tests/26-10-19_klh
 

KLH Audio Model Four

19.10.2026 // Wolfgang Kemper

Andere Musik: Hot August Night von und mit Neil Diamond (Qobuz 96/24). Das passt hervorragend, denn die Atmosphäre des Konzerts im Los Angeles Greek Theatre ist spürbar. Noch besser die Instrumentierung. Feines Rhythmusgitarrenspiel erklingt ebenso sauber und differenziert wie die Bassläufe, denen man außergewöhnlich leicht folgen kann. Die Differenzierung der einzelnen Instrumente ist frappierend und Preisklassen unabhängig auf sehr hohem Niveau. Auch hier ist das Klanggemälde mehr plakativ als räumlich tief. Das spielt das für den Hörspaß jedoch keinerlei Rolle. Bei aller Klarheit – diese ist bei diesem Album besonders beim E-Bass phänomenal – gerät die Wiedergabe nicht anstrengend, von lästig oder nervig rede ich erst gar nicht. Ich kann auch keine Verfärbung irgendwelcher Art ausmachen. Auch die Sprachverständlichkeit ist perfekt. Neil Diamonds Gesang und auch seine Erzählungen während der unterhaltsamen Vorstellung seiner Musiker klingt etwas härter und rauer als ich dies von anderen Systemen kenne. Auch wenn ich damals am 24.August 1972 leider nicht im Greek Theatre war: Genau so kann er geklungen haben. Bevor ich zu klassischer Musik wechsele, höre ich noch einige Titel dieses Live-Konzerts, weil es so schön, authentisch und mitreißend klingt.

Die Frequenzweiche ist mit guten Bauteilen aufgebaut
Die Frequenzweiche ist mit guten Bauteilen aufgebaut

Ich beginne den Klassik-Part mit Mozart, Klarinettenkonzert in A-Dur, KV622, live mit Slava Cernavaca (Qobuz 96/24). Da mag man dem Lead-Instrument und seinen beschwingten Tönen ebenso gern lauschen wie den geschmeidigen, filigranen und transparenten Streichern. Da ist keine Spur von Topfigkeit im Grundton zu spüren und ebenso wenig Harsches in Präsenz oder Hochton. Vielmehr gefällt das Klarinettenkonzert durch akkurat umrissene Töne und schöne Klangfarben. Die Details, die nicht zur Musik gehören, aber in der Aufnahme eingefangen wurden, wie die Klappengeräusche, stören nicht, obwohl sie deutlich zu hören sind. Ein Vergnügen, diesem kurzweiligen Werk von Wolfgang Amadeus Mozart zu lauschen. Gehen wir zur deutlich komplexeren Musik von Jaques Offenbach, dem flirrenden und spektakulären Gaité Parisienne. Beschwingt und mitreißend geht's zur Sache. Fein aufgelöst die Glöckchen nach den ersten Takten – wunderbar. Die Boston Pops mit Arthur Fiedler laden frohgemut zu etwas höherem Wiedergabepegel ein. Beim „Tempo di marcia“ ertönt die große Trommel mit Wucht, bleibt sauber konturiert und schmiert ihre Mitinstrumentalisten nicht zu – Klasse! Auch wenn ich diese tolle Musik von meinen beiden aufwändigeren Anlagen noch etwas geschmeidiger und in die räumliche Tiefe gestaffelt kenne, bleibt eigentlich kein Grund zu meckern. Denn was die KLH Model Four auch hier zeigt, ist, dass sie das Allerwichtigste der Musik perfekt beherrscht, nämlich den Zuhörer emotional zu berühren und ihn genussvoll dabei sein zu lassen. Diese Leichtigkeit und direkte emotionale Ansprach kann selbst mein großes Triangle-Setup so nicht bieten. Dafür erfreut sie allerdings mit noch mehr Klangfarben Nuancen und Plastizität – allerdings für den 25-fachen Preis. Das gibt mir zu denken. Den KLH Entwicklern kann ich zu diesem meisterhaft konzipierten Model Four nur gratulieren. Und glauben Sie mir bitte: Ich habe mich mit vielen weiteren Musikstücken bemüht, ein Haar in der Suppe zu finden. Es ist mir nicht gelungen. Auch nicht bei einem weiteren schönen Stück von Jaques Offenbach mit dem Gesang von von Regula Mühlemann bei „Die Rheinnixen“ aus ihrem Album Fairy Tales (Qobuz 96/24). Wunderschön, auch wenn wieder die von anderen Anlagen gewohnte räumliche Tiefenstaffelung weniger ausgeprägt ist. Aber dies ist nicht das gesuchte Haar. Denn nach meiner Auffassung ist räumliche Tiefenstaffelung im Hörraum gefühlt wunderbar schön und angenehm und steigert auch die Transparenz des musikalischen Geschehens und damit das Hörvergnügen. Aber erstens hat die KLH Model Four dies kaum nötig, da sie auch so transparent und nuancenreich abbildet. Und zweitens entspricht die audiophile Sehnsucht nach Räumlichkeit oftmals nicht der Realität. Das kann jeder ganz leicht überprüfen, wenn er in einem Konzert mit natürlichen Instrumenten einmal die Augen schließt. Da empfinde ich stets eine ergreifende Direktheit und Körperlichkeit der Instrumente, mit deren Staffelung in die Tiefe des Raumes ist es aber nicht so weit her. Also liegt die KLH Model Four auch hier ziemlich richtig.

Der dreistufige Schalter für die Anpassung an die Raumakustik kann sehr nützlich sein
Der dreistufige Schalter für die Anpassung an die Raumakustik kann sehr nützlich sein

Obwohl ich bis hierher zwar mit unterschiedichen Quellen wie Streaming und CD gehört habe, spielte stets der Pier Audio Hybridverstärker mit den QED Genesis Silver Spiral LS-Kabeln. Letztere bleiben, aber der Soulnote A2 soll mal zeigen, ob er gegenüber dem Pier Audio noch zulegen kann. Nehmen wir nochmals das Gaité Parisienne. Gut, der Soulnote steigert die Feinzeichnung, aber davon hat die KLH Model Four auch mit dem halb so kostspieligen Pier Audio MS-880SE ausreichend zu bieten. Da bringt es mehr, ein HMS Armonia Carbon LS-Kabel mit dem Pier Audio zu kombinieren, weil dies den Bass etwas strafft und damit der Feinzeichnung gut tut und zudem eine liebliche Geschmeidigkeit hinzufügt. Denn unsensibel hinsichtlich ihrer Spielpartner ist die Model Four nicht, was eine weitere gute Eigenschaft ist.


  • darTZeel Audio CTH-8550 Mk II

    darTZeel ist ein Schweizer Unternehmen, das 2001 in Genf von Hervé Delétraz gegründet wurde. Der Name ist ein Anagramm des Nachnamens Delétraz. Die Arbeit an den ersten Geräten begann bereits 1984 im Rahmen einer Diplomarbeit, und nach 18 Jahren Forschung wurde 2002 der Leistungsverstärker NHB-108 offiziell vorgestellt. Es gibt Marken, auf die man viele Jahre warten muss, aber man wartet trotzdem weiter. So war es für mich bei der Marke darTZeel. Zufällig traf ich ihren…
    13.10.2026
  • IsoAcoustics GAIA Neo I

    Erinnern Sie sich noch? Es ist bereits eine ganze Weile her, da haben Hifi-Fans ihre Lautsprecher auf Tennisbälle gestellt, um einen besseren Klang aus ihnen herauszukitzeln. Oder sie haben abenteuerliche Selfmade-Konstruktionen gebastelt, auf denen die vielleicht nicht ganz highendigen Schallwandler platziert wurden. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat sich in Sachen Lautsprecher-Füße einiges getan. Es gibt eine große Zahl an Herstellern, die Basen, Spikes oder Ständer mit unterschiedlichen Konzepten und Materialien produzieren,…
    09.10.2026
  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026