tests/21-01-01_odeon
 

Odeon Rigoletto 2020

02.01.2021 // Carsten Bussler

Hätten Sie zu einem Hersteller so viel Vertrauen, dass Sie sich von ihm eine Komponente ohne vorherigen Hörtest bestellen würden? Einen Lautsprecher zum Beispiel, den es noch nicht einmal gibt, weil er noch nicht fertig entwickelt ist und von dem der Preis noch nicht feststeht? Natürlich nicht! Ich schon: die Odeon Rigoletto 2020.

Eins muss ich vorab gleich klarstellen: Dies ist kein klassischer Test, sondern eine Geschichte. Und zwar meine persönliche Geschichte darüber, wie nach weit über einem Jahrzehnt endlich einmal wieder ein professioneller Lautsprecher in mein Heim einziehen durfte. Und das auf Dauer. Meine Liaison mit der Odeon Rigoletto 2020 besteht nun schon seit über einem halben Jahr und unsere Beziehung wird immer fester. Meine Schreinerwerkzeuge liegen seit Monaten ungenutzt herum – jedenfalls verwende ich sie derzeit nicht mehr zum Fertigen eigener Lautsprechergehäuse –, was nicht unbedingt zum Missfallen meiner besseren Hälfte ist… Doch ich greife vor, der Reihe nach!

Für HiFi-Bastler, die immer wieder Löcher in Holzbretter sägen, diese zusammenleimen, Watte reinstopfen, Chassis reinschrauben, Strippen hindurchziehen und vielleicht sogar noch ein paar elektrische Bauteile zusammenbrutzeln, für die gibt es eine schöne umgangssprachliche Bezeichnung: „Frickler“. Der gemeine Frickler verbringt in der Regel viel mehr Zeit mit dem Basteln als mit dem Musikhören an sich. Quasi wie ein Kreuzritter ist er auf der Suche nach dem Heiligen klanglichen Gral und glaubt in seiner grenzenlosen Naivität tatsächlich, diesen auch finden zu können. Genauso einer war ich bis vor kurzem, und zwar ungefähr zweieinhalb Jahrzehnte lang. Denn wenn du einmal zum Kleinleistungs-Junkie geworden und auf Trioden-Droge bist, dann gibt es kein Zurück mehr und du hast ein grundsätzliches Problem: den geeigneten Lautsprecher für deine leistungsarmen Verstärkerchen zu finden. Der Markt war und ist in Bezug auf Single Ended Trioden affine Lautsprecher eher überschaubar und du selbst kannst es ja sowieso viel besser, also hackst du immer wieder die Thiele-Small-Parameter aller potentiell geeigneten Chassis in eine Berechnungssoftware wie zum Beispiel AJ-Horn, interpretierst die Ergebnisse und baust munter Hörner, Transmissionlines oder andere, eher exotische Gehäuse wie zum Beispiel Open-Baffle-Wände. Auf diese Weise produzierst du natürlich ganz nebenbei viel Kaminholz, aber das sei nur mal so am Rande erwähnt. Und irgendwann dünkt dir: Das alles ist ein von Vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, den Heiligen Lautsprecher-Gral, die klangliche Perfektion für eine Handvoll Triodenwatt, die wirst du nicht finden. Niemals. Da gibt es halt einfach einige Profis, die können das eben doch besser als du.

Schlanke Säule: Die 107 Zentimeter hohe Odeon Rigoletto 2020 integriert sich nahtlos in jede Wohnumgebung
Schlanke Säule: Die 107 Zentimeter hohe Odeon Rigoletto 2020 integriert sich nahtlos in jede Wohnumgebung

Etwas ernüchtert ob der neu gewonnenen Ehrlichkeit mir selbst gegenüber, letztlich resultierend aus dem Missverhältnis zwischen meiner zu hohen Erwartungshaltung in Bezug auf das klangliche Endergebnis einerseits und meiner wahrscheinlich limitierten Kompetenz in Sachen High-End-Lautsprecherbau andererseits, sondierte ich also den professionellen Lautsprechermarkt vor mittlerweile ziemlich genau einem Jahr mal wieder etwas intensiver. Ich machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Spielpartner für meine Single Ended Trioden mit ihren mickrigen Ausgangsleistungen in der Spanne irgendwo zwischen einskommairgendwas und vier Watt. Häufig landete ich bei den mir bekannten Herstellern, hörte mich aber auch bei Redaktionskollegen nach vielversprechenden Newcomern um. So richtig konnte mich jedoch nichts begeistern, was aber durchaus an der relativ konkreten Konzeption lag, die mir grundsätzlich als Ideal für meine Kleinleistungstrioden vorschwebte: ein wirkungsgradstarkes Zweiwegsystem bestehend aus einem Hochtonhorn und einem Backloaded-Tiefmitteltonhorn. Bitteschön mit acht Ohm Nennimpedanz, einem maximal acht Zoll großen, hart aufgehängten Tiefmitteltöner aus Papier, möglichst einfacher Frequenzweiche ohne Korrekturglieder und ohne fiese Sauereien im Phasen- beziehungsweise Impedanzverlauf. Ach ja, ein Wirkungsgrad von nicht unbedingt weniger als 94 Dezibel pro Watt und Meter ist natürlich obligatorisch. Habe ich einfach nicht gefunden. Womöglich doch zu speziell?


  • Oladra Presence

    Die Server und Streamer von Antipodes Audio sind kostspielig. Das ist nicht neu. Sie bieten für's Geld eine hervorragende Klangqualität. Das begann seinerzeit für mich mit dem EX, ging über die S-Serie zum K50 und schließlich sogar bis zum Oladra G4. Jetzt steht der brandneue Oladra Presence bei mir zum Test. Der Oladra Presence kostet enorme 58.000 Euro. Das ist für mich eigentlich Grund genug, mich nicht mit ihm zu befassen. Aber mein Interesse und…
    11.08.2026
  • MSB Technology Cascade DAC – aktuelle Version

    Die Bilder könnten zwar den Anschein erwecken, aber ich recycele hier nicht den Cascade-Test von vor zwei Jahren – auch wenn das bei den Temperaturen im Hörraum ein verlockender Gedanke wäre. Der aktuelle MSB-Wandler unterscheidet sich rein äußerlich nicht von dem, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe, in Sachen Technik und Klang aber sehr wohl. Ich habe Jürgen Sachweh, den Inhaber des deutschen MSB-Vertriebs gefragt, was mein damaliges Testmodell von der neuen Version unterscheidet, und…
    04.08.2026
  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026
  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026
  • Matrix Audio mini-i Pro 4

    “Die Matrix ist allgegenwärtig, sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer.” Lange habe ich darauf gewartet, einen Testbericht mit einem passenden Filmzitat zu eröffnen. Ähnlich lange habe ich mich auf den Test eines Produkts aus dem Hause Matrix Audio gefreut. Mit dem mini-i Pro 4 ist es endlich so weit. Der Name Matrix Audio beruft sich eigentlich auf das gleichnamige mathematische Konzept, aber bei der Namensverwandtschaft zu dem stilprägenden Film kam ich…
    21.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 SSE – das Interview

    Während meines letzten Besuchs der Audio Group Denmark in Aalborg hatte ich am Tag nach der Präsentation der Børresen M8 und der Aavik M-880 Gelegenheit, mit dem Entwickler der T5 SSE über sein Produkt zu sprechen. Wenn Sie im ersten Teil technische Details vermisst haben sollten: Hier finden Sie sie in Hülle und Fülle. Dirk Sommer: Nun zu etwas ganz anderem, den T5. Was ist anders im Vergleich zum 05? Ich muss zugeben, dass ich…
    17.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.