tests/23-11-28_absolare
 

Absolare Integrated

28.11.2023 // Roland Dietl

Der motorgetriebene Lautstärkeregler
Der motorgetriebene Lautstärkeregler

Ich weiß, Sie sind inzwischen schon etwas ungeduldig geworden und wollen wissen, was der ganze Aufwand denn bringt, sprich wie klingt der Integrated denn jetzt. Nun, ich habe mich dem Integrated in zwei großen Schritten über einen längeren Zeitraum angenähert. Schritt eins: Norbert Alt von AudioHome stellt den Integrated bei mir zuhause fachmännisch auf. Aufgrund der ungewöhnlichen Abmessungen hat er vorausschauend auch gleich noch eine passende Gerätebasis von Stabilian mitgebracht. Zum Testsystem gehört auch ein Set der erstklassigen NF-Verbindungsleitungen der Reihen Signature (XLR) und Omnia (Cinch) von Echole. Abgerundet wird der Service noch durch ein passendes Netzkabel, ebenfalls von Echole aus der Reihe Omnia. Ich bin zugegebener Maßen anfangs etwas skeptisch. Sind mir doch einige Röhren-Transistor-Hybridverstärker, denen ich bisher begegnet bin, als eine Mischung aus mehr oder weniger gelungenen Kompromissen und Abstrichen in Erinnerung geblieben. Beginnen wir im Frequenzspektrum ganz unten. Auf dem bekannten Album Hell Freezes Over von den Eagles (Eagles: Hell Freezes Over XRCD) glänzt der Integrated in den tiefen Etagen mit einer vollen und runden, aber jederzeit ausgezeichnet kontrollierten Wiedergabe. Knallharter Bass ist hier nicht sein Ding, was aber kein Fehler sein muss. Ohne weiter darüber nachzudenken wechsle ich zum Album Memphis...Yes, I'm Ready von Dee Dee Bridgewater. Hier beeindrucken mich Bass und Schlagzeug mit ihrer großen Kraft und Dynamik. Dabei ist der Integrated kein ungehobelter Muskelprotz, sondern versteht es, mit einer federnd-lebendigen Struktur zu überzeugen, die für meinen Geschmack genau die richtige Portion Groove entstehen lässt.

Ein Detailblick auf eine der Endstufenplatinen und die aufwändige Verkabelung
Ein Detailblick auf eine der Endstufenplatinen und die aufwändige Verkabelung

Am anderen Ende des Frequenzbereichs brilliert der Integrated mit seiner ungemein feinen, fast schon noblen Hochtonwiedergabe. Bei der exzellenten Aufnahme der „Serenata Notturna“ von W.A. Mozart mit der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Neville Marinner (Mozart: Three Divertimenti For Strings / Serenata Notturna - Academy Of St Martin-in-the-Fields/Neville Marriner - HDTT6398 24/352,8 DXD PCM) bleiben die Streicher bis in die höchsten Tonlagen samtig und geschmeidig ohne den kleinsten Anflug von Härte. Der Integrated ist hier sicherlich nicht das letzte Wort in Sachen Analytik, was aber nicht heißt, dass alles in Watte gepackt wird, sondern nur, dass er seine Akzente etwas anders setzt. Hören wir zum Vergleich das gleiche Werk, diesmal mit Andrew Manze und dem English Concert gespielt auf Originalinstrumenten (Mozart: Night Music (Eine Kleine Nachtmusik K. 525) – The English Concert/Andrew Manze). Der völlig andere Charakter der Originalinstrumente in den oberen Lagen wird, ohne dabei angestrengt zu wirken, wunderschön herausgearbeitet, weil die dafür so wichtigen Feininformationen eben genau nicht unterschlagen werden. Mir gefällt die auf extreme Durchhörbarkeit angelegte Interpretation von Andrew Manze, der das bekannte Werk gegen den gewohnten Strich bürstet. Andererseits habe ich oft mit der Wiedergabe der Streicher auf dieser Aufnahme so meine Schwierigkeiten, die für mich oft eher dünn, rau und manchmal fast unangenehm hart klingen. Und genau an dieser Stelle kommt der faszinierende Mitteltonbereich des Integrated ins Spiel. Jetzt haben die Streicher den bisher schmerzlich vermissten, vollen Grundton, der sich mit beispielloser Intensität von dort ohne Bruch bis in die höchsten Lagen fortsetzt. Damit sind wir bei einer weiteren Stärke des Integrated angelangt: den Klangfarben, und zwar ganz gleich, ob weich oder hart, hell oder dunkel oder in Zwischenschattierungen. Damit gelingt dem Integrated die Wiedergabe so unterschiedlicher Stimmen wie der einer Emilie-Claire Barlow, Holly Cole, Amanda Martinez oder Jill Barber (Jazz Ballads - 2xHD 24/44,1) geradezu phänomenal gut. Der Integrated gibt jeder Stimme dieses gewisse „menschliche Element“, das sie damit so ungewöhnlich authentisch und unverwechselbar erklingen lässt. Darüber hinaus wird auch hörbar, dass die Aufnahmen in unterschiedlichen Studios entstanden sind – mal sehr intim, mal eher direkt und dann wieder eher leicht distanziert aufgenommen, was unter anderem den Reiz dieses Samplers ausmacht. Ja und dann ist da noch eine ganz besondere Eigenschaft des Integrated: er verleiht Stimmen und Instrumenten ohne Ausnahme immer etwas körperhaft Greifbares. Man fühlt geradezu die Präsenz der Interpreten im Hörraum Das schafft eine besondere Verbindung mit dem Zuhörer und lässt mich mit dem Integrated eine imaginäre Linie von bloßer Wiedergabe zu live-haftiger Teilhabe am Musikgeschehen überschreiten. Das muss man gehört haben.

Ein Detailblick auf die Vorstufenplatine mit den exquisiten Kondensatoren von Mundorf
Ein Detailblick auf die Vorstufenplatine mit den exquisiten Kondensatoren von Mundorf


  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026
  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.