tests/22-04-19_vandenhul
 

Van den Hul: The USB Ultimate, Digicoupler, AES-EBU Professional, The Inspiration, The Valley 3T

19.04.2022 // Finn Corvin Gallowsky

Das USB-Kabel ist optisch eher unspektakulär, überzeugt davor klanglich umso mehr
Das USB-Kabel ist optisch eher unspektakulär, überzeugt davor klanglich umso mehr

„Scorched Earth“ aus einer meiner Lieblingsfilmmusiken AVATAR von James Horner, als CD-Rip im FLAC-Format auf der Festplatte des Melco-Servers liegend, ist meine erste Beurteilungsgrundlage. Die beiden USB-Kabel spielen auf einem ähnlich hohem Niveau. Je nach bevorzugter Musikrichtung oder sogar je nach Stück oder Aufnahme würde ich entweder das eine oder andere Kabel wählen. Schlüsseln wir einmal genauer auf. Das Chord Shawline vermittelt allgemein einen etwas strahlenderen, forschen Charakter und lässt hier und da sogar eine leichte Schärfe durchscheinen, während das van den Hul runder und etwas zurückhaltend klingt, ohne allerdings verhangen oder kraftlos zu wirken. Es verleiht der Musik mehr Stimmigkeit und spielt die Dynamik des Stücks etwas souveräner und autoritärer aus. Das Chord allerdings liefert eine minimal größere Bühne und etwas mehr Tiefe. Besonders interessant wird es bei der Detailreproduktion. Während das Chord absolut gesehen etwas mehr Details offenbart, ist die Art und Weise, in der das van den Hul die Details aufbereitet und durchzeichnet, stimmiger. Die beiden Kabel lassen sich recht gut mit zwei verschiedenen Orchestersälen vergleichen. Das van den Hul gleicht einem eher trockenen, warmen Saal mit wenig Nachhall. Er klingt zwar etwas unspektakulärer und weniger lebendig, aber auch direkter und arbeitet Details sehr präzise heraus. Das Chord hingegen gleicht einem Saal mit viel Nachhall, bei dem die Reflexionen den Instrumenten eine große Lebendigkeit verleihen und Details leichter durch den Raum transportiert werden, allerdings gleichzeitig durch die Reichhaltigkeit an Reflexionen, einmal beim Hörer angekommen, etwas ungenauer, verwischter wirken. Genau nach dieser Beschreibung würde ich die Kabel auch auswählen. Fehlt einer Aufnahme oder der Kette etwas Leben, ist das Chord eine gute Wahl, soll es lieber etwas ruhiger und präziser zugehen, das van den Hul. Bei „Scorched Earth“ fällt mir die Wahl schwer.

Die hervorragend verarbeiteten van-den-Hul-Cinch-Stecker werden leiterseitig verlötet, der Schirm wird mechanisch verbunden
Die hervorragend verarbeiteten van-den-Hul-Cinch-Stecker werden leiterseitig verlötet, der Schirm wird mechanisch verbunden

Bei dem Song „Tamashii No Houkai“ von Trivium Sänger Matt Heafys Projekt Ibaraki und dem Album Rashomon fällt meine Wahl eindeutig auf das USB Ultimate. Der Song ist wahrscheinlich das härteste jemals in einem HiFi-Magazin angeführte Hörbeispiel, aber die Eigenschaften des USB-Kabels tun ihm derart gut, dass ich nicht umhin kann, ihn als Beispiel anzuführen. Ob Sie ihn sich auch anhören möchten, bleibt ja ganz Ihnen überlassen. Das van den Hul zeigt, dass es die einzelnen Elemente des Stücks extrem gut zu trennen und einzeln wahrnehmbar darzustellen vermag. Die artifizielle Härte des Gitarrenklangs verschwindet und die schnellen Riffs werden in ihrer Mikrodynamik fantastisch genau abgebildet. Dass das Gitarrenriff trotzdem noch keift und kreischt, liegt in der Natur der Sache. Schließlich äußert sich auch Matt selbst überwiegend in Schreimanier. Kleinste Klangereignisse wie die zusätzliche Melodielinie neben den Gitarren, die ich einer Shamisen zuschreiben würde, sind schärfer umrissen und Matt Heafys Stimme steht mit größerer Plastizität in der Mitte der Mischung und vor den zwei Backing-Stimmen im letzten „ruhigeren“ Chorus-Segment des Stücks. Bei Musik, die bei nicht wenigen Hörern zu einem Synapsenkurzschluss führen dürfte, weiß das van den Hul ganz zur Freude meinerseits noch zu sortieren und zu ordnen.

Kommen wir jetzt zum Vergleich des AES/EBU- und S/PDIF-Kabels. Unterschiede rein auf die Kabel bezogen sind schwer von den zwei verschiedenen Übertragungsarten zu isolieren. Deshalb vergleiche ich zum Einstieg ausdrücklich sowohl beide Kabel und Übertragungsarten miteinander und beziehe mich wieder auf „Scorched Earth“. AES/EBU scheint mit mehr Hochtonenergie daherzukommen, was mit einem leicht tieferen Bühneneindruck einhergeht. Gleichzeitig hat diese Schnittstellen/Kabel-Kombi die Trommelimpulse des Stücks besser im Griff. Die stehenden Bässe bei etwa 2:15 Minuten werden viel stabiler und absolut unverrückbar reproduziert. Der allgemeine Detailgrad ist in dieser Konstellation höher. Die S/PDIF-Kombi wirkt insgesamt weicher. Instrumente setzen sich aber etwas besser voneinander ab und Impulse wirken druckvoller, wenngleich weniger kontrolliert und fokussiert. Eine Entscheidung zwischen AES/EBU und S/PDIF fällt mir ohnehin schwer. Oft höre ich S/PDIF. Mit den beiden van-den-Hul-Kabeln am DAC würde ich mich aber wohl für die AES/EBU-Verbindung entscheiden, die mich durch ihre Kontrolle und Hintergrundruhe überzeugt.


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