tests/25-02-11_westend
 

Westend End Audio Systems LEO

11.02.2025 // Carsten Bussler

Auch mein Anruf bei Stefan Trog brachte in vielerlei Hinsicht Aufklärung. Die Idee zur Entwicklung des LEO erwuchs aus dem Wunsch, ein weiteres Lautsprecherfeld für die 300B nutzbar zu machen, das nicht mit der üblicherweise von dieser Röhre bereitgestellten Ausgangsleistung im einstelligen Wattbereich klarkommt. Nach weiteren Besonderheiten zu seinem Verstärker gefragt, wies er zunächst auf die qualitativ hochwertigen Platinen hin: Westend lässt die Platinen in Karlsbad in Deutschland fertigen. Auch wenn das Label Made in Germany in meiner persönlichen Wahrnehmung im Vergleich zu früher mittlerweile etwas gelitten hat: Hätte ich die Wahl, würde ich mich auch immer für Platinen aus Karlsbad anstatt für die heuer übliche Massenware aus Asien entscheiden.

Anschlussseitig lässt der Westend LEO grundsätzlich keine Wünsche offen, sogar zwei symmetrische XLR-Eingangsbuchsen sind vorhanden
Anschlussseitig lässt der Westend LEO grundsätzlich keine Wünsche offen, sogar zwei symmetrische XLR-Eingangsbuchsen sind vorhanden

Zudem verfügt der LEO neben den klassichen Cinch-Buchsen über zwei XLR-Line-Eingänge. Ein anderes augenfälliges Merkmal des Westend LEO ist, dass er seine Röhren komplett verbirgt. Die beiden 300B sind horizontal montiert, da spricht technisch auch überhaupt nichts gegen, die Abwärme entweicht genauso gut nach oben wie bei der üblichen vertikalen Bauweise. Fast fühlte ich mich an meine früheren Röhrengeräte Musiqa No. 1, 2 und 3 von More Fidelity erinnert: Auch hier war äußerlich gar nicht erkennbar, dass es sich um Röhrenverstärker handelte. Im LEO sind mithin keine Western Electric 300B gesteckt, sondern hochanständige Nachbauten von PSVANE. Das ist alles andere als ein Beinbruch, denn klanglich und qualitativ gibt es zwischen den Derivaten von PSVANE und den 300B der aktuellen Produktion von Western Electric keinen signifikanten Unterschied.

Sehr sinnvoll sind die Phono-Load-Buchsen zur Anpassung von Impedanz und Kapazität an den angeschlossenen Tonabnehmer
Sehr sinnvoll sind die Phono-Load-Buchsen zur Anpassung von Impedanz und Kapazität an den angeschlossenen Tonabnehmer

Schließlich gibt es noch ein erwähnenswertes Merkmal im Bereich der Schaltung, und dieses hat mir freundlicherweise wieder Günther Mania erläutert, an dieser Stelle noch einmal mein besonderer Dank an ihn, sich die Zeit für meine vielen Fragen genommen zu haben! Die Stromquelle für die Röhrenschaltung beim LEO wird auf spezielle „Mania-Weise“ gesteuert, so dass der Verstärker bei höheren Leistungen noch geringere Verzerrungen produziert als ohne seine Zusatzsteuerung. Einfach gesprochen geht der LEO mit dieser Zusatzsteuerung später ins Clipping, aber diese Beschreibung greift streng genommen etwas zu kurz.

Günther Mania hat sich in unserem Telefonat übrigens als glühender Röhrenfan geoutet: Bereits seine Diplomarbeit habe er zwar über Transistoren geschrieben und er sei insbesondere durch seine Transistordesigns bekannt geworden. Aber sehr früh habe er Röhren als Hobby für sich entdeckt und er fand vor allem deren „Eigenleben“ spannend. In vielen Hörsessions habe er Röhren schließlich attestieren müssen, dass diese unter dem Strich zwar technisch nicht perfekt seien, aber eben dennoch musikalischer klängen. Das hat ihn dazu bewogen, basierend auf Stefans Trogs ambitioniertem Anforderungsprofil für Westend Audio Systems diesen Verstärker zu konzipieren. 14000 Euro für einen Vollverstärker sind absolut gesehen sehr viel Geld. Aber unter dem Strich bietet Westend Audio Systems mit dem LEO einen qualitativ extrem hochwertigen Verstärker für vergleichsweise moderates Geld an, zumal der LEO diesen enormen Aufwand beim Gehäuse betreibt.


  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.