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Cayin N7

11.07.2023 // Wolfgang Kemper

Auch ein Equalizer ist Bestandteil der Software
Auch ein Equalizer ist Bestandteil der Software

Dennoch ist für solch eine Tonquelle ein besserer Kopfhörer eine angemessener Ergänzung. Deshalb schloss ich gleich nach dem Fantasy einen RAD-0 von Rosson-Audio-Design an, der mittels magnetostatischer Treiber sein Klangbild generiert. Und da war ich bei dem Wald-Konzert von Jeff Clarke doch erst einmal erstaunt. Denn so wie der Fantasy in meinen Ohren tendenziell hell klang, war es mit dem Rosson genau umgekehrt. Einen Moment habe ich mich gefragt, wie man eine derartig unterschiedliche Tonalität erklären mag. Doch an das auf den ersten „Blick“ eher dunkle Klangbild gewöhnte ich mich ganz schnell und genoss den unaufdringlichen Sound, der mir aber nichts zu verschleiern schien. Der Detailreichtum war ebenso vielfältig, aber obendrein gab es mit dem RAD-O mehr Klangfarben, interessantere, spannendere Differenzierung und eine räumlichere Abbildung. Das erste Lied auf Barb Jungrs Album „Who Do You Love“, beginnt mit Percussion und einem gezupften Kontrabass-Solo. Der Rosson Audio vermag dieses enorm konturiert, kraftvoll und vor allem in einer begeisternden räumlichen Tiefe darzustellen, die den Bass plastisch vor Augen und Ohren führt. Die für diesen Magnetostaten, der vom früheren Audeze-Entwickler Alexander Rosson kreiert wurde, aufgerufene Preis von 3300 Euro ermöglicht zweifelsfrei im Zusammenspiel mit dem Cayin N-7 einen deutlich gesteigerten Hörspaß. Der Rosson Audio hat einen angenehmen Sitz, und so konnte ich mich mit ihm genussvoll in der Musik-Bibliothek und im Qobuz-Angebot umhören. Cayin N7 und der RDA-O bilden ein feines Gespann für lange Hörsessions. Bislang konnte ich alle Kopfhörer allein am unsymmetrischen Ausgang testen, verglich aber stets die Class-A mit der Class-AB Verstärkung. Es war immer ein Unterschied zu hören, mehr oder weniger ausgeprägt, abhängig vom Musikstil. Meinem Geschmack entsprach Class-A fast immer ein wenig mehr. Wenn ich mich jedoch zum Test-Hören mit Class-AB disziplinierte, fehlte mir – ehrlich gesagt – auch nicht wirklich etwas. Class-A war nur noch etwas schöner. Somit ist es kein Manko, wenn ich mich im portablen Einsatz allein wegen der Gehäuse-Temperatur des N7 und auch der etwas längeren Spielzeit auf die AB-Betriebsart beschränkte.

Zum Lieferumfang gehören die Adapter, um den N7 flexibel einsetzbar zu machen. Der Cayin Fantasy YD01 In-Ear wurde zum Test mitgeliefert und ergänzt den N7 auf klanglich gutem Niveau unterwegs
Zum Lieferumfang gehören die Adapter, um den N7 flexibel einsetzbar zu machen. Der Cayin Fantasy YD01 In-Ear wurde zum Test mitgeliefert und ergänzt den N7 auf klanglich gutem Niveau unterwegs

Für den nun zum letzten Hörtest angeschlossene Stealth von Dan Clark, ebenfalls ein Magnetostat, stehen mir sowohl ein asymmetrisches Kabel wie auch eine symmetrische Verbindung zur Verfügung. Also zuerst, wie bisher asymmetrisch. Tja, was soll ich sagen? Ein fantastisches Klangerlebnis! Die Tonalität entspricht meinen Erwartungen und bedarf nicht der, wenn auch kurzen, Gewöhnung. Allerdings schnarrt der Kontrabass von Steve Watts auf Walking in The Sun einen Hauch weniger dreidimensional. Alles andere klingt überzeugend und begeisternd. Die Wiedergabe gelingt herrlich transparent, es mangelt nie an Klangfarbenpracht und man darf feinster Details in der Musik erfreuen. Endgültig hin und weg war ich, als ich Live At Birdland vom Paul Kuhn Trio, eine Produktion von Sommelier Du Son für Hifistatement in DSD256, hörte. Das DSD-File wird jetzt direkt gewandelt, es erfolgt keine Umrechnung. Eine derartige Einbindung in die Musik ist auch mit meinem vielfach kostspieligeren Lautsprecher-Setup schlichtweg nicht möglich. Viel Geld für einen Kopfhörer, mag man beim Stealth sagen. Jedoch ist das Klangergebnis am Cayin N7 einfach toll. Bringt da die symmetrische Verbindung noch einen Klanggewinn? Zu diesem Vergleich wählte ich das Lied „Twelve-Thirty (Young Girls Are Coming To The Canyon)“ aus dem neuen Album Folkocracy von Rufus Wainwright. Der singt auch hier nicht allein, sondern Produzent Mitchell Froom wählte als weitere Gesangsstimmen Sheryl Crow, Susanna Hoffs und Chris Stills, um analog zum Original von The Mamas The Papas anno 1967 den vierstimmigen Harmoniegesang mit zwei Frauen- und zwei Männerstimmen zu haben. Beim Umstecken auf den symmetrischen Anschluss gibt es erst einmal einen deutlichen Pegelgewinn, klar. Nachdem ich den ausgeregelt hatte, war das Klangerlebnis nochmals signifikant gesteigert. Die einzelnen Stimmen waren exakter voneinander getrennt und deutlich erkennbar. Das Bühnenspektrum bot sich noch etwas ausladender und ansprechender dar. Die Musik hat jetzt einen Anmach-Faktor, den ich über meine Lautsprecher nur bei umweltunfreundlicher Lautstärke erlebe. Der beste Kopfhörer scheint am N7 gerade gut genug. Ach übrigens: Bluetooth 5.0 kann der N7 auch – wenn's sein muss.

Das feine Schutz aus Leder und Messing passt zum klanglich und optisch wertvollen Erscheinungsbild des N7
Das feine Schutz aus Leder und Messing passt zum klanglich und optisch wertvollen Erscheinungsbild des N7


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