Die wesentliche technische Änderung gegenüber der ursprünglichen A1 betrifft die mechanische Struktur des Gehäuses. Für die A1.2 wurde die interne Konstruktion überarbeitet; nach Herstellerangaben kommt ein verfeinertes internes Verstrebungssystem zum Einsatz, das Gehäusevibrationen reduzieren und die Wechselwirkungen zwischen Chassis und Gehäuse minimieren soll. Spendor nennt in diesem Zusammenhang die Verringerung von Gehäuseresonanzen, also die Reduktion von „cabinet interaction“ sowie die Verminderung von „time smearing“. Zusätzlich wird eine Sorbothane-Dämpfung innerhalb der mechanischen Kopplung des Gehäuses eingesetzt. Sorbothane ist ein viskoelastisches Dämpfungsmaterial, das Schwingungsenergie in Wärme umwandelt und zur mechanischen Entkopplung verwendet wird. Spendor weist ausdrücklich darauf hin, dass die A1.2 auch bei wandnaher Aufstellung sowie in kleineren Räumen eingesetzt werden kann und so habe ich es dann auch gehalten: Die beiden Lautsprecher durften es sich in einem 20 Quadratmeter großen Raum auf Ohrhöhe auf einem Ständer ungefähr 30 Zentimeter von der Rückwand gemütlich machen, mit einem Basisabstand von circa zweieinhalb Metern zueinander. Und weil hier bei mir gerade noch der Röhrenvollverstärker Gallion AudioTS34 gastierte, durfte dieser zunächst die beiden kleinen Briten befeuern. Im Class-AB-Betrieb bringt der Gallion immerhin 40 Watt Ausgangsleistung an die Klemmen, was nominell für die Spendors ausreichen sollte.

Tatsächlich gingen der Galion und die Spendors eine sehr harmonische Liaison ein. Zwar etwas gemein von mir, aber um dem Tiefton gleich mal auf den Zahn zu fühlen, musste ein Klassiker herhalten: Das Intro von „Hells Bells“ von AC/DC (Back in Black, Atlantic Records, 1980) offenbart unmittelbar jede Schwäche im Tieftonbereich. Ich erwartete keine Wunder, aber die „Höllenglocken“ kamen klar konturiert und mit guter Kontrolle, ohne tumbe Effekthascherei. Natürlich stiegen die Briten nicht so tief in den Keller wie ausgewachsene Standboxen, aber das, was sie darstellten, hatte schon richtig Qualität. Trocken, knackig, konturiert und wieselflink wirkte der Bass, das können viele Bassreflex-Kollegen dieser Gewichtsklasse eben nicht so gut.
Etwas gediegenere Kost wie zum Beispiel Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (Yehudi Menuhin, His Master´s Voice, 1985) überzeugte in Sachen Raumstaffelung und Klangfarbentreue ungemein. Streicher und Blasinstrumente kamen in ihren Klangfarben sehr echt und authentisch rüber, hier half der Galion Audio gewiss ein gutes Stück mit, in der Tendenz leicht warme und weiche Hochtonglanzlichter zu setzen. Die Instrumente hatten ausreichend Luft zur Entfaltung um sich herum und sowohl die Breiten- als auch die Tiefenstaffelung überzeugten mich.
Gänsehautmomente erzeugte das Album Aion (4Ad, 1990) von Dead Can Dance. Renaissance-Musik mit gregorianischem Gesang und mittelalterlichen Instrumenten wie Drehleier und Dudelsack erfordern tonale Sauberkeit und subtile Feindynamik. Und auch hier erlaubten sich die kompakten Monitore von Spendor nicht die geringsten Schwächen: Fein nuancierte Vokale beim Gesang klangen realistisch und sehr fein aufgelöst, S-Laute kamen ohne crispe oder scharfe Akzente aus. Die historischen Instrumente spielten farbstark und natürlich auf, feinste Klangverästelungen wurden sehr sauber aufgelöst und schwangen detailliert aus.

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