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Wilson Benesch Prime Meridian System

04.03.2026 // Dirk Sommer, Bilder vom Hersteller

Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers.

Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb, der jemals in einem Laufwerk zur Anwendung kam, in Rotation versetzt wird, war der Grund dafür, dass ich der technischen Beschreibung so viel Platz eingeräumt habe. Darüber hinaus sollte klar werden, dass Craig Milnes und sein Team alle vermeintlichen Gewissheiten in Sachen Schallplattenreproduktion von Grund auf hinterfragten und eigene wissenschaftlich fundierte Lösungen entwickelten – ohne Rücksicht auf die daraus resultierenden Kosten.

Auf dem R1 Rack steht der OMEGA Drive, und darin die Steuerelektronik namens ALPHA Drive
Auf dem R1 Rack steht der OMEGA Drive, und darin die Steuerelektronik namens ALPHA Drive

Das trifft natürlich auch auf den Tonarm zu, der in der firmeneigenen Terminologie GRAVITON®Ti Armwand heißt und trotz vieler Innovationen recht vertraut wirkt. Das liegt gewiss daran, dass eine der beiden ersten Wilson-Benesch-Komponenten der A.C.T.-One-Tonarm war. Der wurde auch schon zu Beginn der 90-er Jahre aus einem Kohlefaser-Verbundwerkstoff gefertigt – ein absolutes Novum im Hifi- und High-End-Bereich. Schon damals hatte man durch Messungen und Hörtests herausgefunden, dass die Faserausrichtung, die Materialdämpfung und die Geometrie der Struktur die Resonanzkontrolle und die Energieübertragung in hohem Maße beeinflussten. Der Arm aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff besaß in seiner endgültigen Form ein enorm günstiges Verhältnis von Steifigkeit zu Masse verbunden mit hervorragenden Dämpfungseigenschaften.

Von September 2017 bis August 2021 nahm Wilson Benesch dann mit 16 weiteren Herstellern, Universitäten und Forschungsinstituten aus sieben Ländern am EU finanzierten SSUCHY.Projekt – „Sustainable Structural and Multifunctional Biocomposites from Hybrid Natural Fibres and bio-based polymers“ oder „Nachhaltige strukturelle und multifunktionale Biokomposite aus hybriden Naturfasern und biobasierten Polymeren“ – teil. Dabei lieferte das Femto-Institut in Besançon Erkenntnisse auf molekularer Ebene zum Resonanzverhalten von Verbundwerkstoffen, aus denen sich für den A.C.T. One ergab, dass die hyperbolische Kurve des Arms die optimale Geometrie darstellt: Sie bietet keine Materialredundanz und wird mit zunehmender Entfernung vom Drehpunkt im Durchmesser immer kleiner. Die 0/90-Grad-Faserausrichtung im Carbonfaser-Gewebe sorgt zudem für maximale Torsionssteifigkeit und vergrößert auch die Oberfläche. Dadurch wird die Länge der Fasern erhöht und damit auch der Weg, den die abzuleitende Energie zurücklegen muss. Dabei trifft sie auf nahezu unzählige im 90-Grad-Winkel angeordnete Fasern. An den Kreuzungspunkten wird diese Energie gedämpft und kann abgeleitet werden. So garantiert die Ausrichtung der Fasern im rechten Winkel eine sehr gute Dämpfung. Schließlich vermeidet die einteilige Konstruktion aus Tonarmrohr und Headshell Unstetigkeiten in der technischen Struktur, die etwa bei einem abnehmbaren, verschraubten Headshell entstehen können. Diese Unstetigkeiten bilden eine reflektierende Grenze für die über das Tonarmrohr abzuleitende Energie.


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