tests/20-06-05_gryphon
 

The Gryphon Audio Designs Ethos

05.06.2020 // Wojciech Pacula (Text und Foto)

Nein, ich übertreibe nicht, ein Gerät dieses Kalibers konnte es vor zehn Jahren noch nicht geben. Zusammen mit dem Ayon CD-35, mit dCS-Playern wie dem Vivaldi One und mit dem Top-Player von Ancient Audio gehört es zum Club der digitalen Abspielgeräte, die so geschmeidig, so perfekt kohärent klingen, dass es schade ist, dass wir so viele Jahre auf sie warten mussten. Und wir warteten in erster Linie auf eine schöne Kombination von Farben, mit starker Sättigung und Differenzierung. Auf die Auflösung, in der Platz für Informationen ist, nicht für Details, sowie auf die Glaubwürdigkeit der Darstellung, also auf etwas Subkutanes, das schwer zu analysieren ist und die Grundlage für ein gutes Hörerlebnis bildet. Ohne diese Elemente ist die musikalische Darstellung fehlerhaft, nicht vollständig.

b_850_0_16777215_10_images_content_tests_20-06-05_gryphon_3Y8A1642.jpg

Der Ethos spielt mit einem leicht warmen, vollen Klang. Ich hatte nicht erwartet, dass ich es eines Tages sagen würde, aber es ist geschehen, und ich muss es anerkennen: Dieser Gryphon klingt wärmer und voller als mein Referenzspieler, der bereits erwähnte Ayon. Er ist nicht schwärzer, kein digitales Gerät hat das je geschafft, das können nur analoge Tonbandgeräte, und darum geht es ohnehin nicht. Aber er hat eine weichere Intonation, einen wärmeren unteren Mitteltonbereich und ordnet die Informationen im Raum anders an, weshalb sie auf die eine und die andere Weise wahrgenommen wird. Der Ethos klingt – lassen Sie mich dieses Klischee verwenden – wie ein klassischer High-End-Plattenspieler.

Seine Farben sind satt und voll. Daher ist die Präsentation des Gesangs spektakulär. Ich begann mit „Wee Small Hours“ von Frank Sinatras 1955 veröffentlichtem Album das auf zwei 10-Zoll-, einer 12-Zoll- und vier 7-Zoll-EPs mit jeweils vier Liedern erschien. Es wurde in einer für das Capitol Studio A typischen Weise aufgenommen. Das heißt mit sieben RCA-44-Mikrofonen in unmittelbarer Nähe der Instrumente und mit dem Neumann U-47-Mikrofon für Sinatra, der in einer gedämpften Kabine gegenüber der Band stand. Das Signal aller Mikrofone wurde live auf ein monophones Band gemischt.

Sinatras Stimme auf diesem Album klingt fantastisch: warm, groß, voll. Und die Band, die ihn begleitet, ist gut genug, um nicht zu dünn zu klingen. Der Gryphon gab dieses Album brillant wieder, er zeigte alles, wovon ich spreche, und formte den Höhenbereich fantastisch aus. Diese Aufnahme in der Version der 21 Discs umfassenden Ausgabe von The Capitol Years klingt phantastisch, weil die Höhen nicht betont werden und der Gesang kräftig, ja zum Greifen nahe ist. Trotzdem scheint bei anderen Playern das von Sinatra deutlich gesungene "t" meist lauter zu sein. Nicht hier, nicht bei Gryphon. Und das ist keine triviale Angelegenheit, besonders, wenn es um Alben geht, denen es nicht an Höhen mangelt, ja wo diese sogar — wie etwas in George Michaels Patience - bewusst betont werden. Der Ethos spielte Patience phantastisch, unterstützte Harmonie und Fülle, ohne zu vernachlässigen, dass das Becken mit der Akustikgitarre und der hohe Hall bei der Stimme dem Ganzen Charakter verleihen.

b_850_0_16777215_10_images_content_tests_20-06-05_gryphon_3Y8A1623.jpg


  • Canor Foundation Line Virtus I4S und Verto D4S

    Die neue Vollverstärker und Digital/Analog-Wandler der Canor Foundation Line erfreuen nicht allein wegen ihrer eleganten Optik, sondern auch dank ihrer Preise. Die kostspieligeren Komponenten aus dem Hause Canor verwöhnten stets mit beeindruckender Musikalität und waren daran gemessen preiswert. Profitiert die Foundation Line von deren Genen? Auf der Canor Website findet man in der Beschreibung des Virtus-I4S-Vollverstärkers gleich als Überschrift den Hinweis, dass mit „modernsten, teilweise aus der Referenzserie adaptierten Technologien und Konzepten für ein überzeugendes…
    16.06.2026
  • Spendor A1.2

    Spendor hat seinen Klassiker A1 verfeinert. Der wichtigste technische Unterschied ist eine zusätzliche Verstrebung, die jetzt direkt hinter dem Tiefmitteltöner sitzt und über eine Sorbothane-Dämpfung mechanisch gekoppelt ist. Dadurch sollen störende Resonanzen reduziert werden. Wir haben uns die Evolutionsstufe A1.2 angehört. Einleitend möchte ich kurz auf meine persönliche Perspektive zu diesem Lautsprecher eingehen. Denn was um Himmels Willen interessiert einen Hochwirkungsgrad-Junkie eine kleine Regalbox mit bescheidenem Wirkungsgrad? Tatsächlich habe ich mir diesen Lautsprecher selbst für…
    02.06.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    The first, rather lengthy article about Wilson Benesch' Prime Meridian system dealt solely with the turntable unit, consisting of the OMEGA Drive, ALPHA Drive, the FrACTal damping system in which the motor and tonearm are mounted, and the R1 Rack. Now, in addition to introducing the tonearm and cartridge, we finally turn to the sound of the turntable. The fact that the Prime Meridian system's turntable is driven by a motor with one and a…
    29.05.2026
  • Galion Audio TS34

    Der kanadische Hersteller Galion Audio hat seinen KT88-bewehrten Vollverstärker TS120 SE als Basis für die Entwicklung eines günstigeren Modells mit EL34-Röhren genommen, den TS34. Ein interessantes Feature ist die Möglichkeit, zwischen Class A und Class AB umzuschalten, was ihn von vielen anderen EL34-Designs unterscheidet. Mir war Galion Audio bis zum Test des Röhrenvorverstärkes „Navy“ im Herbst des letzten Jahres noch nicht bekannt. Das junge Unternehmen aus Québec in Kanada wurde von Thomas Tan gegründet, der…
    26.05.2026
  • XACT N1 Switch

    Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Test zustande kommt. Nicht immer ist ein Testgerät auf Hersteller- oder Vertriebsseite für Hifistatement verfügbar und dann müssen bei uns auch noch die entsprechenden Testkapazitäten vorhanden sein. Doch nun hat endlich alles geklappt und ich kann Ihnen den XACT N1-LAN-Switch vorstellen. XACT ist die jüngste Marke von Marcin Ostapowicz, der seit 2010 in der High-End-Audio-Branche tätig ist und sich von Anfang an auf die Streaming-orientierte digitale Audiowiedergabe spezialisiert…
    22.05.2026
  • Aavik I-288

    Im dänischen Aalborg befindet sich eine Hifi-Schmiede der Extraklasse. Hier produzieren Michael Børresen und sein Team Produkte, die nicht nur elegant aussehen, sondern auch mit außergewöhnlichen technischen Features ausgestattet sind – wie der Vollverstärker Aavik I-288, den uns die Audio Group Denmark zum Test geschickt hat. Wenn man sich in der Hifi-Welt umsieht, könnte man meinen, dass die Audio Group Denmark zu den jüngeren Unternehmen in der Szene gehört. Doch man sollte sich nicht täuschen…
    19.05.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.