tests/26-01-20_rega
 

Rega Mercury / Solis

20.01.2026 // Carsten Bussler

Auch im klassischen Metier setzte sich dieser Eindruck fort. Mit geradezu unbarmherziger Kontrolle nahm die Solis die Dynaudios in die Zange und ließ den Tieftöner weit in die untersten Oktaven hinabsteigen, von denen ich bislang vermutete, so tief im Keller kann ein solch kleiner Tiefmitteltöner doch gar keine Substanz mehr von sich geben. Weit gefehlt. Hier spielte die Solis ihre technischen Meriten, insbesondere den hohen Dämpfungsfaktor, voll aus. Bei Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (Yehudi Menuhin, His Master´s Voice, 1985) sorgte der spielerisch leichte, federnde und sehr lebendige Tiefton für eine großartige Raumabbildung. Gleiches galt für das Album Aion (4Ad, 1990) von Dead Can Dance mit Tracks im Renaissance-Stil mit gregorianischem Gesang oder traditionellen Liedern mit altertümlichen Instrumenten wie Drehleier oder Dudelsack. Wieder überzeugte die subjektiv wieselflinke Wiedergabe durch schlackenfreie und blitzsaubere Tieftöne, welche die Rega-Kombi mit schon aufreizender Lässigkeit aus dem Ärmel zu schütteln vermochte. Gleichwohl: All diese Qualitäten, diese spielerische Leichtigkeit und die große Präzision, erstreckten sich bruchlos über das gesamte Frequenzspektrum und nicht nur auf den Tiefton.

Hochwertige Netz- und Cinchkabel für die Verbindung zwischen Vor- und Endstufe gehören mit zum Lieferumfang
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Der aberwitzige Leistungsheadroom der Endstufe lud mich zu fiesen Spielchen ein, die ich aber nicht etwa aufgrund zu hoher Lautstärken schnell wieder sein ließ, sondern aus Sorge davor, die Box könnte den armen 13-Zentimeter-Tiefmitteltöner einfach aus der Sicke reißen und mir vor die Füße spucken. Zurück bei gemäßigteren Pegeln, spielten die Regas wieder ansatzlos, zackig und grobdynamisch vollends überzeugend. R.E.M. nahm mich mit Stücken wie „Überlin“ (Collapse into now, Warner Brothers, 2011), „Man on the Moon“, „Everybody Hurts“ oder „Nightswimming“ (Automatic for the People, Warner Brothers, 1992) mit auf eine musikalische Reise, die mir beim Hören stets zweierlei erlaubte: einerseits das Abtauchen in die Musik, andererseits das analytische Sezieren und Konzentrieren auf einzelne Töne, Instrumente oder Geräusche – wenn ich es denn wollte. Die Rega-Kombi ist keine kühle Analytikerin, sondern ein Instrument, das dem Hörer wirklich alle noch so feinen, subtilen musikalischen Ereignisse darbietet und damit ein Neuentdecken geliebter, vermeintlich wohlbekannter Stücke erlaubt.

Blitzsauberer Aufbau der großen Hauptplatine mit ICs und hochintegrierten SMDs. Anders als bei freiverdrahteten Röhrenverstärkern kann man hier die Schaltung freilich nicht mehr „lesen“
Blitzsauberer Aufbau der großen Hauptplatine mit ICs und hochintegrierten SMDs. Anders als bei freiverdrahteten Röhrenverstärkern kann man hier die Schaltung freilich nicht mehr „lesen“

Auch vermeintlich langweilige Mainstream-Stücke wie „Downbound Train“, „I‘m On Fire“ oder „Dancing In the Dark“ von Bruce Springsteen (Born in the U.S.A., Columbia Records, 1984) blühten förmlich neu auf: Derart frisch, munter und mit kraftvoller Stimme habe ich den alten amerikanischen Barden selten gehört, als habe er eine Flasche Supertrank von Asterix und Obelix bekommen. Das Darstellen feinster Nuancen von Beckenanschlägen, Hi-Hats oder die Wiedergabe subtiler Geräusche beim Anreißen von E-Gitarrensaiten gaben der Musik eine enorme Authentizität. Mir haben diese Mainstream-Evergreens lange nicht mehr so viel Spaß gemacht!


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