tests/26-01-14_riviera
 

Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

14.01.2026 // Dirk Sommer

Um es nicht zu kompliziert zu machen: Die für Luca Chiomenti wichtigsten Erkenntnisse sind, dass das Ohr in seinem Inneren einen hohen Anteil an Harmonischen erzeuge und Ohr und Gehirn diese harmonischen Verzerrungen unterdrücke. In der Folge nähmen wir nur den reinen Klang wahr. Das gelte aber nicht nur für die vom Ohr selbst erzeugten Obertöne, sondern auch für andere harmonische Verzerrungen, wenn sie die gleiche Obertonverteilung aufwiesen. Bei einer anderen Verteilung der Harmonischen allerdings nehme das Gehör die Obertöne als unterschiedliche Töne und damit als störend wahr. Daher wirke ein Verstärker, der ein dem des menschlichen Ohr ähnelndes Verzerrungsspektrum erzeuge, sehr transparent und sauber, selbst wenn sein messbarer Wert für Totale Harmonische Verzerrungen (THD) relativ hoch sei. Das klassische Mittel, um diese Verzerrungen zu vermindern, sei die negative Rückkopplung. Doch leider reduziere sie die niedrigen harmonischen Verzerrungen viel stärker als die hohen Obertöne. Sie verzerre also das Verzerrungsspektrum, so dass es nicht mehr dem des menschlichen Ohrs entspreche. Deswegen vermeide Riviera Audio Laboratories Gegenkopplung so weit wie möglich, indem man auf Über-Alles-Gegenkopplung ganz verzichte und die lokale auf ein Minimum reduziere: Riviera-Verstärker würden nur für diejenigen Messungen optimiert, die eine echte Korrelation mit dem Hörerlebnis zeigten, ohne unnötige technische Virtuosität anzustreben.

Die Eingangsübertrager zur Desymmetrierung der an den XLR-Eingängen ankommenden Signale liegen ebenso wie die Ausgangsübertrager für die Cinch- und XLR-Vorverstärker-Ausgänge unter den schwarzen Abdeckungen
Die Eingangsübertrager zur Desymmetrierung der an den XLR-Eingängen ankommenden Signale liegen ebenso wie die Ausgangsübertrager für die Cinch- und XLR-Vorverstärker-Ausgänge unter den schwarzen Abdeckungen

Wem diese Zusammenfassung von Luca Chiomentis Ausführungen zu wenig detailreich erscheint, dem sei die ausführliche Version auf der Website von Riviera Audio Labs ans Herz gelegt. Dort nennt er auch die Punkte, auf die er bei der Entwicklung seiner Verstärker den höchsten Wert legte: Nach dem oben Dargestellten verwundert es nicht, dass die Optimierung – nicht Minimierung – der Amplituden- und Frequenzverzerrung oberste Priorität genießt. Luca Chiomenti betont, dass sich sein Vorgehen grundlegend von dem anderer Hersteller unterscheidet, die dem Signal künstlich erzeugte, als euphonisch geltende Verzerrungen hinzufügen. Ihm gehe es vielmehr darum, dass Restverzerrungen minimiert wurden und in ihrer Form denen des menschlichen Ohrs so nahe wie möglich kommen. Dass eine negative Gegenkopplung dabei keinesfalls hilfreich ist, hatte ich ja schon erwähnt. Um niedrige Verzerrungswerte zu erreichen, arbeiten alle Verstärkerstufen in den Riviera-Amps in Class A, da dies die Garantie für eine maximal mögliche Linearität sei. Darüber hinaus sei bei Leistungsverstärkern die Kombination von Röhren und MOSFets die beste Lösung, da die Triode in der Single-Ended-Konfiguration der beste Spannungsverstärker sei und eine Form der „natürlichen” Verzerrung biete, die der gewünschten sehr nahe komme. Insbesondere MOSFets seien die erste Wahl, wenn es um hohe Leistungen und niedrige Impedanzen gehe. Bei korrekter Ansteuerung zeigten sie ein ausgezeichnetes Verzerrungsverhalten.

Die beiden einzigen aktiven Bauelemente im Signalweg der Vorstufe
Die beiden einzigen aktiven Bauelemente im Signalweg der Vorstufe

Weitere Entwicklungsziele sind eine gute Open-Loop-Bandbreite, die absolute Stabilität bei jeder Last und ein angemessener Dämpfungsfaktor, den Luca Chiomenti mit Werten zwischen 15 und 30 – ähnlich wie bei sehr guten Röhrenverstärkern – beziffert. Des weiteren verzichtet er auf aktive Schutzschaltungen und widmet den Netzteilen besondere Aufmerksamkeit: In allen Riviera-Geräten gebe es immer mindestens zwei Trafos und fünf separate Stromversorgungen. Die für die Röhrensektion verfüge immer über π-Filter und sei stabilisiert. Bei der Stromversorgung von Endstufen und Vollverstärkern setze er ebenfalls auf π-Filter und viele kleine und schnelle Kondensatoren statt auf zwei große. Netztrafos werden von Hand in einem Betrieb in der Nähe der Fertigungsstätte gewickelt unter Luca Chiomentis Aufsicht gewickelt. Die Line-Ein- und Ausgangsübertrager werden nach Riviera-Spezifikationen von Lundahl hergestellt.


  • SOtM sMS-2000 – ein Nachtrag

    Klanglich, optisch und in Sachen Verarbeitung hat mich der SOtM sMS-2000 rundum begeistert. Im täglichen Betrieb erweist er sich als komfortabel und bisher völlig stabil. Die Einrichtung einer zusätzlichen internen Festplatte hätte allerdings Programmierkenntnisse in Linux erfordert. Ich habe deshalb die zum Lieferumgang gehörende SSD aktiviert. Beim kürzlich erschienenen Test agierte der sMS-2000 ja lediglich als Streaming Bridge. Die Musikdaten bezog er vom Melco N1Z H60/2 über Ethernet, denn die Kombination eines netzwerkgebunden Servers als…
    17.04.2026
  • Soulnote A-2 ver.2

    Ist man, wie ich, seit zwei Jahren zufriedener und stolzer Besitzer eines Soulnote A2 Vollverstärkers, kann man durchaus unruhig werden, wenn da eine Version 2 auf den Markt kommt. Klingt diese nun besser? Sollte ich meinen A2 verkaufen, um den neuen zu erwerben? Lohnt das, und macht der Vorteil auch den Preisunterschied wett? Mein Soulnote A2 stand damals mit rund 7.000 Euro in der Preisliste. Sein Nachfolger A2 ver.2 ist exakt 1500 Euro teurer, also…
    14.04.2026
  • Unison Research Unico PRE v2 und Unico DM v2

    Unison Research? Genau, das sind doch diese schmucken Röhrengeräte aus Treviso mit den edlen Holzapplikationen am Gehäuse. Und stopp! Unisons neueste Vor-/Endstufenkombi hört auf die Namen Unico PRE v2 und Unico DM v2 und passt einfach in keine Schublade. Wir fühlen diesen Wandlern zwischen den Welten auf den hifidelen Zahn. Die neue Unico-Serie kommt in vollständig überarbeitetem Design daher. Sie besticht durch ihre sehr moderne Designsprache, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt, insbesondere in der…
    07.04.2026
  • SendyAudio Egret

    Der Egret ist schon der vierte Kopfhörer des chinesischen Herstellers SendyAudio, den audioNEXT-Geschäftsführer Carsten Hicking nach Gröbenzell schickte. Kein Wunder, dass ich gegenüber den Produkten der Marke inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt habe: Ich rechne mit einer Menge Hörgenuss zu einem eher moderaten Preis. Den SendyAudio Aiva, das erste Modell der Kopfhörer-Division der Sivga Electronic Technology Company Ltd., lernte ich vor fünf Jahren kennen: Er ist – zumindest nach High-End-Maßstäben – wirklich erschwinglich und verwöhnt…
    03.04.2026
  • SOtM sMS-2000

    Roland Dietl benutzt in seiner verzweigten Digitalkette einige SOtM-Produkte – sowohl eigenständige Geräte als auch Platinen, die der Hersteller auf seiner Webseite unter Accessories auflistet – und ist von ihrer Qualität rundum überzeugt. Ich halte es mehr mit klassischen Komponenten. In einer solchen hat SOtM jetzt seine besten Lösungen gebündelt. Der sMS-2000 ist ein Streaming Transport mit der Möglichkeit, SSD-Disks zu integrieren. Der Hersteller beschreibt die Komponente so: „Das Herzstück des sMS-2000 bildet das hochgelobte…
    31.03.2026
  • dCS Varèse – weitere Erfahrungen

    Während einer Präsentation bei Audio Reference vor den Norddeutschen Hifi-Tagen konnte ich erstmals dasStatement in High Fidelity neue Topmodell von dCS, den fünfteiligen Streamer/DAC Varèse, hören. Er klang einfach unglaublich gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, meine Erfahrungen im Hörraum in Hamburg zu intensivieren. Bei der ersten Demonstration verglich Alasdair McDonald, der Export Sales Manager von dCS, den Varèse mit dem Vivaldi-Trio (https://www.hifistatement.net/tests/item/3591-dcs-vivaldi-master-clock-upsampler-und-apex-dac), das vor etwa drei Jahren…
    20.03.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.