
Keine Scheibe? Doch eine gab es: Jonas Hellborgs Elegant Punk. Nein, dem Prime Meridian fehlte es keineswegs an Energie und Präzision im Tiefbass. Das fast schon subsonische „Drone“ erklang – wie inzwischen schon erwartet – druckvoller und besser definiert als je. Doch das sehr schnelle „It's The Pits, Slight Return“, das ich häufiger als Slap-Bass-Gewitter beschrieben habe, schien, so zumindest mein erster Eindruck, ein wenig an Dramatik eingebüßt zu haben. Das Stück hatte ich wilder, überschäumender in Erinnerung. Beim zweiten Hören wurde mir dann klar, warum: Die flotte Folge von Impulsen mit abrupten Stopps kam einfach sauberer rüber: Da gab es kein Nachschwingen, kein Verschmieren von Sound-Ereignissen. Der Wilson Benesch ließ sich von der geballten tieffrequenten Wucht nicht im Mindesten aus der Ruhe bringen und fügte dem Bass-Gebrodel keinerlei Artefakte hinzu: Präzision statt Aufgeregtheit.

Im Freundes- und Bekanntenkreis hatte sich bald herumgesprochen, welcher Über-Plattenspieler bei mir im Hörraum zu Gast war. Da die Besucher oft eigene Scheiben mitgebracht hatten, durfte – oder musste – ich doch häufiger über meinen musikalischen Tellerrand schauen. So kam auch Krey Baumgartl vom deutschen Wilson-Benesch-Vertrieb vorbei. Er hatte die seltene deutsche Ausgabe des Vierfach-Albums Minimum – Maximum von Kraftwerk dabei und wollte gern „Radioaktivität“ hören. Das war so gar nicht mein Fall, bis die – elektronische? – Bass Drum und dann die tieffrequenten Synthie-Sounds einsetzten. So viel Druck im Tiefton-Bereich von einer Schallplatte war ich in meinem Hörraum einfach nicht gewohnt. Es war nicht nur die hohe Energiedichte, sondern auch die Exaktheit der Wiedergabe: Die Bässe wirkten wie in Marmor gemeißelt! Und dennoch verdeckten sie das übrige Frequenzspektrum nicht. Die elektronisch erzeugten Hallräume waren jederzeit genau so klar wahrzunehmen wie die vielen dekorativen Elektro-Sounds. Ich war von Kraftwerk und Wilson Benesch dermaßen beeindruckt, dass gleich bei Discogs nachgeschaut habe, ob dort eines der Vierfach-Alben verfügbar ist. Ist es, aber zu einem prohibitiven Preis, zumindest wenn man bedenkt, dass der Wilson Benesch in nicht allzu ferner Zukunft wieder abgeholt wird. Das bedauere nicht nur ich, sondern auch ein Freund und dezidierter Led-Zeppelin-Fan, der Reissues der ersten drei Alben mitgebracht hatte. Ich überließ seiner Gattin und ihm für einige Zeit die Sessel im Hörraum. Als ich auch einmal kurz reinhören wollte, lief gerade „Bring It On Home“ vom Album Led Zeppelin II, das ich auch recht gut kenne. Obwohl ich recht weit von Sweet Spot entfernt stand, bin ich mir hundertprozentig sicher, den Elektrobass noch nie so präsent, energiegeladen und treibend gehört zu haben: einfach fantastisch.

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