tests/25-05-09_audiomaster
 

AudioMaster21 The GoldBug

09.05.2025 // Dirk Sommer

Erst heute verfügbare Materialien hätten es ihm erlaubt, den Generator gegenüber dem des originalen GoldBug zu verbessern – Details erwähnte er leider nicht, wohl aber, dass er sich bei der Form des Spulenträgers am Quadrat des EMT orientiere. Welches Material dieses und das Spulendraht hat, ließ er aber offen. Statt des heute üblichen Neodym-Magneten habe er sich für einen aus einer Somarium-Kobalt-Legierung entschieden, da dieser zu einem insgesamt wärmeren Klangcharakter führe. Auch der Metallblock aus einer Bronze/Aluminium-Legierung, über den das System den Kontakt zum Headshell herstellt, diene der Feinabstimmung der Klangfarben und der tonalen Ausgewogenheit. Er kaufe alle genannten Komponenten zu und überlasse Lalo Schall die Endmontage, einem ehemaligen Tonmeister, der vor allem für seine Klassikaufnahmen bekannt ist und – will man Gerüchten glauben – auch bei einigen extrem teuren Tonabnehmern seine Expertise und Fingerfertigkeit einbringt.

Das GoldBug besitzt einen Innenwiderstand von acht Ohm. Bei der Empfehlung der Abschlussimpedanz folgt AudioMaster21 aber der nicht der Faustformel Spulenwiderstand mal zehn bis 20, sondern nennt 200 bis 470 Ohm. Das GoldBug liefert bei einer Schelle von 3,54 Zentimeter pro Sekunde eine Ausgangsspannung von 0,35 Millivolt, ein Wert, der den meisten Phonostufen keine Probleme bereiten dürfte. Der Preis von 3000 Euro scheint mit Blick auf das Gebotene – Boron-Nadelträger, Paroc-Nadel, Holzgehäuse in Verbindung mit einem Montageblock aus einer Metalllegierung und der Montage in Handarbeit – keinesfalls überzogen. Ebenfalls moderat ist die Nadelnachgiebigkeit mit 10 Mikrometer pro Millinewton. Rein rechnerisch ergibt sich bei der Montage in Einsteins kurzem The Tonarm ein Resonanzfrequenz von rund 9,5 Hertz. Und auch die benötigte Auflagekraft von 18 bis 20 Millinewton bewegt sich im üblichen Rahmen.

Unter der Staubschutzfolie ist der quadratische Spulenträger zu erkennen
Unter der Staubschutzfolie ist der quadratische Spulenträger zu erkennen

Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Justage im Headshell: Wegen des schlanken Gehäuses kann man die Position in der Dennessen-Lehre zwar gut erkennen, der resonanzoptimierte Korpus macht die Ausrichtung des Tonabnehmers im Arm aber zur Geduldssache – welcher Käfer hat schon gerade Kanten? Man kann sich lediglich an den beiden spitzen Ausformungen rechts und links an der Gehäusefront orientieren. Zum Einspielen habe ich einige Neuerwerbung aus einem Second-Hand-Laden in Erlangen benutzt, darunter gleich zweimal Mahlers Symphonie Nr. 5 mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Georg Solti. So sehr ich mich gefreut hatte, die Decca-Doppel-LP für gerade einmal 2,50 Euro zu erstehen, so groß war die Ernüchterung darüber, dass sie bereits Teil meiner kleinen Klassik-Sammlung war. Ein Kollege wird sich freuen. Also habe ich die beiden deutschen Pressungen nach dem Waschen miteinander verglichen: Bei beiden Exemplaren war der Erhaltungszustand sehr gut und auch klanglich konnte ich keine Unterschiede aufspüren. Aber das lag weder am mangelnden Auflösungsvermögen der Stenheim Alumine FIVE SX noch dem des GoldBug. Wie gut beide ihren Job erledigten, machte schon die tonale Ausgewogenheit der Wiedergabe und die großzügige Raumdarstellung klar.

Zur weiteren Akklimatisierung des AudioMaster21 im Arm und im Hörraum trugen dann zwei lange nicht gehörte ECMs bei: Art Lande and Rubisa Patrols Desert Marauders und Art Lande, David Samuels und Paul McCandless' Skylight: bester Tonstudio-Bauer/ECM-Sound von Martin Wieland. Das klang so vertraut und richtig, das mir schon jetzt klar war, dass das The GoldBug zu keinerlei Effekten neigt und sehr ausgewogen und homogen musiziert. Da ist kein Frequenzbereich über -oder unterbelichtet, da tut sich keine Disziplin hervor. Das sollte ich vielleicht ein wenig relativieren: In Sachen Spielfreude hat das AudioMaster21 Überdurchschnittliches zu bieten, doch ohne gleich zur Rampensau zu werden. Im Gegensatz zu den EMTs der 80-er verwöhnt es mit jeder Menge Details, ohne auch nur ansatzweise (über-)analytisch zu klingen. Da ich gerade ein wenig in Erinnerungen schwelge, fällt mir eine meiner damaligen Lieblingsscheiben ein, natürlich mit akustischen Instrumenten und selbstverständlich mit einem namhaften Bassisten: Christian Escoudés und Charlie Hadens Gitane lebt vom intensiven Dialog zwischen Gitarre und Kontrabass in natürlicher Akustik – und auch vom warmen, und dennoch holzig-knarzenden Klang des Pöhlmann-Löwenkopf-Basses. Und so differenziert wie mit dem GoldBug habe die Ovation Christian Escoudé selten singen gehört: zum Dahin-Schmelzen!


  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.