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RCM The Big Phono

21.05.2021 // Wojciech Pacuła

Musical Fidelity betont auch, dass die Entwicklung diskreter Schaltungen eine Domäne der größten Hersteller der Branche sei, die es sich leisten könnten, Hunderte von Stunden mit der Auswahl der besten Kombinationen von Komponenten zu verbringen. Das setze eben eine ausreichende Umsatzgröße voraus. Aber Hersteller, die über die entsprechende Größe verfügten, könnten fortschrittliche proprietäre Lösungen zu einem viel besseren Preis anbieten als Hersteller, die sich ausschließlich auf den Bau von Geräten auf Basis von Operationsverstärkern konzentrierten. Ich glaube, dass dieser Ansatz in vielen, vielleicht sogar in der Mehrzahl der Fälle gut funktioniert. Aber nicht in allen.

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The Big Phono
Integrierte Schaltungen sind das Herzstück aller RCM-Phonovorverstärker. Ohne sie näher zu kennen, hätte ich das nie gesagt, denn es würde mir schwer fallen, die Art der Verstärkerelemente zu benennen, die in ihnen arbeiten. Vergleicht man etwa den Sensor mit vielen anderen, meist viel teureren Geräten, würde ich sagen, dass er voller und gleichzeitig detailfreudiger klingt als diese. Das Modell Big Phono ist eine logische Weiterentwicklung all dieser Lösungen und arbeitet ebenfalls mit integrierten Schaltungen. Die Entwicklung dauerte vier Jahre, und ich konnte einige Prototypen während der Audio Video Shows sehen und hören. Jakub – oder soll ich sagen: Herr Jacub Cieślińsky – damals noch Student, heute Angestellter von Delfi, war für das Layout und die Programmierung der Logikschaltungen verantwortlich; ich darf daran erinnern, dass der Sensor von Robert Rolof entworfen wurde. Das Gehäuse des Big Phono wird von Thrax Audio hergestellt. Sie fertigen Gehäuse für viele High-End-Hersteller aus Europa und den USA. Die präzise bestückte Leiterplatte wird von Techno-Service zugeliefert. Wojtek Hrabia entwarf das mechanische Design und ist für den größten Teil der äußeren Gestaltung verantwortlich. Die Big Phono ist das Werk eines Kollektivs, aber sein Koordinator und Urheber der meisten Lösungen war Roger Adamek.

The Big Phono ist ein Phono-Vorverstärker, der sowohl MM- als auch MC-Tonabnehmer unterstützt und zwei Cinch-Eingänge und zwei Ausgänge bietet: einen unsymmetrischen Cinch- und einen symmetrischen XLR-Eingang. Jeder Eingang hat eine separat einstellbare Impedanz: Die ausgewählte wird auf einem großen OLED-Display mit bernsteinfarbener Anzeige dargestellt. Es stehen acht Impedanzwerte zur Auswahl, von 20 Ohm bis 47 Kiloohm, und sieben Verstärkungspositionen, von 0,3 bis 5 Millivolt. Die Änderungen können entweder mit den Tasten an der Vorderseite oder mit der programmierbaren Apple-Fernbedienung vorgenommen werden.

Die Entzerungskurve
Sie haben es wahrscheinlich schon bemerkt, aber eines der „heißen“ Features vieler Phonovorverstärker in den letzten Jahren ist die Möglichkeit, die Entzerrungskurve zu ändern. In den 1940er und 1950er Jahren verwendete jede Schallplatten-Marke ihre eigene Kurve. Einer der ersten Hersteller, der diese Funktion anbot, war Zanden mit dem Modell 1200; heute finden wir sie sogar in preiswerten Vorverstärkern. Deshalb habe ich Roger Adamek gefragt, warum RCM keine unterschiedlichen Entzerrungskurven in The Big Phono eingebaut habe: „Man findet keine Information über eine Entzerrung, die für eine bestimmte Veröffentlichung auf LPs verwendet wurde, also weiß man eigentlich nicht, ob es RIAA war oder nicht. Es ist sehr schwierig, solche Informationen zu finden, und der Versuch, das nach Gehör festzustellen, ist wie die Verwendung einer Klangregelung. Außerdem ist die Kurve seit 50 Jahren die gleiche – es ist die RIAA. Warum also bieten andere Firmen unterschiedliche Verstärkungskurven an? Das ist doch nur ein billiger Marketing-Gag ...“


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