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Aavik Acoustics R-588

26.06.2026 // Dirk Sommer

Der Eingang, der die Spannung für die DS-Audio-Systeme bereitstellt, ist mit einem Warnhinweis versehen
Der Eingang, der die Spannung für die DS-Audio-Systeme bereitstellt, ist mit einem Warnhinweis versehen

Zur besseren Einordnung der Fähigkeiten des R-588 verbinde ich das Tonarmkabel des AMG 12JT mit den Eingängen der Phonokarte im WestminsterLab. Der erste Eindruck lässt mich glauben, dass die Unterschiede zum Aavik recht gering sind. Gut, der imaginären Bühne mangelt es an einpaar Zentimetern Tiefen, aber ansonsten wird der Musikgenuss im Vergleich zu dem, den der R-588 bietet, nicht wirklich geschmälert – glaubte ich, bis ich wieder den Aavik höre und mich über eine noch bessere Durchzeichnung, eine etwas explosivere Dynamik, minimal kräftigere Klangfarben und eben diese weiträumigere und plastische räumlich Darstellung freue. Nein daran, dass die R-588 die Fähigkeiten des W3 noch ein bisschen überzeugender zur Geltung bringt als der entsprechende Phonoeinschub in der Vorstufe, kann nicht der geringste Zweifel bestehen.

Aber sollte das 30-Hertz-Filter für einen Bass-Fan nicht vielleicht doch die bessere Wahl sein? Auf dem Teller des LaGrange liegt eine der ganz raren Wiederveröffentlichungen von ECM, bei dem das Original zuerst bei einem anderen Label erschienen ist: Die beiden von Jimmy Giuffre, Paul Bley und Steve Swallow eingespielten Verve-Alben Fusion und Thesis mischten Jan Eric Kongshaug und Manfred Eichler im Rainbow Studio in Oslo neu ab, bevor sie als Jimmy Giuffre 3, 1961 als Doppelalbum herausgebracht wurden. Die warmen Klangfarben von Klarinette, Flügel und Kontrabass nehmen den Zuhörer sofort für sich ein. Carla Bleys Kompositionen „Jesus Maria“ und „In The Morning Out There“, die Giuffres „Emphasis“ umrahmen, sind eine Schwelgerei in entspannter Melodik. Toll, wie aufmerksam, spannend und doch sehr sparsam das Trio miteinander kommuniziert: Musik zum Träumen. Steve Swallows Kontrabass ist zwar jederzeit gut nachzuverfolgen, könnte für den Autor aber einen Tick prominenter rüberkommen. Und deshalb probiere ich zwischendurch immer mal wieder das 30-Hertz-Filter aus. Der Zugewinn an Bass-Energie erweist sich dabei als marginal. Ich belasse es für die weitere, rein hedonistische Beschäftigung mit dem R-588 und dem W3 bei der Filterung ab 50 Hertz. Auch beim Langzeithören zeigte Aaviks Phonostufe nicht die geringsten Auffälligkeiten, die es nötig machten, die bisherigen Einschätzungen zu revidieren.

Einen ersten Eindruck davon, was der MC-Eingang des Aarvik zu leisten vermag, habe ich ja schon beim Test des Vertere Ruby one bekommen und auch beschrieben. Bei meiner Einstiegsscheibe in Tonabnehmer- und Phonostufentests, Art Farmer und Jim Halls Big Blues waren beispielsweise zuvor nie so viele Details zu hören – beim Erstkontakt mit Wilson Beneschs Prime Meridian System lief die LP nur im Hintergrund. Auch Collin Walcott, Don Cherry und Nana Vasconcelos' Album Codona habe ich über Einsteins The Turntable's Choice nicht so beeindruckend gehört. Mehr Details finden Sie – wie gesagt – im Test des Vertere Ruby one.

Die hellblauen Kondensatoren wurden ausgemessen, beschriftet und paarweise selektiert, wie man beim Vergrößern des Bildes erkennt
Die hellblauen Kondensatoren wurden ausgemessen, beschriftet und paarweise selektiert, wie man beim Vergrößern des Bildes erkennt

Auf dem LaGrange ist neben dem AMG-Arm mit dem W3 im Headshell auch der Thiele TA01 montiert, der ein Lyra Etna nahezu ohne Fehlspurwinkel über die Platte führt. Beim Test des R-580 hatte ich ja Richard Beirachs ein wenig in Vergessenheit geratenes Album Hubris für mich wiederentdeckt. Auf der Suche danach bleibe ich bei Beirachs Trio-Einspielung mit George Mraz und Jack DeJohnette, ELM, hängen. Mit dem über zwölfminütigen „Snow Leopard“ lockere ich die Dämpfung des lange nicht genutzten Etna – und frage mich, ob das denn wirklich nötig ist: Die Becken des Drum Sets scheinen zu explodieren, das Trio strotzt nur so vor Energie und der Drive zieht einen sofort in seinen Bann. Am Ende des Stücks und beim folgenden „Elm“ zeigt sich dann der Erfolg der Lockerungsübungen: Die Instrumente werden nun von mehr Luft umgeben, Klangfarben und leisere Töne geraten mehr in den Fokus. Etna und Aavik machen die Plattenseite zum Genuss.


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