Der Cascade bekommt 48 Stunden Zeit, bevor meine Gattin und ich abends einen ersten Funktionstest machen und zwar mit dem gerade von Qobuz heruntergeladenen Album Joyful Noise von Carla Bley, das sie mit neun Kollegen – unter anderen Michael Mantler, Steve Swallow, Gary Valente und Bob Steward – im März 1984 in einem Studio des NDR in Hamburg vor Publikum eingespielt hat. Schon der Applaus klingt authentisch, der Hall recht natürlich, die Instrumente klangfarbenstark und sehr gut definiert. Aber das zuvor unbekannte Album kann selbstverständlich nicht zur Einschätzung der Fähigkeiten des Cascade beitragen. Dennoch wollte ich es nicht unerwähnt lassen, da es musikalisch für uns bisher die Entdeckung des Jahres ist. In einer idealen Hifi-Welt hätte sich in den vergangenen beiden Jahren nichts in meiner Kette verbessert: Abgesehen von einigen Kleinigkeiten stünden statt der Børresen T5 SSE noch immer die 05 SSE gegenüber den Hörsesseln und die Files kämen vom Melco statt wie jetzt vom SOtM. Außerdem verfügte ich über ein untrügerisches Gedächtnis für Klänge und hätte die des damals genutzten Cascade noch im Ohr – oder aber einen solchen zum Vergleich mit dem aktuellen in meiner jetzigen Anlage…

Trotz der Änderungen in der Kette und des großen zeitlichen Abstands höre ich wieder zwei der drei Alben, mit denen ich den Cascade der ersten Generation eingespielt habe. Die hohe Auflösung und präzise Differenzierung sorgen jetzt dafür, dass bei „Pepple Dance“ von John Surmans Words Unspoken selbst die dichten, gedrängten Passagen nie Nervosität verbreiten. Bei den anfangs nur wie hingetupft wirkenden Schlägen auf die Bass Drum, die der Mix keinesfalls präsent, sondern eher in der Tiefe der imaginären Bühne platziert, scheint man Schlegel und Fell fast sehen zu können, so satt und tief erklingen sie. Beim Titelsong knarzt die Bassklarinette melodienverliebt, während sie von zurückhaltenden Vibraphon- und Gitarrensounds umspielt wird. Das Drum Set gibt keinen durchgehenden Takt vor, sondern garniert das Ganze mal mit tiefem Grummeln, mal mit matt strahlendem Blech: eine Schwelgerei in Klangfarben und Harmonie. Der Cascade lässt die Musik fröhlich und beschwert schweben.
„Finding Your Place“ auf dem Album Stormy Beauty des Nils Kugelmann Trios lebt vom Rhythmus und Timing: verblüffend, wie viel Energie Flügel, Bass und Schlagzeug freisetzen, wenn sie exakt auf den Punkt spielen. Der MSB macht klar, dass die drei jungen Musiker genau das tun. Bei „Unexspected Love“ lassen es Flügel und Viersaiter etwas entspannter angehen, um dann das Tempo und die Intensität zu steigern. Die ungemein detailreich wiedergegebenen Drums treiben von Anfang an das Geschehen für mich ein wenig zu prominent an, aber dafür ist die Aufnahmetechnik verantwortlich, nicht der Casade. Er enthüllt ebenfalls, dass auf der ACT-Produktion die Kreation eines imaginären Raumes keinen so hohen Stellenwert eingenommen hat wie etwa bei Words Unspoken. Nach diesen beiden selten gehörten Alben kann ich lediglich sagen, dass mir der Cascade ausgesprochen gut gefällt. Da passt einfach alles: Timing, Auflösung, Klangfarben, Raumabbildung, Homogenität und Spielfreude. Die bisherigen Eindrücke reichen jedoch nicht, um mit Gewissheit zu sagen, dass der aktuelle MSB mehr zu bieten hat als die erste Version.

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