NAD M22 und C 275 BEE

30.05.2016 // Wolfgang Kemper

Zwei Endstufen desselben Herstellers miteinander zu vergleichen, ist eine spannende Angelegenheit. Wenn es sich, wie hier, um zwei gänzlich verschiedene technische Konzepte handelt, stellt sich die Frage nach ihrer musikalischen Verwandtschaft. Für die moderne NAD Masters M22 zeichnet derselbe Entwickler verantwortlich wie für das klassische Konzept der C 275 BEE.

NAD ist nicht mehr, was es einmal war? Das könnte man meinen, wenn man die unterschiedliche Optik und auch die Preisschilder der beiden Kandidaten betrachtet. Spätestens mit der aktuellen Auflage der Masters Serie scheint das frühere Firmen-Image der Vergangenheit anzugehören, das einstmals lautete: hervorragender Klang, verpackt im schlichten, funktionalen Gehäuse, zum günstigen Preis. Doch dem ist nicht so. NAD bleibt seinem Moto treu und geht vielmehr parallel verschiedene Pfade. Der berühmte NAD 3020 Vollverstärker begründete den guten Ruf der Engländer in den späten 70er Jahren weltweit und wurde zum meist verkauften Vollverstärker aller Zeiten. Sein Entwickler war Bjørn Erik Edvardsen, der technische Kopf des Unternehmens, das 1972 von Dr. Martin Borish ins Leben gerufen wurde und anfänglich unbescheiden New Acoustic Dimension hieß. Der Anspruch ist bis heute geblieben, auch wenn der Name auf NAD gekürzt wurde. In den ersten Jahren der Firmengeschichte profilierte man sich durch klanglich überaus gelungene Elektronik, speziell Receiver, im Design damaliger Erfolgsmarken wie Sony, Marantz und Pioneer.

Äußerlich unterscheiden sich die beiden Test-Kandidaten deutlich. Während die C 275 BEE im soliden, klassischen NAD Outfit daher kommt, beeindruckt die M22 durch hochwertiges Finish und modernes Design
Äußerlich unterscheiden sich die beiden Test-Kandidaten deutlich. Während die C 275 BEE im soliden, klassischen NAD Outfit daher kommt, beeindruckt die M22 durch hochwertiges Finish und modernes Design

Das Konzept war seinerzeit ziemlich clever: NAD war einer der allerersten Firmen, die in fernöstlichen Billiglohn-Ländern produzieren ließen. Entwickelt, verwaltetet und gelenkt wurde im Adastra House in der Nether Street im Londoner Stadtteil Barnet. Vornehmlich in Taiwan fand man Partner, die die Fertigung übernahmen. Diese wurde wiederum von Ingenieuren oder Technikern der Londoner überwacht. Damals war die Fertigungsqualität in der östlichen Welt noch nicht auf dem heutigen Niveau, aber aus Begeisterung über das hervorragende Klang-Preis-Verhältnis blieb der Handel der Marke dennoch treu. NAD erreichte, vornehmlich durch den 3020 und die anderen Geräte der Classic-Baureihe nach wenigen Jahren Kultstatus. NAD Mastermind Bjørn Erik Edvardsen zeichnete für viele technische Besonderheiten verantwortlich. Dazu gehören die Soft-Clipping-Schaltung in den Endstufen und Vollverstärkern, die mögliche Verzerrungen im Grenzbereich der Ausgangsleistung abmildert. Auch ein Netzteil, das in Relation zur Sinus-Ausgangsleistung eine enorm hohe dynamische Leistung ermöglicht, ist heute noch hoch aktuell, stammt aber bereits aus den frühen Achtzigern und wurde seinerzeit in der Typenbezeichnung mit PE signifikant, was für Power Envelope stand. Dies steht für eine große Leistungshülle oder, verständlicher formuliert, eine üppige dynamische Impulsleistung. Diese NAD-Technologie nennt sich in der aktuellen, weiterentwickelten Form PowerDrive™.

Von der Optik und auch der Modellbezeichnung C 275 BEE darf man ableiten, dass diese Endstufe dem traditionellen Classic-Konzept folgt; und Sie, liebe Leser dürfen, auch nur einmal raten, wofür die drei Lettern BEE stehen. Genau: Bjørn Erik Edvardsen. Im Unternehmen ist Greg Stidsen bei der Entwicklung modernen Technologien mitverantwortlich. Bereits das NAD-Denkmal, der Vollverstärker 3020, wurde vor wenigen Jahren ins digitale Zeitalter transformiert und heißt heute D 3020. Meines Kollege Matthias Jung berichtete über den Traditions-Verstärker im modernen Kleid der D-Linie.

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