tests/25-07-29_zavfino
 

Zavfino Goldrush und Midas

29.07.2025 // Dirk Sommer

Darüber hinaus würden alle Leiter einer Deep Cryo™-Behandlung unterzogen, und zwar bevor die Isolierung aufgebracht werde, denn die Kältebehandlung könne sich negativ auf die Isolationsmaterialien auswirken wie eigene Untersuchungen gezeigt hätten. Die hätten auch ergeben, dass es von der Reinheit, dem Durchmesser und der Molekülstruktur des Leiters abhänge, mit welcher Temperatur zwischen -186 und -196 Grad Celsius die besten Ergebnisse erzielt würden. Die tiefste Temperatur sei nicht immer optimal. Danach folge dann ein zweistufiger Prozess zum Reinigen und Einbrennen des Kabels: Zuerst würde der blanke Leiter durch eine Keramikdüse in eine Ultraschallreinigungskammer gezogen, wo er mit mehreren Ultraschallfrequenzen beschallt wird. Dadurch würden alle Verunreinigungen von der Oberfläche des Drahtes bis auf die molekulare Ebene entfernt, wobei absolut keine Rückstände zurückblieben. Nach der Reinigung verseile man die einzelnen Drähte zu Bündeln, die dann in der zweiten Stufe des Ultraschall-Einbrenn-Prozesses von einer Spannung durchflössen würden, die knapp unterhalb der Schwelle des für den Leiter Zulässigen liege. Die damit verbundene Temperaturerhöhung bewirke einen „Einbrenneffekt“, der sonst erst bei bei Kabeln auftritt, die 30 bis 40 Stunden lang von Signalen und/oder Strom durchflossen würden.

Will Tremblet merkt auch an, dass Zavfino der erste Hersteller von Audiokabeln sei, der eine Graphenisolierung als dielektrische Abschirmung in hochwertige Netzkabel integriert habe. Nach einer mehr als zweijährigen Zusammenarbeit mit einem führenden amerikanischen Unternehmen für Graphenpolymerforschung sei man stolz darauf, sein neues proprietäres, leitfähiges Dielektrikum ZGRAPh-LDPTM vorstellen zu können, das einen hervorragender Schutz vor elektromagnetischen Störungen biete, da sich die Graphenform an die Kupferschirmung anpasse und EMI-Spitzen verhindere. Zudem verfüge Graphen über hervorragende elektrostatische Entladungseigenschaften (ESD), die statische Elektrizität und triboelektrische Aufladung eliminiere. Darüber hinaus bilde Graphen eine hundertprozentig korrosionsbeständige Barriere, die das Eindringen von Sauerstoff in die Abschirmung und die Leiter verhindere. Daher gebe es keinerlei Korrosion der Leiter: Die Klangqualität bliebe über die gesamte Lebensdauer unverändert. Bevor es zu speziell wird – in einer E-mail geht der Firmeninhaber auch auf den Zusammenhang zwischen der Verdrillung und der Kapazität des Kabels ein –, wende ich mich lieber Praktischem zu. Es dürfte auch so klar sein, dass Zavfino nicht zu den Kabel-„Herstellern“ zählt, die lediglich zugekaufte Strippen konfektionieren. Der kanadische Kabelspezialist entwickelt nicht nur eigene Vedrillungstechniken, sondern modifiziert darüber hinaus noch selbst Maschinen, um seine Vorstellungen realisieren zu können: eine beeindruckende Fertigungstiefe.

Die fünfpoligen DIN- respektive SME-Stecker stammen bei Zavfino aus eigener Entwicklung. Die Kabel werden in schmucken Holzkistchen geliefert
Die fünfpoligen DIN- respektive SME-Stecker stammen bei Zavfino aus eigener Entwicklung. Die Kabel werden in schmucken Holzkistchen geliefert

Da Arbeit ja auch Spaß machen sollte, beginne ich mit Einsteins The Tonearm inklusive The Pickup, der auf dem mächtigen Aerolith desselben Herstellers montiert ist. Meinen geraden 12-Zoll-Arm verkabele ich üblicherweise mit einem ForceLine von FM Acoustic, hier jedoch bleibt zusammen, was zusammen gehört: In die SME-Buchse von The Tonearm ist ein symmetrisches Einstein-Kabel eingesteckt. In einem Anflug von Nostalgie habe ich das Three-Blind-Mice-Album Girl Talk des Tsuyoshi Yamamoto Trios, das hier unter dem Namen Yama & Jiro's Wave firmiert, aus dem Regal gezogen: Schon in den 80-er Jahren begeisterte mich der gestrichene Kontrabass zu Beginn von „The Way We Were“ – nur, dass er heute sehr sauber und völlig ohne Dröhnen und die Anregung von Raummoden erklingt. Die ungeheure Dynamik und Direktheit der Anschläge auf dem Klavier hat ebenfalls nichts von ihrer Faszination verloren. Heute würde ich an eine gelungene Trio-Aufnahme allerdings etwas andere Ansprüche stellen, doch das Klangspektakel beeindruckt noch immer. Daran ändert sich nach dem Wechsel zum Zavfino Goldrush nicht das mindeste. Aber es verwöhnt mit einem noch minimal besser durchgezeichneten Klangbild, was vor allem beim sehr zurückhaltenden Schlagzeugspiel Tetsujiro Obaras auffällt. Auch dynamisch tut sich nun ein Tick mehr. Das wirkt sich beim Bass und bis in die mittleren Lagen des Flügels eindeutig positiv aus. Die aufnahmebedingt extrem nah wirkenden, hart angeschlagenen Diskantsaiten kippen zwar noch nicht ins Nervige, sind davon aber nicht soweit entfernt wie beim Einstein-Kabel.

Da ziehe ich mal schnell einen Testklassiker zurate, der im Hochtonbereich ebenfalls kein Kind von Traurigkeit ist, aber bei weitem nicht so extrem aufgenommen wurde wie die TBM-Scheibe. Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 klingt auch mit dem Einstein-Kabel so gut wie nie zuvor. Daran hat vor allem der Aerolith, aber auch die Behandlung der LP mit dem AFI FLAT.DUO ihren Anteil. Das Zavfino sorgt dann für noch einen Hauch mehr Luft um die Instrumente und auch die Tiefenstaffelung wirkt eine Spur realistischer, ohne jedoch im Präsenzbereich zu viel des Guten zu tun. Die Unterschiede zwischen den beiden Verbindungen vom Arm zur Phonostufe sind zwar eher marginal. Dennoch gefällt mir das Goldrush insgesamt einfach ein wenig besser.


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