tests/24-08-13_dartzeel
 
Test.
Deutsch English|

darTZeel NHB-18NS und NHB-108

13.08.2024 // Dirk Sommer

Auch wenn ich den Beginn des ersten Satzes von Mahlers 3. Symphonie unter Mariss Jansons schon fast zu oft für Test verwendet habe, höre ich ihn immer noch gerne: Wohl auch wegen Christoph Stickels Mastering machen wenige Minuten klar, wie es eine Kette mit Dynamik Raumdarstellung, Feinauflösung und der Tieftonwiedergabe hält. Nach dem Einsatz der Blechbläser und dem kurz darauf folgenden der mächtigen Pauken ist die sich anschließende ruhigere Passage mit einer gewissen Unruhe unterlegt. Nach etwa einer Minute, während der einzelnen, recht verhaltenen Paukenschläge weit in der Tiefe des Raumes entfaltet sich das weitere Geschehen vor einem tiefschwarzen Hintergrund. Dank des darTZeel ist die Quelle der Unruhe plötzlich auszumachen: Es sind extrem leichte Schläge auf die tiefen Trommeln, wobei deren Lautstärke knapp über der Wahrnehmungsgrenze liegt. Hier hat das Buchstaben-Kürzel in der Modellbezeichnung der Endstufe seine Berechtigung: never heard before!

Bei der Endstufe gibt ein Rauchglasdeckel den Blick ins Innere frei
Bei der Endstufe gibt ein Rauchglasdeckel den Blick ins Innere frei

Bei Patrice Herals „Improvisation“ auf Le Concert Des Parfums erfreute der Einstein mit viel Tieftonenergie und einem sehr tiefen Raum. Der Vergleich mit dem darTZeel machte dann aber deutlich, dass dieser in der untersten Oktave noch ein wenig mehr Wucht entwickelt und im Frequenzbereich direkt darüber ein Stückchen akkurater zu Werke geht. Die imaginäre Bühne reicht mindestens gleich weit in die Tiefe, was aber dadurch ein wenig aus dem Blick gerät, dass sie sich auch sehr weit in die Breite ausdehnt. Beim sehr leisen Beginn des vierten Satzes der Symphonie Fantastique unter der Leitung von Verujan Kojian demonstriert der NHB-108 seine enormen Fähigkeiten in Sachen Auflösung und Feinzeichnung. Dennoch agiert er nicht als analytische, audiophile Lupe: Die Wiedergabe hat nicht den geringsten Anflug von Kälte, sondern stattdessen einen nie aufdringlichen, ungemein angenehmen Schmelz. Da könnte man fast glauben, da läge irgendwo eine Röhre im Signalweg. Auch ohne 50-Ohm-Verbindung und die Vorstufe aus eigenem Haus überzeugt mich der darTZeel derart, dass ich schon jetzt weiß, wie schwer es werden wird, sich wieder von ihm zu trennen.

Auch für die Betriebsanzeigen und den Einschalter der Endstufe hat sich Hervé Delétraz besondere Bezeichnungen einfallen lassen
Auch für die Betriebsanzeigen und den Einschalter der Endstufe hat sich Hervé Delétraz besondere Bezeichnungen einfallen lassen

Nachdem die Vorstufe die Stelle des WestminsterLab Quest eingenommen hat – noch verbindet das Audioquest Dragon XLR die NHB-18NS mit der NHB-108 – und ich einige Stücke gehört habe, stehe ich vor einem Problem: Um den klanglichen Zugewinn zu beschreiben reicht es einfach nicht, auf noch einen Hauch mehr Bühnentiefe oder ein zuvor nicht über die Wahrnehmungsschwelle getretenes Detail zu verweisen – auch wenn die Interaktion des Flügels mit dem Aufnahmeraum beim Titelstück von Carla Bleys Live Goes On wirklich faszinierender rüber kommt als je zuvor. Zwischen den sparsamen Tönen und Akkorden des Intros entsteht Dank der darTZeels eine spannende Beziehung, Ein- und Ausschwingvorgänge und die klanglichen Färbungen der einzelnen Töne erlangen plötzlich eine Bedeutung, die zuvor nicht erkennbar war. Aber darüber mache ich mir nur Gedanken, wenn ich versuche zu beschreiben, was die Wiedergabe des bestens vertrauten Songs durch NHB-18NS und NHB108 so besonders macht. Viel wichtiger ist, dass die Musik nun noch intensiver erlebbar ist und schlicht noch mehr Spaß macht. Mag auch die Beschreibung der akustischen Meriten der Verstärker ein wenig verkünstelt wirken, die Wiedergabe darTZeels ist es jedenfalls nicht: Sie sind trotz hoher Auflösung und Akkuratesse veritable Spaßmaschinen!


  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026
  • Matrix Audio mini-i Pro 4

    “Die Matrix ist allgegenwärtig, sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer.” Lange habe ich darauf gewartet, einen Testbericht mit einem passenden Filmzitat zu eröffnen. Ähnlich lange habe ich mich auf den Test eines Produkts aus dem Hause Matrix Audio gefreut. Mit dem mini-i Pro 4 ist es endlich so weit. Der Name Matrix Audio beruft sich eigentlich auf das gleichnamige mathematische Konzept, aber bei der Namensverwandtschaft zu dem stilprägenden Film kam ich…
    21.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 SSE – das Interview

    Während meines letzten Besuchs der Audio Group Denmark in Aalborg hatte ich am Tag nach der Präsentation der Børresen M8 und der Aavik M-880 Gelegenheit, mit dem Entwickler der T5 SSE über sein Produkt zu sprechen. Wenn Sie im ersten Teil technische Details vermisst haben sollten: Hier finden Sie sie in Hülle und Fülle. Dirk Sommer: Nun zu etwas ganz anderem, den T5. Was ist anders im Vergleich zum 05? Ich muss zugeben, dass ich…
    17.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 Silver Supreme Edition

    Einerseits war ich mit der Børresen 05 Silver Supreme Edition in meinem Hörraum wunschlos glücklich, andererseits begeisterte mich das Nachfolgemodell, die T5 SSE, schon bei ihrer Vorstellung damals noch in München allein durch ihr Erscheinungsbild: Die schwarze Hochglanzlackierung mit Karbonfaser-Applikationen wirkte einfach unheimlich elegant. Aber natürlich geht es mir bei Lautsprechern nicht vorrangig um die Optik. Dass die Børresen 05 SSE solange bei mir zu Gast war und ich mich schon auf die T5 SSE…
    14.07.2026
  • Qln – das Interview

    Roland Dietl: Welche Antriebstechnik verwendest Du bevorzugt bei Tief-Mitteltönern? Mats Andersen: Ich bevorzuge eine unterhängende Schwingspulenanordnung. Bei Standard-Treibern hat man eine Schwingspule, die etwa 20 bis 40 Millimeter lang ist, und dann einen Magnetspalt von etwa 5 bis 6 Millimetern. Wenn sich die Schwingspule bewegt, ändern sich die Induktivität und auch die Magnetkraft. Bei unserem Treiber beträgt der Magnetspalt dagegen 20 Millimeter und die Schwingspule ist 11 Millimeter lang. Die Schwingspule bleibt dadurch permanent vollständig…
    07.07.2026
  • SOtM sMS-2000 – ein weiterer Nachtrag

    Endlich ist es soweit: Der SOtM sMS-2000 spielt in der gewünschten Konfiguration: In der Eunhasu-App habe ich teils auf Roland Dietls Rat hin alle klangfördernden Einstellungen vorgenommen, Ethernet- und USB-Karte werden von externen Netzteilen gespeist, die 10-Megahertz-Clock gibt den Takt vor und die Daten kommen von einer kryo-behandelten SSD. Vor rund zweieinhalb Monaten berichtete ich darüber, dass der SOtM sMS-2000 der einzige von mir getestete Streamer ist, bei dem auf einer internen Festplatte gespeicherte Musik-Files…
    03.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.