tests/19-12-02_trenner
 

Trenner & Friedl Sun

02.12.2019 // Finn Corvin Gallowsky

Die Cardas-Terminals sind optimiert für die Verwendung von Kabelschuhen
Die Cardas-Terminals sind optimiert für die Verwendung von Kabelschuhen

Nach der Maxime der Wohnraumfreundlichkeit gestalte ich die Aufstellung zum Erstkontakt mit den Sun. Ich denke nicht allzu viel über Wandabstände nach und wähle eine Aufstellung bei einer Basisbreite von zwei Metern. Bei testweise gewählten 1,5 Metern erreichen die Sun nicht ganz die Offenheit und Plastizität, die sie bei größeren Abständen entfalten, so erweist sich der gewählte Abstand von zwei Metern als nahezu ideal. Größere Abstände sind zwar denkbar, jedoch aufgrund des steigenden idealen Hörabstands und damit der benötigten Grundlautstärke nicht unbedingt sinnvoll. Schließlich halbiert sich der am Abhörpunkt eintreffende Schalldruck mit der Verdopplung des Hörabstandes. Man darf nicht vergessen, dass man es mit nur zwölf Zentimetern messenden Treibern zu tun hat. Bei Koaxiallautsprechern gibt es bezüglich der Hochtönerpositionierung glücklicherweise keine Missverständnisse: befinden sie sich auf Ohrhöhe, ist die Phasenrichtigkeit der Wiedergabe gewährleistet. Diese Bedingung versuche ich, so gut es geht, zu erfüllen und lausche ersten Tönen.

In wenigen Sekunden entscheidet sich für mich sofort, ob ich einen Lautsprecher mag oder nicht. Ganz egal, ob auf Messen, in Hifi-Studios oder in den heimischen vier Wänden, der erste unvermittelte Eindruck zählt. Während bei ersteren weder der Einfluss des Raumes noch der genutzten Elektronik bewertet werden kann, kenne ich die Eigenheiten meiner Komponenten und meines Raumes genau. Der für mich entscheidendste Faktor für einen positiven Erstkontakt mit einem Lautsprecher ist sein Frequenzverlauf. Entspricht dieser nicht meinem Geschmack, hat ein Lautsprecher es schwer, mich mit anderen Qualitäten zu überzeugen. Klar, Geschmäcker und somit auch Lautsprecherabstimmungen sind verschieden, aber im Allgemeinen sollte Einigkeit darüber herrschen, dass ein Lautsprecher das musikalische Geschehen möglichst unverfälscht wiedergeben sollte. Letztendlich lässt sich dennoch die Geschmacksfrage und auch die Beschaffenheit des eigenen Gehörs aus dieser Gleichung nicht streichen, was dem einen zu kalt oder analytisch klingt, ist für den anderen gerade erst der Anfang von echtem Klang. Meinem Gehör jedenfalls gefällt die Abstimmung der Sun ganz ausgezeichnet. Sie ist sehr linear und besitzt keinerlei auffällige Peaks. Keine vorgetäuschte Wärme von Stimmen im Mittenbereich, auch werden Sibilanten weder geschönt noch künstlich verstärkt. Der Hochton ist ausreichend präsent und bietet genügend Spielraum, sowohl schärfere als auch gutmütigere Hochtonanteile von Aufnahmen authentisch wiederzugeben. Der Bassbereich ist bauartbedingt natürlich nicht so einnehmend wie bei Standlautsprechern und rollt deutlich ab, das dürfte keine Überraschung sein. Dass ihm dies zugestanden wird, ohne durch eine Anhebung im oberen Bassbereich mehr Fülle vorzuspielen, ist für eine Schöpfung von Trenner&Friedl zwar auch keine Überraschung, aber umso angenehmer. So viel zur vollkommen emotionslosen Beurteilung des Frequenzverlaufs, die der Sun in dieser Weise eigentlich nicht gerecht wird. Anderseits passt eine nüchterne Beschreibung auch wieder ganz gut, denn der Sun ist kein effekthascherisch agierender Lautsprecher und gibt tatsächlich relativ emotionslos wieder, was ihm zugespielt wird. Für die Emotionen ist schließlich die Musik zuständig. Ihr überlässt der Sun selbstlos die Bühne und tritt in den Hintergrund, in vielerlei Hinsicht, ja sogar wortwörtlich. Diese Eigenschaft ist eine der größten Stärken des kleinen Lautsprechers, er spielt absolut verfärbungsfrei und lässt die Aufnahme entscheiden, wie es klingen soll. Warm und einnehmend oder doch eher kühl und leicht distanziert. Er huldigt nicht nur der Künstlerschaft des jeweiligen Musikers, sondern der des Produzenten gleichermaßen. Im Grunde genommen bleibt er dabei der heimliche Star, ob wohl hierher sein Name rührt? Ein anfänglich anerkennendes Kopfnicken erwächst sehr bald zu einem körperlichen Bedürfnis, Musik mit der Doppelsonne zu hören.

Die Frequenzweiche punktet mit ausgewählten, hochwertigen Bauteilen von Mundorf
Die Frequenzweiche punktet mit ausgewählten, hochwertigen Bauteilen von Mundorf

Nachdem der Frequenzverlauf den Grundstein für höchsten Musikgenuss legt, fällt eine weitere Eigenschaft auf: Man hört die Sun kaum. Lautsprecher, bei denen sich der Klang derart leicht und ungehindert von der Schallwand löst, habe ich selten gehört. Klangereignisse sind zwar unglaublich klar zu lokalisieren, selbst wenn sie hart auf einen der beiden Lautsprecher gepannt sind, scheinen sie dennoch nicht vom Lautsprecher auszugehen, sondern frei im Raum zu entstehen. Allgemein ist die Räumlichkeit und Plastizität der Wiedergabe auf einem Niveau, wie ich es nur selten erlebt habe. In der Konfiguration mit einer größeren Entfernung zwischen den Lautsprechern ist dieser Effekt besonders stark, wenn die beiden Schallwandler nicht auf die Hörposition eigedreht sind, sondern einfach parallel zueinander nach vorne abstrahlen. Hierbei ist auch die virtuelle Bühnentiefe am stärksten wahrnehmbar. Drehe ich die Lautsprecher auf meine Hörposition ein, gewinne ich etwas an Definition einzelner Instrumente, verliere jedoch die enorme Luft- und Leichtigkeit der Wiedergabe bei nicht eingedrehten Lautsprechern.

Die letzten Lautsprecher von Trenner&Friedl, die ich vor der Sun gehört habe, waren die Art auf der hifideluxe. Zum Hörgenuss stand eine kleine Sammlung erlesener symphonischer Werke zur Verfügung. Sogar bei kleiner Lautstärke vermochte die Art mich einzunehmen und mit Wohlklang zu umhüllen. Dabei brachte sie eine ganz eigene Ruhe mit sich. So verhält es sich auch bei der Sun. Markerschütternde Trommeln oder tiefste Kontrabässe auf Originallautstärke wiederzugeben, ist nicht ihre Stärke, soll es aber auch gar nicht sein. Das soll nicht heißen, dass die Sun vor dynamischen Musikstücken zurückschrecken. Ganz im Gegenteil, für einen Lautsprecher dieser Größe ist ihre Fähigkeit zur Grobdynamik mehr als beachtlich. Die Sun darf sich mit ihren zugehörigen Planeten in der Komposition von Gustav Holst schmücken. Die Einspielung der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon, 1981, DDD, gibt den beiden kleinen Koaxiallautsprechern mit ihren abrupten Dynamiksprüngen zwar mächtig zu tun, aber ernsthaft in Bedrängnis bringt sie diese noch nicht. Im tiefsten Frequenzkeller ist trotz des für ihre Größe beachtlichen Tiefgangs nicht viel los, im Grundtonbereich ist die Sun allerdings voll da. So schafft sie es, wie bereits erwähnt, zwar nicht, große Trommeln, Pauken und Kontrabässe derart druckvoll wiederzugeben wie Lautsprecher größeren Kalibers, jedoch ist die Durchzeichnung und Präsenz der selbigen kaum eingeschränkt. Der Grundtonbereich, gepaart mit den linearen Mitten und dem ausgewogenen Hochton, arbeiten das Timbre aller Instrumente auf fantastisch ergreifende Art und Weise heraus. Die Lautpsrecher unterstreichen das energisch pulsierende Schlagwerk und die ebenfalls sehr perkussiv spielenden Streicher zu Beginn des „Mars“ eindrücklich. Die Wiedergabe ist trotz der geringen Treibergröße mitreißender als die vieler anderer Lautsprecher. Ein besonders interessantes Phänomen ereilt mich: Jeder kennt dieses ungemein befriedigende Gefühl, die Anlage mal so richtig aufzudrehen und losstürmen zu lassen. In diesem Fall gestaltet sich mein Verlangen nach dergleichen in umgekehrter Ausprägung. Während größere Lautsprecher erst richtig dynamisch und agil klingen, wenn man kräftig aufdreht, entfaltet mit den Sun jeder einzelne Ton schon bei geringer Lautstärke eine schwer zu beschreibende Schönheit. Logisch, ein großer Treiber will auch erst mal bewegt werden. Der kleine Koaxtreiber der Sun hingegen ist schnell in Schwingung versetzt und benötigt keine hohen Lautstärken, um sein Optimum zu erreichen. Der Sun beschert mir eine wunderbar aufgefächerte Klangkulisse, die auch aus leisesten Pianissimo-Passagen jedes Detail ans Tageslicht befördert. Detailverliebtheit, beseelt von schnell agierenden Treibern, so lässt sich das Gehörte am ehesten beschreiben. Dabei spielt das Orchester derart räumlich und klar gestaffelt, dass viele ausgewachsene Standlautsprecher vor Neid erblassen würden.


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