag von HiFi-Redakteuren!

Die kleinen Doppeltriodenpärchen 12AT7 (EH, Ausgangsstufe), 12AX7 (JJ, MM-Sektion) und 6922 (EH, MC-Sektion) sind zum Schutz vor Mikrofonieeffekten mit kleinen Blechhülsen geschützt
Die kleinen Doppeltriodenpärchen 12AT7 (EH, Ausgangsstufe), 12AX7 (JJ, MM-Sektion) und 6922 (EH, MC-Sektion) sind zum Schutz vor Mikrofonieeffekten mit kleinen Blechhülsen geschützt

Ausgangsseitig stellt der CS-6PH in Richtung Verstärker sowohl einen symmetrischen als auch einen unsymmetrischen Anschluss bereit, vom Plattenspieler kommend geht es allerdings nur unsymmetrisch per Cinch-Stecker in die Phonostufe hinein, und zwar separat für MM und MC. Ach ja, der liebe Preis: Cayin ruft für seinen CS-6PH Phono-Vorverstärker 2.500 Euro auf, was mir angesichts des technisch Gebotenen schon fast günstig erscheint. Für vergleichbaren Fertigungsaufwand und Materialeinsatz müsste man für ein Gerät aus europäischer Produktion gewiss ein doppelt so hohes Preisschild erwarten, wenn man denn damit auskäme.


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