tests/26-06-02_spendor
 

Spendor A1.2

02.06.2026 // Carsten Bussler

Aber ich greife vor. Mit der A1.2 führte Spendor bereits im letzten Jahr die zweite Generation des kleinsten Modells der A-Line-Baureihe ein. Der Lautsprecher ist als passiver Zwei-Wege-Kompaktmonitor ausgelegt und verwendet wie der evolutionäre Vorgänger ein geschlossenes Gehäusekonzept ohne Bassreflexöffnung. Das ist bemerkenswert, denn die meisten Hersteller helfen den unteren Oktaven gerne mit einem Bassreflexrohr auf die Sprünge, was oft genug in effekthaschenden Luftpumpen-Hüben endet und nicht mehr viel mit High Fidelity im eigentlichen Sinn zu tun hat. Gut ausgelegte geschlossene Konzepte hingegen können aufgrund des als zusätzliche Feder wirkenden eingeschlossenen Luftvolumens durch präziseres Ausschwingen im Bass überzeugen. Die meisten Helmholtz-Resonatoren – also Bassreflex-Boxen – verfügen nach meiner Erfahrung zwar über mehr Tiefbass und mehr Wirkungsgrad aufgrund der zusätzlichen Energie um die Abstimmfrequenz herum, aber das wird in der Regel durch Resonanzen, Phasendrehungen und längere Ausschwingzeiten erkauft. Diese Nachteile wiegen meist schwerer als das vordergründige „Mehr“ an Bass. Geschlossene Konzepte wie die A1.2 kennen solche Sauereien nicht. Die Spendor ist als Regal- beziehungsweise Stativlautsprecher konzipiert, kostet als Pärchen circa 1900 Euro und wird vollständig in Großbritannien hergestellt. Das ist doch mal ein Wort.

Die 22-Millimeter-Polyamid-Gewebekalotte ist mit einem schützenden Gitter versehen, was ich sehr begrüße. Sie setzt erst bei 4200 Hertz ein, eine hohe Trennfrequenz für den Hochtöner
Die 22-Millimeter-Polyamid-Gewebekalotte ist mit einem schützenden Gitter versehen, was ich sehr begrüße. Sie setzt erst bei 4200 Hertz ein, eine hohe Trennfrequenz für den Hochtöner

Die elektroakustische Konstruktion basiert auf einem Zwei-Wege-System mit einer relativ hohen Trennfrequenz bei 4200 Hertz, was für eine breitbandige Auslegung des Tiefmitteltöners spricht, denn ein 150-Millimeter-Treiber bündelt bei vier Kilohertz bereits recht stark. Der Tief-Mitteltonbereich wird nämlich von einem solchen 150-Millimeter-Chassis mit EP77-Polymermembran übernommen, für den Hochtonbereich verwendet Spendor eine 22-Millimeter-Polyamid-Gewebekalotte. EP77 ist ein von Spendor entwickeltes Membranmaterial, das auch in den anderen Modellen des Herstellers eingesetzt wird. Über die konkrete Topologie der Frequenzweiche sowie die eingesetzten Bauteile veröffentlichen die Briten keine technischen Einzelheiten. Da der Lautsprecher aber aus der BBC-Tradition hervorgeht, die für möglichst saubere Phasenverhältnisse, breite Überlappung der Chassis und wenig komplexe Filter steht, gehe ich von sechs oder zwölf Dezibel Flankensteilheit pro Oktave aus.

Spendor gibt den typischen Frequenzumfang im Hörraum mit 60 Hertz bis 26 Kilohertz an, die Nennimpedanz beträgt acht Ohm und der Wirkungsgrad liegt bei 83 Dezibel pro Watt und Meter. Bäume ausreißen kann die A1.2 also kaum und als empfohlene Verstärkerleistung nennt Spendor einen Bereich zwischen 25 und 100 Watt. Die Anschlusssektion besteht aus einem einzelnen Paar versenkter Präzisions-Lautsprecherklemmen; Bi-Wiring- oder Bi-Amping-Anschlüsse sind nicht vorgesehen. Kleinleistungstrioden scheiden als Antrieb also aus, trotzdem habe ich einen kleinen Almarro A205A MkII mit fünf Watt Class A Nennleistung zumindest mal ausprobiert, was sich jedoch als Mismatch herausgestellt hat – soviel vorab.

Spendor entwickelt das Membranmaterial EP77 selbst. Physikalisch bündelt ein 150-Millimeter-Chassis bei vier Kilohertz bereits recht stark, was für eine breitbandige und resonanzarme Konstruktion des Tiefmitteltöners spricht
Spendor entwickelt das Membranmaterial EP77 selbst. Physikalisch bündelt ein 150-Millimeter-Chassis bei vier Kilohertz bereits recht stark, was für eine breitbandige und resonanzarme Konstruktion des Tiefmitteltöners spricht


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