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Qln Prestige Three Gen 2

23.06.2026 // Roland Dietl

Schauen wir uns die Prestige Three Gen 2 genauer an: Ihre Vorgängerin, die Prestige Three, wurde 2018 als erstes Standlautsprecher-Modell von Qln seit den frühen 90er-Jahren vorgestellt und basiert auf der Qln Signature-Serie von 1989. Bereits der erste visuelle Eindruck der Three Gen 2 unterscheidet sie vom Gros der Mitbewerber. Das auffällige Erkennungszeichen ist die leicht nach hinten geneigten Frontwand und die abgestumpfte Pyramidenform im oberen Teil. Diese markante Linienführung ist kein Design-Gag, sondern hat handfeste akustische Gründe. Die nach hinten geneigte Schallwand soll für eine perfekte zeitliche Abstimmung (Time Alignment) zwischen Tieftöner und Hochtöner sorgen, da damit der akustische Mittelpunkt für alle Treiber auf einer Linie liegt. Der obere Gehäuseteil in Form einer abgestumpften Pyramide minimiert die Schallwandfläche rund um den Hochtöner, reduziert Kantenreflexionen und unterdrückt stehende Wellen im Inneren des Gehäuses.

Der Hochtöner, eine 25-Millimeter-Gewebekalotte, im Detail
Der Hochtöner, eine 25-Millimeter-Gewebekalotte, im Detail

Auch wenn die Three Gen 2 mit einer Höhe von knapp einem Meter nicht gerade ein Riese ist, so bringt sie mit 27 Kilogramm mehr Gewicht auf die Waage als gedacht. Einen großen Anteil daran hat das Gehäuse. Ein Lautsprechergehäuse sollte laut Mats Andersen vollkommen tot sein und nicht wie der Korpus eines Instruments als Resonanzkörper agieren. Bei der Three Gen 2 wurde der Aufwand für das Gehäuse auf die Spitze getrieben: Während bei der ersten Generation der Prestige Three das hocheffektive Dämpfungsmaterial Qboard® nur punktuell an besonders kritischen Bereichen Verwendung findet, geht Qln jetzt in die Vollen. Das gesamte Gehäuse besteht nun aus dem diesem High-End-Sandwich-Material, das bisher den absoluten Top-Modellen vorbehalten war. Q-Board besteht aus zwei Schichten hochdichten Holzes, die durch eine viskoelastische Schicht miteinander verbunden sind. Die hochdichten Platten sorgen für Masse, während die viskoelastische Schicht für die interne Dämpfung zuständig ist. Der Lautsprecher steht auf vier stabilen Auslegern, an die entweder scheiben- oder kegelförmige, in der Höhe verstellbare Dämpfungsfüße montiert werden können, womit eine Anpassung an unterschiedliche Bodenbeläge möglich ist. Für die Three Gen 2 verwendet Qln keine Standard-Chassis von der Stange. Im Tief-Mitteltonbereich vertraut Mats Andersen auf einen speziell für Qln gefertigten Scan-Speak-Treiber. Während Magnetsystem und Korb auf bewährter Scan-Speak-Technik basieren, sind sämtliche „weichen“ Komponenten – von der Aufhängung über die Membran bis zur Staubschutzkappe – exklusive Eigenentwicklungen, die bei Scan-Speak nach den Vorgaben von Qln gefertigt werden. Für das Material der Membran verwendet Mats Andersen Kevlar, das eine hervorragende innere Dämpfung und praktisch keinen Materialeigenklang haben soll. Seiner Ansicht eignet sich Kevlar besonders gut, die perfekte tonale Balance im kritischen Mitteltonbereich zu wahren. Der große 7-Zoll-Treiber soll damit so flink und verfärbungsfrei wie ein kleiner 5-Zöller agieren, jedoch das Bassfundament und die Raumkopplung eines großen Chassis mit sich bringen.

Der Tief-/Mitteltöner mit kräftigem Antrieb von hinten
Der Tief-/Mitteltöner mit kräftigem Antrieb von hinten

Im Hochtonbereich setzt Qln auf eine 25-Millimeter-Gewebekalotte (Soft Dome) mit breiter Sicke, ebenfalls eine Custom-Variante von Scan-Speak. Der Hochtöner arbeitet auf eine großzügig dimensionierte, rückseitige Dämpfungskammer. Die Luft kann durch offene Löcher unter der Kalotte nach hinten entweichen. Bedämpft wird die Kammer mit einer sorgfältig austarierten Mischung aus Naturwolle und Synthetik-Faser, wodurch Reflexionen des Rückschalls gegen die Kalotte eliminiert werden sollen. Obwohl der Hochtöner messtechnisch bis unter 1 Kilohertz linear arbeitet, koppelt Mats Andersen ihn erst viel höher – bei etwa 3,5 bis 4 Kilohertz – an den Tief-Mitteltöner an. Seiner Meinung nach ist ein Hochtöner einfach zu klein, um im Bereich zwischen 1,5 und 3 Kilohertz echte Luftbewegung zu generieren. Trenne man dort, klinge eine akustische Gitarre oder eine Violine zwar im ersten Moment sehr detailreich und spritzig, würde jedoch ihren hölzernen Korpus und damit ihr Volumen verlieren. Indem der große 7-Zoll-Kevlar-Treiber bis hinauf zu 3,5 Kilohertz spielt, behielte der Lautsprecher die volle Kontrolle über das reale Volumen und die Körperhaftigkeit von Instrumenten und Stimmen. Der Hochtöner arbeite so ausschließlich im Obertonbereich, der für das Gefühl von „Luft“ und Raum verantwortlich ist. Bei der Three Gen 2 setzt Mats Andersen im Gegensatz zum Vorgängermodell nun auf eine Frequenzweiche erster Ordnung (6 Dezibel pro Oktave). Ein optimales Phasenverhalten im kritischen Übergangsbereich zwischen Tief-Mitteltöner und Hochtöner ist für Mats Andersen wichtiger als ein schnurgerader Frequenzgang: der Klang würde dadurch entspannter. Aufgrund der einfachen Filter kommt die Frequenzweiche der Three Gen 2 mit sehr wenigen Komponenten aus, die dafür von bester Qualität sind: nicht-induktive Kondensatoren für den Hochtonbereich, hochwertige ölgefüllte Kondensatoren für den Tieftonbereich sowie an kritischen Stellen Flachdrahtspulen. Die Bauteile sind ohne Platine direkt Punkt zu Punkt verdrahtet. Auch auf den letzten Zentimetern des Signalwegs überlässt Qln nichts dem Zufall: eigenentwickelte Solid-Core-Kabel (massive Leiter) aus hochreinem Kupfer für die interne Verkabelung und ein WBT Nextgen Anschlussterminal sprechen für sich.


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