tests/25-06-03_cooltech
 

CoolTech revisited: -180 Grad für SSDs

03.06.2025 // Dirk Sommer

Natürlich komme ich auch in diesem Test nicht ohne die unvermeidliche „Improvisation“ Patrice Herals auf Michel Godards Album Le Concert des Parfums aus: Zuerst bestätigt sie noch einmal ganz deutlich die gerade beschriebenen Unterschiede zwischen dem Klang der Files von der behandelten und unbehandelten Disk. Dann aber macht die Interaktion des Schlagwerks im dem riesigen Raum im ehemaligen Kloster Noirlac hörbar, dass die Musikdatei von der zuerst kryogen behandelten und dann mit Musik bespielten Disk klanglich sehr viel näher an der von der zuerst mit den Daten bespielten und dann tiefgefrorenen Disk ist als an den Musikdaten vom gänzlich unbehandelten Speichermedium. Die Differenzen zwischen den vor und nach der Behandlung aufgespielten Files sind ausgesprochen gering. Man braucht schon trainierte Fledermausohren und eine extrem hochauflösende Kette, um überhaupt Vorteile für eine der beiden Varianten wahrzunehmen. Auch wenn ich erstere nicht mein eigen nennen will, tendiere ich gefühlsmäßig eher zur inklusive der Musik-Daten behandelten Disk. Das ändert aber nicht das Geringste daran, dass mich die Kryo-Behandlung sowohl bespielter als auch leerer Disks wirklich überzeugt hat. Die beiden SSDs meines Melco N1Z H60/2 werden sich in nicht allzu langer Zeit auf den Weg nach Stanzach zu CoolTech machen.

Da die klanglichen Verbesserungen von den einfachen zu den kryogen behandelten NVMe-M2-Disks zwar deutlich, nicht aber weltbewegend, im High-End-Bereich jedoch absolut genusssteigernd sind, sind meine Erwartung an die Veränderungen durch die Kryo-Behandlung bei den SD-Cards eher gering. Deshalb versuche ich erst gar, nicht etwaige Verbesserungen per Kopfhörer aufzuspüren, sondern verbinde die symmetrischen Ausgänge des Lotoo Mjölnir mit der WestminsterLab Vorstufe: Es ist schon erstaunlich, welch gute Figur der Player zum Preis von unter 8.000 Euro im Vergleich zu Streaming Bridge, Upscaler und D/A-Wandler mit ihren aufwändigen Netzteilen macht. Keith Jarretts Version von „God Bless The Child“ im Trio mit Gary Peacock am Bass und Jack DeJohnette an den Drums verströmt schon beim Intro den gewohnten Drive, die Bass Drum kommt mit viel Druck rüber, beim Kontrabass stimmt die Mischung aus knarzendem Holzton, Wärme und Energie. Lediglich die Hi-Hat erklingt hier nicht so fein differenziert wie sonst. Aber es befindet sich ja erst die unbehandelte SD-Card im Schacht des Lotoo.

Nach unserem ersten Besuch schaffte sich Wolfgang Lausecker noch diese größere Truhe an, mit der er Werkstücke bis zu einem Durchmesser von 1,2 Meter behandeln kann
Nach unserem ersten Besuch schaffte sich Wolfgang Lausecker noch diese größere Truhe an, mit der er Werkstücke bis zu einem Durchmesser von 1,2 Meter behandeln kann

Wenn die Kryo-Variante diesen Platz eingenommen hat, scheint das groovende Intro – zumindest für mich – überraschenderweise in einem etwas größeren Raum aufgenommen worden zu sein. Die Geräusche von Dämpfer und Pedal sowie das Foot Tapping des Pianist werden mit mehr Klarheit reproduziert. Auch die Hi-Hat kommt weniger zischelig und dafür farbiger rüber: Auch bei der SD-Card bewirkt die Kryo-Behandlung klangliche Verbesserungen – und die sind selbst auf einem sehr guten Digitalen Audio Player zu hören. And now for something completely different: Wagner statt Jazz. Als ich den „Ritt der Walküren“ aus dem Symphonischen Ring mit den Duisburger Philharmonikern unter Jonathan Darling von der Kryo-SD-Card hörte, wünschte ich mir schon ein wenig das Auflösungsvermögen meiner digitalen Wiedergabekette zurück. Tonal und dynamisch ließ aber auch der Mjölnir nichts anbrennen. Er vermittelte auch die Dramatik und Spannung des Stückes und eine ansprechende Illusion des Aufnahmeorts. Die Wiedergabe des großorchestralen Geschehens hatte so durchaus ihren Reiz. Ein beträchtlicher Teil davon ging jedoch verloren, als der Lotoo dasselbe Stück von der unbehandelten SD-Card las: Die Rauminformationen waren nur noch rudimentär wahrzunehmen und im Hochtonbereich war die ein oder andere Rauigkeit auszumachen. Vor allem aber fehlte es der Wiedergabe an Spannung und Dramatik. Da lohnt es sich wirklich, einen Bruchteil des Preises für die SD-Card in ihre Kryo-Behandlung zu investieren, auch wenn man sie und den Mjölnir nur hin und wieder benutzt.


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