tests/24-03-26_moonriver
 

Moonriver Audio Model 505 Hybrid Stereo Phono EQ Stage

26.03.2024 // Carsten Bussler

Großartige Funktionsvielfalt: Wer es auf die Spitze treiben möchte, schließt bis zu vier Tonabnehmer beziehungsweise Plattenspieler gleichzeitig an und mixt MM- und MC-Tonabnehmer dabei in beliebiger Anzahl. Sowohl die MM- als auch die MC-Zweige verfügen über sechs unterschiedliche Verstärkungsfaktoren
Großartige Funktionsvielfalt: Wer es auf die Spitze treiben möchte, schließt bis zu vier Tonabnehmer beziehungsweise Plattenspieler gleichzeitig an und mixt MM- und MC-Tonabnehmer dabei in beliebiger Anzahl. Sowohl die MM- als auch die MC-Zweige verfügen über sechs unterschiedliche Verstärkungsfaktoren

Beim auf vier einfachen Gummifüßen ruhenden Model 505 fehlt jede optische Effekthascherei, es sei denn, man wollte die schmalen Walnusswangen links und rechts der Frontblende so einordnen. Alle die einzelnen Betriebszustände indizierenden Lämpchen, die sich sogar dimmen beziehungsweise ganz abschalten lassen, leuchten in einem angenehm zurückhaltenden Orangeton, der mit den Schriftzügen harmoniert. Ich verstehe bis heute nicht, wieso viele Hersteller hier kaltblaue, hell-grelle Lämpchen verbauen, die wirken, als würden Jedi-Ritter mit ihren Lichtschwertern kämpfen. Die eigentliche Bedienung des Geräts ist dank der übersichtlichen und aufgeräumten Front selbsterklärend. Und traut der Bediener seiner Intuition doch einmal nicht, hilft der Blick in die sehr ausführliche und umfassende Bedienungsanleitung.

Die enorme Praxistauglichkeit setzt sich in den eigentlichen Funktionen fort. Separate MM- und MC-Zweige sind obligatorisch, ebenso wie die Umschaltung zwischen Mono und Stereo. Neben der klassischen RIAA-Entzerrung bietet die 505 sogar die Decca 78 Kurve an, das ist schon nicht mehr die Regel. Die MM-Impedanz lässt sich neben dem 47 Kiloohm-Standard noch auf die Werte 22 und 75 setzen. Sowohl der MM- als auch der MC-Zweig verfügen jeweils über gleich sechs unterschiedliche Verstärkungsfaktoren. MM-Eingangskapazität und MC-Impedanz lassen sich sehr praxisgerecht auf diverse Werte einstellen, nur Erbsenzähler brauchen hier noch weitere Zwischenschritte. Die Geräterückseite macht einen ebenso blendenden Eindruck wie die Vorderseite. Einmal geht es mit XLR symmetrisch rein, einmal genauso raus, oder wahlweise viermal per RCA hinein und zweimal via RCA wieder hinaus; jeder Eingang hat eine eigene Erdungsklemme.

Vernünftige Auslegung: Eingangsimpedanzen (MM und MC) sowie Eingangskapazität (MM) sind sehr praxisgerecht und reichen für alle Lebenslagen. Eine Decca 78 Entzerrung gibt es obendrein
Vernünftige Auslegung: Eingangsimpedanzen (MM und MC) sowie Eingangskapazität (MM) sind sehr praxisgerecht und reichen für alle Lebenslagen. Eine Decca 78 Entzerrung gibt es obendrein

Im Inneren stellt der Netztrafo insgesamt sechs Abzapfungen – sprich: Spannungen – für die unterschiedlichen Schaltkreise und Verstärkerstufen bereit, dem Vernehmen nach alle jeweils mit eigenem dynamikschonenden Regelkreis. Die 70.000 Mikrofarad Siebung stünden so manchem Verstärker gut zu Gesicht, und das gesamte Layout ist konsequent in Doppel-Mono-Bauweise aufgebaut. Wenn ich jetzt doch noch irgendwo ein kleines Doppel-Triödchen entdecken könnte… Vielleicht spendiert George Polychronidis ja zukünftig noch eine Röhren-bestückte Verstärkungsstufe und der Gerätebezeichnung dann den Zusatz „Reference“! Ich schweife ab, macht das Gerät bisher doch einen mehr als überzeugenden Eindruck und lässt den aufgerufenen Preis sehr angemessen erscheinen. Die Verarbeitungsqualität ist nämlich exzellent, das Gehäuse sehr stabil und verwindungssteif. Auch die Bedienknöpfe machten einen sehr guten haptischen Eindruck und die Aussicht darauf, keine Mäuseklaviere bedienen zu müssen, erhellte meine Stimmung zusätzlich.

Doch nach der Pflicht folgt die entscheidende Kür, nämlich der Hörtest. Und was ich da zu hören bekam, hat mich völlig fasziniert, und zwar umso mehr, je länger ich diese Phonovorstufe hörte. Sehr lange bin ich der 505 nämlich einfach nicht auf die Schliche gekommen, sie hat sich bar ausgeprägten Eigenklangs schlichtweg unsichtbar gemacht. Langweilig-perfekte Neutralität? Fehlende Euphonie? Nein. Vielmehr schlich sie sich zunächst durch ihre extrem ausgeprägten dynamischen Fähigkeiten, sowohl im Groben wie im Feinen, quasi durch die Hintertür in mein Herz.


  • dCS Varèse – weitere Erfahrungen

    Während einer Präsentation bei Audio Reference vor den Norddeutschen Hifi-Tagen konnte ich erstmals dasStatement in High Fidelity neue Topmodell von dCS, den fünfteiligen Streamer/DAC Varèse, hören. Er klang einfach unglaublich gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, meine Erfahrungen im Hörraum in Hamburg zu intensivieren. Bei der ersten Demonstration verglich Alasdair McDonald, der Export Sales Manager von dCS, den Varèse mit dem Vivaldi-Trio (https://www.hifistatement.net/tests/item/3591-dcs-vivaldi-master-clock-upsampler-und-apex-dac), das vor etwa drei Jahren…
    20.03.2026
  • Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

    Auf der HighEnd 2024 präsentierte Cayin zum 30-jährigen Marken-Jubiläum die Pearl Modelle. Dazu gehören der D/A-Wandler Pearl 30d und der CD-Transport Pearl 30c. Beide imponieren nicht allein durch ihre prachtvolle Erscheinung. Auch technisch sind sie enorm aufwändig. Da stellt sich besonders die Frage nach der Relevanz eines solchen CD-Laufwerks. Die HighEnd liegt nun beinahe zwei Jahre zurück. Als Cayin Deutschland-Chef Thomas Deyerling im Januar meine Anfrage nach einem Test dieser Kombi positiv beantwortete, war ich…
    10.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.