Eine weitere Einsparung wurde durch das beim Aeon Core erstmals eingesetzte Membranmaterial möglich, das auf Kapton statt auf PET basiert. Laut Dan Clark habe es lange gedauert, die Zusammensetzung des Materials und dann Hersteller dafür zu finden, denn es durfte nicht den Eigenrauschpegel aufweisen, der bei Kapton üblicherweise über dem von PET liegt. Die Verzerrungswerte des Aeon Core bewiesen, dass das gelungen sei. Doch genug der Technik.
Gleich nach seinem Eintreffen habe ich den fabrikneuen Aeon Core mit dem Lotoo Mjönir verbunden und ihn rund 100 Stunden eingespielt. Wie meist bei Kopfhörertests versuche ich zu Beginn herauszubekommen, welche Anforderungen sie an einen Verstärker stellen. Die an der 6,3-Millimeterbuchse der Nagra VI zur Verfügung stehende Leistung hat sich beispielsweise beim Stealth als zu gering herausgestellt. Jetzt versuche ich es dort mit der digitalen Sicherheitskopie, die ich bei der Aufnahme von Bugge Wesseltoft erstellte habe. Obwohl ich auf einen Headroom von rund sechs Dezibel geachtet habe, treibt die Nagra den Aeon Core beim Rechtsanschlag des Potis zu Pegeln, die gerade noch angenehm sind. Ob das in einer lauten Aufnahmeumgebung ebenfalls reicht, ist schwer vorherzusagen. Fest steht, dass der Aeon Core deutlich empfindlicher und damit universeller einsetzbar ist als der Stealth.

Nachdem die erste Hürde genommen ist, geht’s mit dem MacBook Air, Audirvana und Chord Electronics' MOJO weiter. Bei Ravi Shankars „West Eats Meat“ vom Album Tana Mana drücke ich die Plus-Kugel für die Lautstärke am MOJO so oft, bis sie leicht violett stahlt: Der Pegel bewegt zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des Maximums. Der Aeon Core bringt den mobilen DAC also keineswegs an seine Grenzen. Beim Tabla-Intro des vertrauten Songs bekommt man eine gute Vorstellung des imaginären Aufnahmeraums. Die Schläge auf die einzelnen Trömmelchen werden sehr gut differenziert, ohne dass der packende Rhythmus dadurch etwas von seiner Faszination verliert. Im Hauptteil groovt der E-Bass dann knochig knarzend. Die Pauke im Hintergrund kommt mit Druck und ist bestens definiert, aber bei weitem nicht so fett wie ich es beispielsweise von meinem Audeze in Erinnerung habe. Da ist der Aeon Core näher an der Wahrheit und macht bei diesem Track trotzdem – oder gerade deswegen? – jede Menge Spaß. Schon an dieser vergleichsweise unaufwändigen Kette zeigt Dan Clarks neuste Kreation, dass sie fest in der klanglichen Firmentradition verankert ist und über ähnliche Qualitäten verfügt, wie ich sie vom Noire X und Stealth her kenne. Während des Schreibens habe ich übrigens noch Ry Cooders Jazz gehört. Bei dieser Produktion musste ich die Lautstärke am MOJO ein paar Stufen herunter regeln, da der mittlere Pegel hier deutlich höher liegt als bei „West Eats Meat“. Die Bass Drum und die Tuba in „Face To Face That I Shall Meet Him“ stellen auch schnell klar, dass es dem Aeon Core im Tieftonbereich keinesfalls an Druck mangelt.
Der dritte Zuspieler ist Chord Electronics' HUGO, an den der 2go angedockt ist, der über WLAN die Musik-Dateien von der internen Festplatte des SOtM sMS-2000 bezieht. Das ist gegenüber MOJO und Co. natürlich noch einmal ein Verbesserung. Aber dass der Aeon Core die Qualität seiner Signallieferanten deutlich zur Geltung bringt, ist ja keine Überraschung. Deutlich mehr treibt mich um, wie sich der Core zum Noir X verhält. Dazu spiele ich drei mal Keith Jarrett und Jack DeJohnetts „You Know, You Know“ vom Album Ruta And Daitya. Mit dem Schlagzeug und dem mit Effekten verfremdeten Sound des Fender Rhodes ist das zwar kein besonders aussagekräftiger Test-Track, macht dafür aber umso mehr Spaß. Nach dem ein oder anderen Wechsel vom Core zum Noire X und wieder zurück bin ich mir aber auch mit bei „You Know, You Know“ sicher, wo die, wenn auch recht geringen Unterschiede zwischen den beiden Dan Clark Audios – oder kurz DCAs – liegen: Der neue suggeriert eine einen Hauch größere und luftigere Aufnahmeumgebung. Die Instrumente werden minimal besser differenziert und schärfer fokussiert. Allerdings besitzen hier die Bass Drums und die Toms einen Tick weniger Druck, erklingen dafür aber ein bisschen besser definiert. Die Becken zeichnet der Core feiner durch, sie wirken jedoch eine Spur zurückhaltender. Er lädt geradezu zu langem Hören ein, während der Noire X etwas spektakulärer agiert. Doch die Differenzen zwischen beiden sind, wie gesagt, marginal.
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