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SPL Crossover Mk2

28.07.2026 // Finn Corvin Gallowsky

In gewohnter Umgebung meines Hörraumes steige ich in den Hörtest ein. Wobei dieser doch eher besondere Test gar nicht unmittelbar mit Hören beginnt, sondern dem Finden eines passenden Tunings. Als Tieftöner-Endstufe nutze ich meine NAD C 275BEE, für den Hochton meine IOTAVX PA3. Mein eigenes Kompaktlautsprecher-Konzept habe ich mit der DSP-Weiche schon in sämtlichen erdenklichen Varianten durchgespielt und weiß inzwischen, dass eine hohe Trennfrequenz ihm sehr zuträglich ist. Ich trenne die Treiber digital gerne bei einer Flankensteilheit von 24 Dezibel bei etwa 3,8 Kilohertz. Zwar bremst der Tiefmitteltöner dann bereits das gute Rundstrahlverhalten des Hochtöners aus, jedoch gewinnt der Lautsprecher so das gewisse Etwas. Beide Treiber summieren sich so außerdem sehr linear. Die Flanken vierter Ordnung erzeugen eine besonders präzise Bühnendarstellung und einen Monitorcharakter, der meinem persönlichen Geschmack sehr entspricht. Diese Einstellung möchte ich mit dem Crossover möglichst genau nachbilden und wähle für Hoch- und Tiefpass die maximalen Trennfrequenzen von 3,6 Kilohertz. So wie das Gehäuse konzipiert ist, muss der Mitteltöner über 100 Hertz bedämpft werden, um ein gleichmäßiges Tiefmittenspektrum wiederzugeben. Da dies mit der aktiven Weiche nicht möglich ist, entscheide ich mich, den Hochtöner zunächst sauber an den natürlichen Frequenzgang des Tiefmitteltöners anzukoppeln und dann beide Treiber in Summe mittels eines Filters in meinem Roon Core zu entzerren. Auch mit der analogen Frequenzweiche und niedrigerer Trennfrequenz von real etwa 2,6 Kilohertz summieren sich beide Chassis vorbildlich und ohne übermäßige Auslöschungen oder Überhöhungen. Das gewünschte Ergebnis ist mit einem Ziel vor Augen und entsprechender Messtechnik äußerst schnell erreicht. Nach weniger als einer Stunde steht ein Setup, dass sich in seinen Eckdaten – von der niedrigeren Trennfrequenz einmal abgesehen – nicht nennenswert von meiner Vorlage, der digitalen Abstimmung mit dem Mini-DSP unterscheidet. Klanglich hingegen sind die Lautsprecher nicht wiederzuerkennen.

SPLs Voltair Technik sorgt bei der Frequenzweiche für den optimalen Arbeitspunkt der Bauteile
SPLs Voltair Technik sorgt bei der Frequenzweiche für den optimalen Arbeitspunkt der Bauteile

Das Crossover Mk2 macht unmissverständlich klar, dass es absolut transparent agiert. Dass das Mini-DSP akustischen kaum etwas hergibt, war mir bewusst. Es dient bei mir eher als schnelles Entwicklungs- und Prototyping-Tool. Wie viel mehr Brillanz, Präzision, Auflösung und Durchhörbarkeit noch in den Treibern steckt, überrascht mich dann doch. Der unaufwendig konstruierte Lautsprecher bringt dank der SPL-Weiche die charakteristischen Klangeigenschaften meines D/A-Wandlers deutlich rüber. Die Bruchlosigkeit im Zusammenspiel beider Chassis fällt souveräner aus, als ich es von der digitalen Lösung gewohnt bin. Der für ein derart günstiges Lautsprecherkonzept verblüffend gute virtuelle Raum wird mit der analogen Frequenzweiche in alle Richtungen noch weiter geöffnet und Instrumente schweben viel freier und feiner aufgelöst im Raum. Diese Fähigkeiten weist die Wiedergabe auch ohne eine Entzerrung auf, jedoch ist für echten Hörgenuss die Linearisierung notwendig. Der Tiefmitteltöner aus der Scan-Speak Discovery Serie hat in der Szene einen guten Leumund, ist mit etwa 60 Euro pro Stück jedoch kein Vertreter der extrem günstigen Klasse mehr. Der SB Acoustic Hochtöner besetzt mit etwa 25 Euro pro Stück durchaus das untere Ende der Skala. Wie frei, unbeschwert und detailreich er ohne passive Beschaltung (und ohne den minderwertigen D/A-Wandler des Mini DSP) spielt, macht Eindruck, auch wenn die Frequenzweiche in einem krassen monetären Kontrast steht. Ein ähnliches Ungleichverhältnis würde ebenso bei einer transparent klingenden Passivweiche auftreten.

Das für die Phase verwendete Poti stammt von Alps
Das für die Phase verwendete Poti stammt von Alps

Mit dem SB Acoustic SB15CAC30-8 (etwa 105 Euro) und dem Scan-Speak D2010/852100 (etwa 90 Euro) spielt der zweite Testlautsprecher schon in einer anderen Liga. Bei einer passiven Beschaltung der Treiber aus der CAC-Reihe wirkt sich eine Dämpfung des durch das harte Membranmaterial verursachten Resonanzpeaks am oberen Frequenzende durch einen Saugkreis meiner Erfahrung nach äußerst positiv auf das Ergebnis aus. Zwar ist auch der zuvor beschriebene Scan-Speak Discovery nicht gänzlich frei von einem Peak, allerdings verhält sich dieses deutlich gutmütiger. Somit ist besonders der CAC eine Herausforderung für die Frequenzweiche und stellt gewissermaßen den Extremfall dar. Wie lange dauert es, einen vollkommen unbekannten Lautsprecher mit dem Crossover abzustimmen und wie gut ist dies ohne Messtechnik möglich? Dies sind die zwei Fragen, die ich mir in diesem zweiten Testabschnitt stelle. Die Verstärkung des Hochtons erledigt der kleinste Rega Vorverstärker IO. Für den Tiefpasszweig verwende ich einen günstigen Class-D-Amp auf TPA3255-Basis. Ich beginne bei einer Flankensteilheit von 12 Dezibel für beide Zweige und schalte die verschiedenen Trennfrequenzen durch. Ein Geschmacksurteil über die klanglichen Ergebnisse ist ohne Frage möglich. Wann die Treiber sich optimal summieren, kann ich allerdings eher erahnen als mit Sicherheit bestimmen. Schlussendlich gilt in gewisser Weise, dass erlaubt ist, was gefällt, insofern ist eine Abstimmung auf diese Art und Weise durchaus denkbar – mir persönlich wäre das allerdings zu viel Blindflug. Interessanterweise klingen tiefere Trennfrequenzen etwas voller, tiefmittiger, obwohl der Hochtöner viel mehr vom Frequenzbereich abdeckt als bei höheren Trennfrequenzen. Ein ausgewogenes Klangbild stellt sich bei drei Kilohertz ein. Die tatsächliche Trennfrequenz liegt bei grob einjustierter Hochtönerlautstärke genau bei drei Kilohertz. In dieser Einstellung lässt sich bereits richtig gut Musik hören. Ein Umschalten auf 24 Dezibel Flankensteilheit im Tieftonzweig führt zu einer runderen, angenehmeren Wiedergabe. Der schnellere Abfall und die somit stärkere Unterdrückung des Resonanzpeaks des Tiefmitteltöners scheint der Wiedergabe zuträglich, obwohl sie bereits im 12-Dezibel-Betrieb um etwa 18 Dezibel gegenüber dem mittleren Nutzsignal abfällt. Die beiden Treiber summieren sich in dieser Einstellung rund um den Übernahmebereich schlechter als bei reiner Zwölf-Dezibel-Beschaltung. Mit beiden Filtern auf 24 Dezibel wird es besser, dennoch nicht so sauber wie in der Zwölf-Dezibel-Variante. Die reale Trennfrequenz liegt bei 3,1 Kilohertz. Mittels des Phasenreglers lässt sich eine Einstellung finden, die zu einer noch besseren Summierung führt. Möchte man diese Einstellung ohne Messtechnik finden, hilft rund um die Trennfrequenz bandbegrenztes Rauschen. Wenn es am lautesten klingt, sollten sich die Chassis am passendsten summieren. Allerdings sollte nochmals angemerkt werden, dass der Phasenregler den Tieftonweg beeinflusst. Für den Subwooferbetrieb ist dies gängig, bei der Anpassung von Lautsprecherchassis aneinander wird für gewöhnlich an der Phase des Hochtöners Hand angelegt. Alles in allem benötige ich doch gut zwei Tage, um sicher zu sein, die optimale Abstimmung gefunden zu haben. Gerade für die im nächsten Absatz beschriebene Linearisierung nutze ich zur Rückversicherung und Arbeitserleichterung durchaus Messtechnik. Allerdings halte ich nach diesem Experiment eine Justage rein nach Ohr gar nicht mehr für so abwegig.


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