tests/24-03-12_chord
 
Test.
Deutsch English|

Chord Electronics Ultima Integrated

12.03.2024 // Wolfgang Kemper

Ähnlich fein ist auch der Lautstärkeregler in weiten unteren Spektrum ausgelegt, um bei niedrigen Hörpegeln leicht die gewünschte Einstellung zu finden. Eine numerische Anzeige für diese Einstellung, wie sie an meinem Referenzverstärker, dem Soulnote A2 zu finden ist, besitzt der Chord Ultima nicht. Schauen wir uns die Rückseite an, die optisch durch die Kühlelemente dominiert wird, sehen wir im Zentrum des Anschlussfeldes die zwei Paare Polklemmen für die Aufnahme von Lautsprecher-Kabelenden als Bananas, Gabelschuhe oder blank. Darüber ist der Kaltgeräte Anschluss zugänglich, der ein Wechselstromzufuhr mit 100 bis 250 Volt zulässt. Daneben befindet sich ein Mini-Klinkenanschluss für ein 12-Volt Triggersignal zum gleichzeitigen Ein- oder Ausschalten anderer Komponenten oder auch für die passive Nutzung abhängig von einem anderen Gerät. Darüber liegen in Reihe nebeneinander die XLR- und Cinch-Anschlusspaare. Der A/V-Ausgang per XLR wird bei Bedarf mit einem Surround-Steuergerät verbunden, der Vorverstärker-Ausgang ist ebenso in XLR ausgeführt und immer Signal führend. Daneben liegt das einzige symmetrische Eingangspaar, gefolgt von den drei Eingängen zwei bis vier in Cinch. Oberhalb gibt es noch einen Anschluss für eine zusätzliche Erdung. Der Vollverstärker ist intern symmetrisch aufgebaut. Deshalb überrascht mich ein wenig, dass nur ein symmetrischer Eingang zur Verfügung steht.

Alternativ zu Silber gibt es alle Ultima Komponenten auch in Schwarz. Der Ultima Pre hier ist mit den alternativen glänzenden Acryl-Seitenteilen wirkt etwas weniger extravagant
Alternativ zu Silber gibt es alle Ultima Komponenten auch in Schwarz. Der Ultima Pre hier ist mit den alternativen glänzenden Acryl-Seitenteilen wirkt etwas weniger extravagant

Jetzt will ich den Integrated aber endlich hören. Zum Test stehen die sehr fein auflösenden Vollbereich-Bändchen-Lautsprecher von Analysis-Audio mit unproblematischem Impedanzverlauf bereit. Auf das Eintreffen meiner neuen Phonar Veritas P 9.2 SE muss ich noch ein Weilchen warten. Dann werden auch sie zur Beurteilung herangezogen. Mit den Analysis-Audio-Bändchen hat der Chord Ultima Integrated leichtes Spiel, mich von seiner Musikalität zu überzeugen. An diesen Lautsprechern habe ich schon viele Verstärker erlebt, und einige haben mir sehr gut gefallen. Mein A2 kann seine dynamische Qualitäten hier nicht ganz ausspielen. Der Ultima Integrated zeigt seine Stärke durch eine tiefere Räumlichkeit und analytische Staffelung. Beim Album Folkocracy erlebte ich die Stimmen von Rufus Wainwright und seinen Mitinterpreten in den vierzehn Gesangsstücken nicht nur räumlich klarer umrissen und eigenständig, sondern auch glaubwürdig körperhaft. Dies ist besonders eindrucksvoll zu erkennen beim Mamas & Papas-Titel „Twelve-Thirty“ wo der Hauptkünstler neben Sheryl Crow, Susanna Hoffs und Chris Stills, dem Sohn von Steven Stills, singt. Eine wunderschöne Interpretation dieses 60-er Jahre Hits aus der Feder von John Phillips und, wie ich finde, eine der seltenen Cover-Versionen, die das Original übertreffen, was aber auch in der überlegenen Aufnahmequalität von Folkocracy begründet ist. Der Chord Verstärker gibt diesen Song enorm lebendig, vielschichtig, plastisch und klangfarbenfroh wieder. Er lässt erkennbar Raum zwischen Stimmen oder Instrumenten. Eine hörbare Fähigkeit ist seine Schnelligkeit, die die Musik gleichzeitig feinfühlig genau und dennoch mit imponierender Fülle an Klangfarben zeichnet. Ist das möglicherweise ein Resultat des Schaltnetzteils, das den Verstärker mit Strom versorgt? Dieses ist sehr aufwändig und Doug Graham erzählte mir, dass der Ultima Integrated kein vorgeschaltetes Netzfilter welcher Art auch immer benötige. Auf meine Frage, ob zum Beispiel ein vorgeschalteter Audioquest Niagara Nachteile brächte, erfuhr ich, das dies nicht der Fall sei. Im Test spielt der Chord Ultima ohne ein Netzfilter. Sein Netzteil verfügt über vier separate, phasenkorrigierte Hochleistungsnetzteile, die abgestimmt zusammenarbeiten, um dem Integrated die hohen Energiepegel und seine schnelle Einschwingleistung zu verleihen. Das Netzteil filtert den eingehenden Strom und erzeugt einen Hochspannungs-Gleichstrom. Danach wird dieser mittels Hochspannungs-MOSFETs zerhackt. Diese Wellenform wird nun an einen Hochfrequenztransformator mit einem Keramikkern weitergeführt, wo sie erneut gleichgerichtet wird. Dieser Keramik-Kern-Trafo ist in der Lage, die Taktfrequenz des Hochfrequenz-Netzteils von 80 Kilohertz zu schalten, was normale Ringkerntrafos nicht können Das nun folgende Chord-spezifische dynamische Kopplungssystem ermöglicht eine enge Kopplung der positiven und negativen Rail-Spannung durch ein veränderbares „kontrollierendes“ Magnetfeld. Das bewirkt im Falle einer Rail-Spannungs-Spitze, dass stets die gleiche Leistung, zur Verfügung steht. Diese Dynamic-Coupling-Technology wurde von John Franks entwickelt und ist ein Eckpfeiler in Chords Verstärkerbau. Die Ultima-Technologie basiert auf einer technischen Arbeit von Dr. Malcolm J. Hawksford (emeritierter Professor der Universität Essex), die von Bob Cordell von Bell Labs aufgegriffen und verfeinert wurde.

Die Rückseite prägen die Kühlrippen für die Chord eigenen Leistungs-MOSFETs
Die Rückseite prägen die Kühlrippen für die Chord eigenen Leistungs-MOSFETs

Die Schaltfrequenz des Netzteils liegt mit 80 Kilohertz weit oberhalb des Audio-Signalspektrums und soll darin keinerlei Störungen verursachen. Im technische Aufbau folgt eine Kondensatorenbank bestehend aus zwanzig Kondensatoren, weil kleinere Kondensatoren wie hier schneller als große laden und entladen können. Die Fehlerkorrektur-Topologie von John Franks, die Signale vor der Ausgangsstufe überwacht und sofort korrigiert, sei, so Chord, auch ein Schlüssel zur Qualität des Ultima Integrated und böte eine erstaunliche Signalgenauigkeit. Alle vier Eingänge verfügen über eine individuelle Pufferung und werden gegen potenzielle Hochfrequenzstörungen gefiltert. Die Umschaltung erfolgt über mikroprozessorgesteuerte gekapselte Relais. Das Audio-Signal wird ausschließlich analog verarbeitet und zuerst in der Kleinsignal-Verstärkerplatine aufbereitet. In den Leistungsverstärkern gibt es mehrere, als Signalspiegel bezeichnete Verstärkungsstufen. Ein besonderes Merkmal der Chord Ultima Verstärker ist die doppelte Feed-Forward-Fehlerkorrektur, die jede einzelne Verstärkerstufe kontrolliert und eventuelles im Verstärkungsprozess entstandenes, unerwünschtes Rauschen oder Verzerrungen eliminiert. Jede Stufe verstärkt etwas höher bis hin zur MOSFET Ausgangsstufe. Bei einer Störung des Systems, sei es des Verstärkers oder des Lautsprechers, schalten Schutzrelais den Ausgang ab. Die Leistungs-MOSFETs wurden von Chord selber entwickelt und jeder von ihnen ist ein Dual-Die-MOSFET. Dies bedeutet, dass sie bei der Produktion thermisch gekoppelt werden, um perfekt aufeinander abgestimmt zu sein. Jeder Verstärker wird in der in Kent am Medway-Flussufer gelegenen Fabrik „The Pumphouse“ in Maidstone über einen Zeitraum von mehreren Tagen in sorgfältiger Handarbeit gefertigt.

In symmetrischer Ausführung: AV-Eingang für die Integration in ein Surround-System, Vorverstärker-Ausgang und das einzige symmetrische Eingangspaar
In symmetrischer Ausführung: AV-Eingang für die Integration in ein Surround-System, Vorverstärker-Ausgang und das einzige symmetrische Eingangspaar


  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.