tests/26-01-14_riviera
 

Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

14.01.2026 // Dirk Sommer

Nach diesem ersten, ungemein positiven Eindruck hörten meine Gattin und ich am Abend den zweiten Teil einer Qobuz-Neuerwerbung, Sonus Variegata vom Jazzorchester Voralberg, auf die wir durch eine Kritik im Jazz Podium aufmerksam geworden waren, natürlich auch über die Riviera-Monos. Schon nach dem ersten Stück, merkte meine Gattin an, dass der zweite Teil des neuen Albums sie deutlich stärker anspreche, als der am Vorabend, was ja wahrscheinlich an den Verstärkern mit den warm leuchtenden Leistungsanzeigen liege. Das bestätigte zwar meine bisherigen Erfahrungen mit den Monos, machte mich aber gleichzeitig um so neugieriger darauf, wie sie mit einem der aussagekräftigen Teststücke klingen. Die sind eigentlich beim abendlichen Musikgenuss tabu, aber mir wurde eine Ausnahme erlaubt. Bei den Blechbläsern zu Beginn des ersten Satzes von Mahlers Symphonie Nr. 3 wurde unsere ungemein positive Einschätzung der AFM70 bestätigt: Die plastisch abgebildete Instrumentengruppe weit hinten auf der tiefen Bühne schien einen geradezu in den Raum zu ziehen, und Reflexionen von der gegenüberliegenden Wand des Saales waren klar und deutlich zu vernehmen.

Dann setzten die Pauken und die tiefe Trommel ein – und Enttäuschung machte sich breit. Zwar stimmte im Folgenden fast alles: Detailfülle, Durchzeichnung, Luftigkeit und tonale Ausgewogenheit. Doch der Druck, den wir von den Kesseln und Fellen gewohnt waren, baute sich nicht zu hundert Prozent auf. Dadurch wirkte die gesamte Darbietung ein wenig gebremst. Da der Musikgenuss ja nicht in Arbeit umschlagen sollte, ließen wir es damit bewenden und hörten keinen weiteren der bekannten Test-Tracks. Am nächsten Morgen starte ich dann Arild Andersens I You Look Far Enough: Bei den Pauken auf „If You Look“ vermisste ich ein wenig Energie, war aber von der plastischen Darstellung der Perkussionsinstrumente und der Positionierung der Synthesizer-Klänge weit hinten links im imaginären Raum begeistert. Auf „Svev“ und den folgenden Stücken fehlte es dem holzig-warmen Sound des Kontrabasses keinesfalls an Volumen, die Klangfarben der Instrumente umschmeichelten den Zuhörer, sprachen ihn auf der Gefühlsebene stark an. Wenn da doch nur noch ein bisschen mehr „Slam“ in der untersten Oktave gewesen wäre! Aber vielleicht war dieser Wunsch auch nur mein Luxusproblem: Viele Lautsprecher sind in diesem Frequenzbereich schon längst ausgestiegen…

Die Endstufen-Transistoren wurden gematcht
Die Endstufen-Transistoren wurden gematcht

Jetzt gilt es abzuwägen, worauf ich beim Test der Vorstufe am leichtesten verzichten kann: Das wäre gewiss – Achtung Spoiler! – der hervorragend klingende SOtM sMS-2000, aber der residiert im rechten der beiden Artesania-Racks, während meine Vorstufe eine Ebene im linken beansprucht. Will heißen: Die Kabel von der Vorstufe zu Endstufe könnten zu kurz sein, wenn der APL1 den Platz des SOtM einnimmt. Da bleibt nur eines: Der Melco muss dem Riviera-Vorverstärker weichen, mit der Konsequenz, dass ab sofort die Dateien nicht mehr von den Festplatten des Melco, sondern aus dem Netz von Qobuz gestreamt werden. Aber auch da gibt es ja Mahlers Symphonie Nr. 3, auch wenn sie auf diesem Weg bezogen erfahrungsgemäß ein paar Prozent schlechter klingt als vom Melco. Doch ein paar Prozent fallen jetzt nicht mehr ins Gewicht: Der APL1 verhilft den AFM70 zu meiner großen Überraschung genau zu dem, was ich bisher vermisst habe: Druck und Geschwindigkeit auch bei den tiefsten Frequenzen! Erklären kann ich mir das nicht, wohl aber hören. Nun stehen die Class-A-Monos Einsteins The Poweramp auch im extremen Tieftonbereich in so gut wie nichts mehr nach. Und die beschriebenen, begeisternden Fähigkeiten der AFM70 werden durch den Wechsel zum Riviera-Vorverstärker keinesfalls geschmälert, eher ist das Gegenteil der Fall. Hier muss man einfach zusammen hören, was zu zusammen entwickelt wurde.

Die Röhre übernimmt die Spannungsverstärkung
Die Röhre übernimmt die Spannungsverstärkung


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