tests/25-04-01_aavik
 

Aavik SD-880 Streamer/DAC

01.04.2025 // Roland Dietl

Das umfangreiche Anschlussfeld des SD-880. Digital: S/PDIF, USB, LAN, USB-Media. Analog Out: RCA. Das RS-232-Terminal ist für Software-Aktualisierungen vorgesehen
Das umfangreiche Anschlussfeld des SD-880. Digital: S/PDIF, USB, LAN, USB-Media. Analog Out: RCA. Das RS-232-Terminal ist für Software-Aktualisierungen vorgesehen

Das Herz eines DAC ist zweifellos die Digital-Analog-Wandlung. Hier haben Michael Børresen und sein Team einen innovativen Ansatz entwickelt: den „Aavik Non-Switching Continuum Processing DAC“. Was es damit auf sich hat, haben sich Dirk Sommer und ich von Michael Børresen genauer erklären lassen: Michael Børresen: „Bei der Wandlung eines Digital-Signals in CD-Qualität mit 65.000 Spannungswerten (16 Bit) in einem Ladder DAC wird 44.000mal pro Sekunde abgetastet und dabei entstehen zwangsläufig ebenso viele Schaltvorgänge. Dabei führt man hochfrequentes Rauschen direkt in den Signalweg ein. Und hier liegt nach meiner Meinung der Grund für den berüchtigten ‚Digitalklang‘. Natürlich wurden die DACs im Laufe der Zeit immer besser und der Rauschanteil wurde immer kleiner, aber er ist immer noch da, weil der Prozess, der für PCM entwickelt wurde, diesen Gedanken bereits konzeptionell in sich trägt. Und dann kam DSD auf, und DSD klingt analoger. Daran besteht kein Zweifel. Das Problem ist natürlich, dass alles mit PCM beginnt und dann in DSD konvertiert werden muss. Wir haben also eine Konvertierung, die zu einem gewissen Qualitätsverlust führt, aber nicht allzu viel. Und das nicht, weil der DSD-DAC ein besserer DAC ist, sondern weil DSD ein Signal nimmt und es auf eine Weise moduliert, die das analoge Signal enthält. Für DSD braucht man also nicht wirklich einen Konverter. Vor etwa 10 Jahren haben wir einen DSD-Wandler entwickelt, mit dem wir das DSD-Signal über einen Filter extrahieren konnten, der wie ein Lautsprecherfilter dritter Ordnung aussieht, aber für die höhere Impedanz in unserem Verstärkerschaltkreis ausgelegt war. Auf diese Weise konnten wir das analoge Signal aus DSD herausholen, und das klang sehr gut. Die Frage an mein Entwicklungsteam lautete deshalb: ‚Können wir so etwas auch mit PCM machen?‘ Unsere Lösung ist, das PCM-Signal auf 22 Megahertz hochzurechnen. Aufgrund dieser enorm hohen Abtastrate ist jeder Übergang zwischen den Samples sehr schnell. Anschließend wird jeder Datenpunkt aus 32 Abtastwerten in einer Summier-Schaltung zusammengerechnet. Diese Summierung ist deshalb vorhanden, da es zu Transienten kommen kann, wenn man von einem zum nächsten Wert wechselt. Aber diese Transienten werden beim Zusammenrechnen eliminiert. In der Gesamtperspektive sind sie dann unbedeutend, weil eine transiente Spitze durch 32 geteilt wird. Sie ist also praktisch nicht mehr vorhanden, aber man erhält eine Art Fenster von 32 Samples, das sich bewegt. Wenn sich also der Wert der Amplitude ändert, wird ein Teil dieses Fensters in den sich ändernden Wert einbezogen. Es ist also ein Gleiten von einem Wert des PCM-Segments zum nächsten Wert. Es ist ein Kontinuum. Deshalb nennen wir es einen ‚Continuum‘ DAC. Und das führt zu einer sehr glatten, fast schon analogen Darstellung des Signals. Der dadurch entstehende Datenstrom kann anschließend ohne Verwendung von Schaltarrays nur mit einem Tiefpass in ein analoges Signal umgesetzt werden, deshalb der Ausdruck ‚Non-Switching‘.“ Eine gewisse Ähnlichkeit mit DSD ist nicht zu übersehen. Deshalb wollten wir von Michael Børresen wissen, ob sein Wandlungskonzept beispielsweise mit dem des PS Audio DirectStream DACs, bei dem in DSD gewandelt wird, vergleichbar sei: Michael Børresen:„Ja, da gibt es in gewisser Weise durchaus Parallelen. Einerseits konvertieren wir zu keiner Zeit in DSD, sondern arbeiten immer durchgängig mit dem PCM-Format. Andererseits rechnen wir das Signal auf die gleiche Abtastfrequenz wie bei DSD512 hoch. Im Grunde genommen nehmen wir also das ganze ‚Wort‘, den vollen Wert der 65.000 Werte, und rechnen das auf ein Signal von 22 Megahertz hoch. Nach der Summierung liegt ein DSD512 ähnliches Signal vor. Dieses Signal ist aber amplitudenmoduliert und nicht pulsdichtemoduliert, wie das bei DSD der Fall ist. Aber das Ergebnis ist das gleiche. Wir können dieses Signal nun einfach mit einem Tiefpass filtern. Es ist also ein Prozess ohne Digital-Analog-Wandler, aber die 65.000 verschiedenen Werte werden beibehalten.“

Die Antivibrationsfüße Ansuz Darkz Z2 Signature
Die Antivibrationsfüße Ansuz Darkz Z2 Signature

Lassen Sie uns nach so viel Technik zum praktischen Teil kommen. Zunächst stelle ich mir die Frage, wie ich den SD-880 optimal in meine Kette einbinde, sprich via USB- oder LAN-Eingang. Und bereits bei der Klärung dieser Frage bin ich zugegebenermaßen ziemlich überrascht. Ich kann beim besten Willen keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Varianten hören. Ich entscheide mich deshalb für den LAN-Eingang und damit für die Nutzung der Streamer-Funktionalität des SD-880. Das Streaming-Modul stammt von der Firma Conversdigital, die mit der bekannten App „mconnect“ auch gleich die passende Lösung zur Steuerung parat hat. Die auf das Aavik Design angepasste Variante heißt „AGD Stream“ und funktioniert gut und zuverlässig. Auch mit meiner Lieblings-App JPLAY iOS harmoniert der SD-880 bestens. Für optimale Verbindungsverhältnisse leihe ich mir noch bei Dirk Sommer ein LAN-Kabel von Oliver Göbel aus. Und noch ein wichtiges Detail: die digitale Lautstärkeregelung des SD-880 habe ich, wie von Aavik für bestmöglichen Klang empfohlen, in den Menü-Einstellungen ausgeschaltet. Und jetzt könnte ich es mir einfach machen, dem weiteren Bericht jegliche Spannung nehmen und schreiben, dass der SD-880 der bestklingende DAC ist, den ich bisher gehört habe. Doch das ist zu einfach und wird dem SD-880 nicht annähernd gerecht. Erkunden wir deshalb gemeinsam, was am SD-880 denn nun so besonders ist. Meine Erwartung ist, dass der SD-880 die musikalische Darbietung im Vergleich zu dem, was ich bisher kenne, einfach klarer, dynamischer, räumlicher oder wie auch immer einfach besser gestalten kann.

Das Innenleben des SD-880: Vorne die Stromversorgung mit Schaltnetzteil, hinten analoge Ausgangsstufe, DAC- und Streaming-Model, in der Mitte und an den beiden Seitenwänden Tesla-Spulen in Hülle und Fülle
Das Innenleben des SD-880: Vorne die Stromversorgung mit Schaltnetzteil, hinten analoge Ausgangsstufe, DAC- und Streaming-Model, in der Mitte und an den beiden Seitenwänden Tesla-Spulen in Hülle und Fülle


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