tests/25-09-12_wireworld
 

WireWorld Aurora 10, Electra 10 und Silver Electra 10

12.09.2025 // Wolfgang Kemper

Selbst das preisgünstige blaue Aurora 10 besitzt den gleichen hochwertigen Schukostecker wie die beiden kostspieligeren Kabel
Selbst das preisgünstige blaue Aurora 10 besitzt den gleichen hochwertigen Schukostecker wie die beiden kostspieligeren Kabel

Nachdem ich mir „Before You Accuse Me“ von Eric Clapton aus seinem Live-Album Unplugged zweimal angehört hatte, tauschte ich das Mudra zur Stromversorgung der digitalen Stufe des PS Audio DACs gegen WireWorlds blaues Aurora 10. Dessen Leiter bestehen aus versilbertem, sauerstoffarmen Kupfer. Ich wunderte mich, wie deutlich sich der Klang verbesserte. Vor allem hinsichtlich Klarheit und Dynamik war da keinerlei Zweifel. Besonders erfreulich empfand ich den Zugewinn an Spielfreude und Fluss, dies erst recht hinsichtlich des geringen finanziellen Mehraufwandes für das Aurora 10. Der Bass erhielt mehr Kontur. In der Musik lag erheblich mehr Spannung, Langeweile adieu. Da bin ich jetzt gespannt, was das Electra 10, das aus OCC-7N Kupfer gefertigt wird, an dieser Stelle mehr vermag und wähle zu diesem Vergleich „Calypso Minor“vom Album Sotho Blue von Abdullah Ibrahim und Ekaya. Dies gefällt dank seiner Transparenz, Klangfarben und packenden Dynamik bereits mit dem Aurora 10 ganz hervorragend, weil musikalisch stimmig. Mit dem Electra 10 wirkt dann allerdings der Bass noch etwas griffiger mit noch mehr Konturierung. Das Klangbild wirkt insgesamt homogener ohne an Transparenz einzubüßen. Die dreidimensionale Abbildung legt zu an Tiefe und Höhe, und das Tenorsaxophon von Keith Loftis liefert schönere und ehrliche Klangfarben, die auch mit einer Spur mehr Energie in den Raum geblasen werden. Der musikalische Vorteil des Electra gegenüber dem Aurora ist deutlich, aber weniger ausgeprägt als beim Wechsel vom Mudra zum Aurora. Die knapp 400 Euro für die 1,5 Meter würde ich an dieser Stelle sofort investieren. Nun steht der Wechsel zum Silver Electra an, dessen Leitermaterial OCC-7N Silber beschichtetes Kupfer ist. Das Handling der Kabel ist bei dieser Länge in meinem Setup gar kein Problem. Man muss wissen, dass die flache Konstruktion der Kabel aus Florida zu einem Biegen über die flache Seite zwingt. Somit sollte man die Länge nicht zu kurz wählen, weil je nach Aufstellung der Geräte eine Art Looping im Kabel notwendig sein kann. Zum Vergleich genieße ich jetzt wiederum zuerst über das Electra die Sheherezade von Rimsky-Korsakov in der Einspielung mit Ernest Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande, und zwar den ersten Satz „The Sea and Sindbad´s Ship“. Diese Musik klingt mit dem Electra 10 wunderschön mit Zartheit und Kontur, frei und groß abgebildet. Die Solovioline spielt fein artikuliert leicht oben im Klangbild. Auch bei diesem von mir oft gehörten Werk bemerke ich einen erheblichen Gewinn an Spielfluss und Energie im Vergleich zu meinem gewohnten Mudra-Setup. Kann das Silver Electra 10 da für noch mehr Schönheit und Zauber sorgen? Ja, das Silver Electra kann nochmals zulegen. Es sind keine Welten, aber es ist eindeutig. Der Orchesterkörper wird mit noch mehr Feinzeichnung reproduziert. Insgesamt wirkt die Musik auf mich jetzt eine Spur trockener, vielleicht weniger lieblich, aber noch ansprechender nuanciert. Dass jetzt alles richtiger ist, zeigt die realistische Höhen-Abbildung der Solovioline, die jetzt nicht mehr oben im Klangbild schwebt, sondern nun den ihr gebührenden Platz links vorn einnimmt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich am digitalen Frontend des PS Audio Wandlers derartige Unterschiede offenbaren. Das Silver Electra 10 ist leider deutlich kostspieliger als das Electra 10, sein Geld scheint es mir an dieser Stelle fraglos wert zu sein.

Auf den Verpackungen ist die Kabeltechnologie benannt. Beim Silver Electra hier findet sich auch der Hinweis auf die Metallurgie: OCC-7N Silver-clad Copper
Auf den Verpackungen ist die Kabeltechnologie benannt. Beim Silver Electra hier findet sich auch der Hinweis auf die Metallurgie: OCC-7N Silver-clad Copper

Lassen Sie mich an dieser Stelle ein paar Ausführungen zum technischen Aufbau der WireWorld 10 Linie machen. Wie gesagt, liegt der Unterschied der fünf Kabeltypen allein im Leitermaterial begründet. Ich kann natürlich niemandem eine Spekulation über die Auswirkung der unterschiedlichen Farbgebung der Ummantelung auf das Klangbild verbieten, aber daran will ich nicht glauben, zumal es auch keine Möglichkeit gibt, dies zu prüfen. Ein Gespräch über dieses Thema mit Karsten Grämkow, dem Vertriebsleiter bei Phonar, blieb auch wenig ernsthaft. Vielmehr bekräftigte er, dass allein das Leitermaterial für die Klangunterschiede verantwortlich sei. Schaut man sich die Grafiken zur Konstruktion der Kabel genau an, so erkennt man am Beispiel des goldbraunen Electra, dass es sich um zwei separate Leitungen handelt, die nur durch die Ummantelung eine Einheit bilden. Die Plus- und Null-Leiter haben also jeweils einen separaten Aufbau und werden von einem um eine Seele gewickelten Leiterbündel begleitet, das zur Erdung am Stecker mit dem Pendant zusammengeführt wird. Die Hauptleiter – Plus oder Null – bestehen jeweils aus 10 Leiterbündeln mit einem Gesamtdurchmesser von drei Quadratmillimetern. Diese zehn Bündel sind um einen flachen Träger gewickelt. Zu dessen Eigenschaften habe ich bei David Salz, dem Chef und Entwickler bei WireWorld in Florida nachgefragt und erhielt ich folgende Antwort: „Es besteht aus einem speziell gemischten Material, das Teil unserer Composilex-Technologie ist, und dessen Inhaltsstoffe ein Geheimnis sind.“ Composilex 5 ist das neue Isolier-Material der Serie 10, das die Leiter umgibt und seinerseits von einer kupfernen Hülle zur Abschirmung umschlossen wird.

In dieser Hersteller-Grafik kann man sehr gut den besonderen Aufbau der FluxfieldTM Technologie erkennen. Die Kupferummantelung um die Composilex 5 Isolierung unterbindet Einstreuungen
In dieser Hersteller-Grafik kann man sehr gut den besonderen Aufbau der FluxfieldTM Technologie erkennen. Die Kupferummantelung um die Composilex 5 Isolierung unterbindet Einstreuungen


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