tests/26-04-14_soulnote
 

Soulnote A-2 ver.2

14.04.2026 // Wolfgang Kemper

Übrigens spielen beide Verstärker bei gleicher Pegelanzeige (24) gleich laut. Nun mal ganz andere Musik: Das Quintet für Oboe, zwei Violinen, Viola & Cello No. 1 in B-Dur vom bedauerlicherweise wenig bekannten böhmischen Komponisten Josef Mysliveček mit dem Doležal Quartet und Michaela Hrabánková an der Oboe (Qobuz Stream 96/24). Dies stellt mein A2 konturiert und wahrheitsliebend, mit feinen Details wohl aufgefächert, nicht diffus auf eine nicht sehr tiefe imaginäre Bühne. Das gefällt, bis dann sein Nachfolger aufzeigt, was mehr geht. Bei dieser Musik ist der ver.2 klar überlegen. Er malt die Instrumente nicht nur nuancenreicher, sondern gleichzeitig wärmer und plastischer. Auch gestaltet er den Raum leicht offener nach vorne, was mehr Nähe zur Darbietung vermittelt. Die Musik klingt ein wenig unspektakulärer. Aber gerade das scheint mir hier angemessen und der Authentizität dienlich. Hier besteht kein Interesse, wieder zurück zu wechseln, denn bei dieser Art Musik überzeugt der neue A2 auf Anhieb. Die Musik klingt wunderschön, voller Feinheiten, klar strukturiert und mit sensibler Dynamik. Da höre ich erst einmal weiter zu und genieße. Jetzt möchte ich ein großes Orchester erleben und wähle meinen Test-Standard von der Oladra Festplatte: Scheherazade von Rimsy-Korsakov mit L'Orchestre de la Suisse Romande und Ernest Ansermet. Beachtlich, mit welcher Wucht und feiner Strukturierung der A2 ver.2 bei „The Sea and Sindbad´s Ship“ beginnt. Die Schwärze bei den tiefen Streichern ist grandios. Und erst der Schmelz und das Körperliche der Solo-Violine, die nach einigen Takten einsetzt. Nichts wirkt überzeichnet, sondern überzeugend wirklichkeitsnah. Den gewaltigen, grundtonintensiven Orchesterklang seziert der ver.2 nicht, zeichnet ihn aber facettenreich und dreidimensional geordnet, homogen mit glaubhafter Bindung zur Solo-Violine. Das Auf- und Abschwellen des Orchester-Pegels hat er im Griff und zeigt auch bei maximaler Lautheit kein Limit in Sachen Dynamik. Unspektakulär und ehrlich, beeindruckend gewaltig musiziert dieser Verstärker. Auch Satz zwei der Scheherazade „The Story of the Calender Prince“ beginnt mit einer eindrucksvoll körperhaften Violine und der zart gestreichelten Harfe, gefolgt zuerst von den Holzbläsern aus der Tiefe des Raumes und einem fein gesponnenen Teppich der Celli. Das klingt wunderschön.

Der technische Aufbau ist beim A2 ver.2 ebenso aufgeräumt wie mit selektierten, hochwertigen Bauteilen bestückt und ähnelt auf den ersten Blick seinem Vorgänger
Der technische Aufbau ist beim A2 ver.2 ebenso aufgeräumt wie mit selektierten, hochwertigen Bauteilen bestückt und ähnelt auf den ersten Blick seinem Vorgänger

Was macht mein alter A2 daraus? Der erste Satz eröffnet ebenso beeindruckend mit etwas plakativerer Darbietung und weit weniger Schwärze im Orchester. Für sich genommen durchaus gelungen, nur doof, wenn man vorher den Nachfolger hörte. Auch mein A2 spielt mit glaubwürdigen Klängen, jedoch fehlt es an Grundton-Energie, was bei dieser Musik eine Menge ausmacht und ihre emotionale Wirkung wesentlich mitbestimmt. Die Pauken kommen kräftig und artikuliert, aber der Orchesterkörper wirkt vergleichsweise blass. Im zweiten Satz klingt die Violine zu Anfang weniger plastisch, allerdings scheinen die Holzbläser aus noch tieferem Raum zu kommen. Dieser Effekt überrascht mich nicht, weil die hellere Abstimmung meines A2 dies begünstigt. Dafür klingt aber die Solo-Violine ebenso wie das gesamte Orchester weniger intensiv und kraftvoll sowie auch ein bisschen flächiger. Jetzt wechsele ich bei dieser Musik am A2 vers.2 das HMS Armonia Carbon Lautsprecherkabel gegen ein deutlich preisgünstigeres QED Genesis Silver Spiral und wundere mich über den geringen Unterschied. Denn der ist mit meinem A2 ausgeprägter. Zwar klingt die Solo-Violine einen Hauch weniger aufgelöst und das vom Orchester geprägte gewaltige Klangbild etwas gedrungener und weniger luftig, aber der neue A2 bringt seine musikalischen Fähigkeiten ansonsten voll umfänglich zur Geltung. Das Orchester imponiert auch hier mit seiner Kraftentfaltung und der Schwärze der tiefen Streicher. Mit dem A2 ver.2 harmoniert auch das günstige QED an den Phonar ausgezeichnet. Wieder zurück zum HMS Armonia Carbon höre ich das Ramsey Lewis Trio mit dem Live-Album The In Crowd von der Festplatte des Servers. Wieder ist es bereits der Beifall zu Beginn, der klar macht, dass der neue Soulnote in puncto Ehrlichkeit und Wirklichkeitsnähe die Nase vorn hat. Die Club-Atmosphäre ist jederzeit spürbar, das Trio musiziert unmittelbarer im Raum als es mein A2 darzustellen vermag. Die noch bessere Dynamik, vor allem im Feinen, und der gesteigerte Reichtum an Nuancen beim Ver.2 untermauern diese Direktheit, die das Hörvergnügen fraglos steigert. Auch mein A2 inszeniert dieses Album mit großem Spaßfaktor, aber der Neue malt die Klangfarben, hier auch wieder gut beim Schlagzeug erkennbar, noch echter und keinesfalls weniger plastisch. Dem A2 vers.2 gelingt es besser als meinem A2, den musikalischen Fluss und damit auch mehr Emotion zu vermitteln. Beim nächsten Album, Eric Clapton Unplugged Live, sind die Unterschiede zwischen den beiden Amps überraschend klar ausgeprägt. Die Überlegenheit des neuen im Grundton hinsichtlich Energie und Feinzeichnung wirkt sich hier sehr deutlich aus. Claptons Gesang wie auch seine Gitarre überzeugen mit gesteigerter Körperlichkeit, die sie „optisch“ wahrnehmbar macht. Trotz dieses wärmeren Timbres liegt auf der Musik kein Schleier oder gar eine Verdunkelung. Der Rhythmus springt über, und das Fußwippen ist unvermeidlich. Jetzt soll der A2 ver.2 noch kurz zeigen, wie er mit meinen Analysis Audio Vollbereichsbändchen zurechtkommt, mit denen mein A2 ja nicht so recht harmonieren will, weil diese Kombination einfach zu cool und emotionsarm klingt. Auch an diesen Lautsprechern beweist der ver.2, dass er mit seiner Tonalität musikalisch mehr zu bieten hat und realistischer und schwungvoller agiert. Mit ihm bekommen Instrumente und Stimmen weitaus mehr realistische Größe und Dreidimensionalität.

Beim genauen Hinsehen sind etliche Veränderungen zu sehen: Links oben: obere Ebene alt - Rechts oben: obere Ebene neu Links unten: untere Ebene alt - Rechts unten: untere Ebene neu
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