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VPI Avenger Direct

11.04.2023 // Dirk Sommer

Um die Aufhängung und die Dämpfungsgummis des lange nicht genutzten Einstein-Tonabnehmers wieder geschmeidig zu machen, spiele ich ein alte, frisch gewaschene Blues-Scheibe: Alexis Korner und Colin Hodgkinsons White & Blue. Natürlich hat es in meiner Kette seit dem letzten Hören so einige Qualitätssteigerungen gegeben, aber so dynamisch und lebendig habe ich die Stimmen, die recht hart angerissenen Saiten und den eher perkussiv angeschlagenen und nie fülligen E-Bass von diesem Live-Mitschnitt nicht in Erinnerung. Deswegen wechsele ich für einen zweiten Durchgang mit „One Scotch, One Bourbon, One Beer“ zu LaGrange, Thales und Lyra: Das Trio verwöhnt zwar mit etwas wärmeren Klangfarben. Transienten, Lautstärkesprünge und die Intensität von Impulsen beeindrucken mich aber beim VPI plus Einstein-Tonabnehmer noch ein wenig stärker. Ob's am Direktantrieb liegt?

Die massiv ausgeführte Höhenverstellung lässt eine sehr exakte Nivellierung zu. Die Entkopplung des Laufwerks von der Stellfläche ist sehr effektiv, wie ein Klopftest gezeigt hat
Die massiv ausgeführte Höhenverstellung lässt eine sehr exakte Nivellierung zu. Die Entkopplung des Laufwerks von der Stellfläche ist sehr effektiv, wie ein Klopftest gezeigt hat

Ein wenig in Nostalgie schwelgend bleibe ich gleich bei Alexis Korner und zwar seinem Album Juvenile Delinquent: Schon beim ersten Song „Beirut“ zieht die ungewöhnlich fette Bass-Drum die Aufmerksamkeit auf sich. Und dafür gibt es einen Grund, wie der Blick auf's Cover deutlich macht. Tony Hicks spielt neben einem „normalen“ Schlagzeug auch ein Simmons Drum Kit, das in den 80-ern populäre elektronische Schlagzeug mit den charakteristischen sechseckigen Drum-Pads. „Mean Fool“ wird von Colin Hodgkinsons diesmal runden und satten E-Bass-Linien vorangetrieben: Die Wiedergabe strotzt nur so vor Drive und Energie. Bei „The Sphinx“ kommen die Drums wieder mit jeder Menge Dampf und für einen guten Teils des Grooves sorgt der fünfstimmig Background-Choir. Aber VPI und Einstein rücken nicht nur den Rhythmus und den Tieftonbereich in den Fokus. Bei der opulenten Studioproduktion aus dem Jahr 1983 wurde nicht an Hall für Stimmen und Instrumente gespart, und das Nach- und langsame Ausklingen ist sehr lange wahrnehmbar. Auch in Sachen Auflösung und Durchzeichnung können Avenger und Einstein völlig überzeugen.

Der Fatboy 12 Gimbal 3D mit seiner geschmeidig laufenden Höhenverstellung kann nach dem Lösen von zwei Schrauben und dem Abziehen des Lemo-Steckers von seiner Basis entfernt werden. So ist ein schneller Armtausch möglich
Der Fatboy 12 Gimbal 3D mit seiner geschmeidig laufenden Höhenverstellung kann nach dem Lösen von zwei Schrauben und dem Abziehen des Lemo-Steckers von seiner Basis entfernt werden. So ist ein schneller Armtausch möglich

Dick Schorys vielköpfiges New Percussion Ensemble wurde mit wenigen Mikrofonen in natürlicher Akustik – in der Orchestra Hall in Chicago – aufgenommen: Das amerikanisch-deutsche Wiedergabe-Duo lässt einen ein wenig näher an die imaginäre Bühne rücken und verwöhnt mit einer sehr exakten, weit in die Tiefe reichenden Staffelung der Musiker. Durch die vermeintliche Nähe gerät die Abbildung ein kleines Stückchen größer als gewohnt. Die Instrumente wirken dadurch sehr konkret und plastisch, was die Raumillusion ungemein glaubhaft macht. Dass der Tiefbass, die Rhythmik und die Dynamik keinerlei Wüsche offenlassen, war ja nach den Erfahrungen mit den beiden Alexis-Korner-Scheiben zu erwarten gewesen. Die satten Farben der Klänge und die selbst bei leisen Perkussionsinstrumenten zu hörende Interaktion mit dem Raum überraschen mich hingegen sehr positiv. Der analoge Monolith aus Cliffwood in New Jersey erweist sich entgegen allem Anschein auch durchaus als Feingeist.


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