Andere Musik: Hot August Night von und mit Neil Diamond (Qobuz 96/24). Das passt hervorragend, denn die Atmosphäre des Konzerts im Los Angeles Greek Theatre ist spürbar. Noch besser die Instrumentierung. Feines Rhythmusgitarrenspiel erklingt ebenso sauber und differenziert wie die Bassläufe, denen man außergewöhnlich leicht folgen kann. Die Differenzierung der einzelnen Instrumente ist frappierend und Preisklassen unabhängig auf sehr hohem Niveau. Auch hier ist das Klanggemälde mehr plakativ als räumlich tief. Das spielt das für den Hörspaß jedoch keinerlei Rolle. Bei aller Klarheit – diese ist bei diesem Album besonders beim E-Bass phänomenal – gerät die Wiedergabe nicht anstrengend, von lästig oder nervig rede ich erst gar nicht. Ich kann auch keine Verfärbung irgendwelcher Art ausmachen. Auch die Sprachverständlichkeit ist perfekt. Neil Diamonds Gesang und auch seine Erzählungen während der unterhaltsamen Vorstellung seiner Musiker klingt etwas härter und rauer als ich dies von anderen Systemen kenne. Auch wenn ich damals am 24.August 1972 leider nicht im Greek Theatre war: Genau so kann er geklungen haben. Bevor ich zu klassischer Musik wechsele, höre ich noch einige Titel dieses Live-Konzerts, weil es so schön, authentisch und mitreißend klingt.

Ich beginne den Klassik-Part mit Mozart, Klarinettenkonzert in A-Dur, KV622, live mit Slava Cernavaca (Qobuz 96/24). Da mag man dem Lead-Instrument und seinen beschwingten Tönen ebenso gern lauschen wie den geschmeidigen, filigranen und transparenten Streichern. Da ist keine Spur von Topfigkeit im Grundton zu spüren und ebenso wenig Harsches in Präsenz oder Hochton. Vielmehr gefällt das Klarinettenkonzert durch akkurat umrissene Töne und schöne Klangfarben. Die Details, die nicht zur Musik gehören, aber in der Aufnahme eingefangen wurden, wie die Klappengeräusche, stören nicht, obwohl sie deutlich zu hören sind. Ein Vergnügen, diesem kurzweiligen Werk von Wolfgang Amadeus Mozart zu lauschen. Gehen wir zur deutlich komplexeren Musik von Jaques Offenbach, dem flirrenden und spektakulären Gaité Parisienne. Beschwingt und mitreißend geht's zur Sache. Fein aufgelöst die Glöckchen nach den ersten Takten – wunderbar. Die Boston Pops mit Arthur Fiedler laden frohgemut zu etwas höherem Wiedergabepegel ein. Beim „Tempo di marcia“ ertönt die große Trommel mit Wucht, bleibt sauber konturiert und schmiert ihre Mitinstrumentalisten nicht zu – Klasse! Auch wenn ich diese tolle Musik von meinen beiden aufwändigeren Anlagen noch etwas geschmeidiger und in die räumliche Tiefe gestaffelt kenne, bleibt eigentlich kein Grund zu meckern. Denn was die KLH Model Four auch hier zeigt, ist, dass sie das Allerwichtigste der Musik perfekt beherrscht, nämlich den Zuhörer emotional zu berühren und ihn genussvoll dabei sein zu lassen. Diese Leichtigkeit und direkte emotionale Ansprach kann selbst mein großes Triangle-Setup so nicht bieten. Dafür erfreut sie allerdings mit noch mehr Klangfarben Nuancen und Plastizität – allerdings für den 25-fachen Preis. Das gibt mir zu denken. Den KLH Entwicklern kann ich zu diesem meisterhaft konzipierten Model Four nur gratulieren. Und glauben Sie mir bitte: Ich habe mich mit vielen weiteren Musikstücken bemüht, ein Haar in der Suppe zu finden. Es ist mir nicht gelungen. Auch nicht bei einem weiteren schönen Stück von Jaques Offenbach mit dem Gesang von von Regula Mühlemann bei „Die Rheinnixen“ aus ihrem Album Fairy Tales (Qobuz 96/24). Wunderschön, auch wenn wieder die von anderen Anlagen gewohnte räumliche Tiefenstaffelung weniger ausgeprägt ist. Aber dies ist nicht das gesuchte Haar. Denn nach meiner Auffassung ist räumliche Tiefenstaffelung im Hörraum gefühlt wunderbar schön und angenehm und steigert auch die Transparenz des musikalischen Geschehens und damit das Hörvergnügen. Aber erstens hat die KLH Model Four dies kaum nötig, da sie auch so transparent und nuancenreich abbildet. Und zweitens entspricht die audiophile Sehnsucht nach Räumlichkeit oftmals nicht der Realität. Das kann jeder ganz leicht überprüfen, wenn er in einem Konzert mit natürlichen Instrumenten einmal die Augen schließt. Da empfinde ich stets eine ergreifende Direktheit und Körperlichkeit der Instrumente, mit deren Staffelung in die Tiefe des Raumes ist es aber nicht so weit her. Also liegt die KLH Model Four auch hier ziemlich richtig.

Obwohl ich bis hierher zwar mit unterschiedichen Quellen wie Streaming und CD gehört habe, spielte stets der Pier Audio Hybridverstärker mit den QED Genesis Silver Spiral LS-Kabeln. Letztere bleiben, aber der Soulnote A2 soll mal zeigen, ob er gegenüber dem Pier Audio noch zulegen kann. Nehmen wir nochmals das Gaité Parisienne. Gut, der Soulnote steigert die Feinzeichnung, aber davon hat die KLH Model Four auch mit dem halb so kostspieligen Pier Audio MS-880SE ausreichend zu bieten. Da bringt es mehr, ein HMS Armonia Carbon LS-Kabel mit dem Pier Audio zu kombinieren, weil dies den Bass etwas strafft und damit der Feinzeichnung gut tut und zudem eine liebliche Geschmeidigkeit hinzufügt. Denn unsensibel hinsichtlich ihrer Spielpartner ist die Model Four nicht, was eine weitere gute Eigenschaft ist.