tests/21-04-27_charisma
 

Charisma Audio Signature One

27.04.2021 // Dirk Sommer

Nach etwa 15 Stunden Jazz und ein wenig Klassik lande ich dann erst beim Blues: Wirklich empfehlenswert sowohl aus musikalischer und als auch klanglicher Sicht sind Etta James und Eddie „Cleanhead“ Vinsons Blues In The Night und The Late Show, Mitschnitte von zwei Konzerten im Mai 1986. Mr. Cleanhead überlässt die meisten Gesangsparts Etta James, und die ist unüberhörbar bestens aufgelegt. Zum transparenten, groovenden Sound tragen auch der Musikalische Direktor Red Holloway an diversen Saxophonen und „Brother“ Jack McDuff an der Hammond ihren Teil bei: eine Bereicherung jeder Plattensammlung. Gut, dass ich diese hervorragend aufgenommenen Scheiben gehört hatte, bevor ich in die Rock-Ecke wechselte: Dort blieb ich bei Frumpys Live hängen. Auf den Labeln der Doppel-LP konnte ich noch Reste des unsäglichen Disco-Films – für die jüngeren unter Ihnen: eine weiche Masse, die man auf die Platte aufträgt und nach kurzer Trocknungszeit samt den Schmutzpartikeln wieder vollständig von der Platte abzieht, wenn man Glück hat – entdecken. Die Oberflächen der in meiner Jugend wieder und immer wieder gehörten Scheiben sahen auch aus wie neu, der Sound mit wenig Bässen und verhangenem Hochtonbereich wirkte eher abschreckend. Selbst Inga Rumpfs ausdrucksstarke Stimme war aufgrund der Übersteuerung nur schwer wieder zu erkennten. Ein wenig spitz und blutleer kamen auch die BBC-Sessions von Led Zeppelin rüber. Das Vierfach-Album kann man nur hartgesottenen Fans empfehlen. Der eher enttäuschende Klang der genannten Rock-LPs zeigt aber nur, wie ehrlich das Charisma Signatur One reproduziert, was ihm in der Rille geboten wird. Die Blues-Scheiben und dann später die vier LPs von Pink Floyds Album Pulse beweisen, welche Fülle an Klangfarben, welche Spielfreude und welch lebendige Dynamik das Charisma reproduzieren kann.

Auf dem Rubin-Nadelträger sitzt ein Diamant mit Super-Fine-Line-Contact-Schliff
Auf dem Rubin-Nadelträger sitzt ein Diamant mit Super-Fine-Line-Contact-Schliff

Nach fast vollendeter Einspielzeit – Charisma Audio gibt 50 Stunden an – gönnen meine Gattin und ich uns zur Entspannung Zakirs Hussains Making Music. Die Scheibe hatte ich beim Einspielen des Strain Gauge wieder entdeckt und nicht nur klanglich erneut schätzen gelernt. Der indische Perkussionist, sein Landsmann Haripradsad Chaurasia an der Bansuri-Flöte, Jan Garbarek mit Alt- und Tenorsaxophon und John McLaughlin mit seiner akustischen Gitarre machen Weltmusik im besten Sinne des Wortes: spannend, voller Überraschungen und doch kein bisschen sperrig. Jan Erik Kongshaug hat die recht ungewöhnliche Kombination von Instrumenten in seinem Studio mit all ihren Klangfarben und Impulsen vorzüglich aufgezeichnet und sie in einem realistisch anmutenden, doch wohl am Mischpult konstruierten Raum platziert. Obwohl weder feinste Anblasgeräusche noch solche von den Fingern auf dem Griffbrett der Gitarre unterschlagen werden, steht die Fülle der Details dem musikalischen Fluss nie im Weg. Das Signature One macht die Scheiben zu einem ebenso beeindrucken Ergebnis wie das mehrfach teurere Strain Gauge zuvor – auch wenn es tonal einen Hauch heller timbriert ist.

Bevor ich ein wenig mit den Abschlusswiderständen experimentiere, höre ich noch die erste Seite von Jonas Hellborgs Elegant Punk: „Drone“ verwöhnt mit einem Bad in mächtigen Tieftonwellen, „Little Wing“ fasziniert mit Details und feinem Hall, das selten gehörte „Glad To Be Back From Paris“ lässt einige Unsauberkeiten in Hellborgs Spiel erkennen und auch, dass seine Verstärkeranlage von den Impulsen arg strapaziert wird. In „Rosa“ geht’s dann etwas entspannter zur Sache, und das wilde „It's The Pits, Slight Return“ macht klar, dass das Signature One sich auch durch eine rasend schnelle Abfolge heftiger Impulse nicht aus dem Tritt bringen lässt. Es bleibt völlig souverän und verleiht dem brodelnden Tieftönen Struktur: großartig!

Laut Faustformel soll der Eingangswiderstand einer Phonostufe um dem Faktor zehn bis 20 größer sein als der Gleichstromwiderstand der Tonabnehmer-Spulen. Der beträgt laut Datenblatt beim Signature One 12 Ohm. So sollte sich der Abschlusswiderstand grob zwischen 120 und 240 Ohm bewegen, auch wenn Charisma Audio hier toleranter ist und eine Spanne zwischen 100 und 1000 Ohm nennt. Eingespielt habe ich das System – wie erwähnt – bei 150 Ohm. Auf dem Plattenteller liegt das Album Standards, Vol. 1 des Keith Jarrett Trios, und die Nadel senkt sich in die Rille vor dem Beginn von „God Bless The Child“. Beim Charisma fühlt man sich sofort wohl: Das Piano befindet sich in einem großen Raum, und der Groove fesselt einen schon bei den ersten Anschlägen und dem Fußstampfen des Pianisten. Die Schläge auf die Snare kommen mit Druck, die BassDrum treibt wohl definiert, die Becken sind präsent, ohne wie bei weniger ausgewogenen Abstastern zu zischeln, und der Bass knarzt, dass es eine Freude ist. Das Signature One macht schon jetzt alles richtig, erreicht in allen Teilbereichen ein extrem hohes Qualitätslevel. Daraus resultiert eine Stimmigkeit, wie man sie nur sehr selten findet.


  • Rega Aos MC

    Rega schließt die Lücke in seinem Portfolio für MC-Phonovorstufen. Die neue Aos positioniert sich zwischen der vergleichsweise einfachen Fono MC und der Referenz-Phonovorstufe Aura MC. Mit von der Aura abgeleiteter Technik und einem Preis von 2000 Euro dürfte sie im interessanten Sweet Spot für die meisten MC-Fans liegen. Schon allein aufgrund ihrer bloßen Abmessungen wickelt mich dieses Gerät sofort um den Finger. Mit der ungefähren Grundfläche eines DIN-A4-Blatts und der schmalen Seite als Front entspricht…
    03.11.2026
  • KLH Audio Model Four

    Endlich steht mal etwas ganz anderes in meinem Hörraum. Der Lautsprecher des traditionsreichen amerikanischen Herstellers KLH entspricht einem Design von vor mehr als 50 Jahren, wie man es auch heutzutage bei Edelmarken wie Harbeth oder Audio Note findet. Bislang hatte ich nicht das Vergnügen, einen solchen Lautsprecher im Hörraum zu erleben. Neben dem Design mit breiter Schallwand und geringer Bautiefe macht der Paarpreis von knapp 2000 Euro die KLH Model Four hochgradig interessant. Auf zum…
    19.10.2026
  • darTZeel Audio CTH-8550 Mk II

    darTZeel ist ein Schweizer Unternehmen, das 2001 in Genf von Hervé Delétraz gegründet wurde. Der Name ist ein Anagramm des Nachnamens Delétraz. Die Arbeit an den ersten Geräten begann bereits 1984 im Rahmen einer Diplomarbeit, und nach 18 Jahren Forschung wurde 2002 der Leistungsverstärker NHB-108 offiziell vorgestellt. Es gibt Marken, auf die man viele Jahre warten muss, aber man wartet trotzdem weiter. So war es für mich bei der Marke darTZeel. Zufällig traf ich ihren…
    13.10.2026
  • IsoAcoustics GAIA Neo I

    Erinnern Sie sich noch? Es ist bereits eine ganze Weile her, da haben Hifi-Fans ihre Lautsprecher auf Tennisbälle gestellt, um einen besseren Klang aus ihnen herauszukitzeln. Oder sie haben abenteuerliche Selfmade-Konstruktionen gebastelt, auf denen die vielleicht nicht ganz highendigen Schallwandler platziert wurden. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat sich in Sachen Lautsprecher-Füße einiges getan. Es gibt eine große Zahl an Herstellern, die Basen, Spikes oder Ständer mit unterschiedlichen Konzepten und Materialien produzieren,…
    09.10.2026
  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.