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Wilson Benesch Prime Meridian System

04.03.2026 // Dirk Sommer, Bilder vom Hersteller

Wie bei allen Wilson-Benesch-Produkten legt man auch beim Gehäuse des TESSELLATE Ti-S besonderen Wert auf eine hohe Steifigkeit, geringe Masse und eine gute Resonanzkontrolle. Daher konstruierte man ein Gehäuse ohne gerade parallele Flächen mit einer Tessellate-Gitter-Struktur, das durch selektives Lasersintern von Titan-Pulver hergestellt wird. Bei der Ausbildung der inneren Strukturen orientierte man sich wie auch bei den Titan-Teilen des Tonarms an biomimetischen Prinzipien, nach denen etwa auch die Knochen eines Staren ausgebildet werden. Durch die Tessellate-Gitter-Strukturen der Seiten entsteht ein halboffnes Gehäuse, das den Klang deutlich weniger beeinflusst als ein geschlossenes. Die Oberfläche des Gehäuses, die den Kontakt zum Headshell herstellt, ist ebenfalls als Gitterstruktur angelegt. Da auch vermeintlich plane Flächen nicht hundertprozentig eben sind, wird der Kontakt nur an verschiedenen mikroskopisch kleinen Stellen hergestellt: Die Verbindung sollte im Idealfall mechanisch stabil und dabei akustisch bedämpft sein, sie ist es hier jedoch nicht, so dass reflektierte Resonanzenergie zurück zum Generator des Tonabnehmers gelangen kann. Bei der Montage des Tonabnehmers wird daher auf das Headshell eine dünne Schicht viskoelastischen Klebstoffs aufgebracht, der beim Anziehen der Montageschrauben in das sechseckige Gitter fließt und präzise geformte Polymer-Kissen bildet. Dadurch wird erstens anstelle von mikroskopisch kleinen Berührungspunkten eine große durchgehende Kontaktfläche gebildet. Zweitens wandelt das viskoelastische Material Schwingungsenergie an der Schnittstelle in Wärme um, so dass sie nicht zum Tonabnehmer zurückreflektiert wird. Drittens verhalten sich Tonabnehmer und Headshell nach dem Aushärten des Klebstoffs wie ein einziges Gebilde: Mikrobewegungen zwischen beiden finden nicht mehr statt.

Die Lagerschale für den Tonarm mit ihren drei Kugeln
Die Lagerschale für den Tonarm mit ihren drei Kugeln

Doch damit nicht genug: Das Tonabnehmersystem wird nicht wie üblich nur mit zwei Inbusschrauben plus Unterlegscheiben im Headshell verschraubt. Statt der beiden letzteren liefert Wilson Benesch eine sogenannte Finne mit. Das ist ein Titanbogen mit einer Tessellate-Gitter-Struktur, der natürlich auch mittels selektivem Lasersintern hergestellt wird, um eine maximale Steifigkeit bei minimaler Masse zu erreichen. Die breite Basis des Gebildes verteilt die Klemmkräfte gleichmäßig auf die Schnittstelle zwischen Tonabnehmer und Tonarm. Wilson Benesch sieht die Finne nicht einfach nur als eine Befestigungskomponente, sondern als integralen Bestandteil des Resonanzkontroll-Systems. Auch wenn man im White Paper – unter anderem – noch so einiges über die besonderen Eigenschaften und die Poissonzahl von Kork lernen kann, will ich es mit den bisher geschilderten technische Besonderheiten des Prime Meridian System gut sein lassen. Es sollte klar geworden sein, dass man sich mit allen Aspekten der Schallplattenwiedergabe intensiv auseinandergesetzt hat und eine Unmenge innovativer Lösungen entwickelt hat. Das Wilson-Benesch-System unterscheidet sich von allen Plattenspielern, die bisher in meinem Hörraum zu Gast waren.

Das sogenannte Piano von der Rückseite des Laufwerks her gesehen
Das sogenannte Piano von der Rückseite des Laufwerks her gesehen

Gleich nach dem Aufbau des Plattenspielers, noch in Anwesenheit von Christina, Craig und Luke Milnes hatte ich aus alter Gewohnheit Art Farmer und Jim Halls Big Blues aufgelegt und war mir nach den ersten Takten sicher, dass ich mit dem Prime Meridian System jede Menge Spaß haben würde. Dabei hatte ich noch nicht einmal im Hörsessel Platz genommen. Dennoch zog mich die Transientenwiedergabe sofort in ihren Bann, der Wilson Benesch spielte rhythmisch auf den Punkt, tonal gab es keine Auffälligkeiten und selbst beim Hören eher so nebenbei fielen die Fülle an Details und die präzise Durchzeichnung des musikalischen Geschehens auf. Andererseits deutete sich aber auch schon an, dass die Beschreibung des Klangs nicht einfach werden würde: Mit der lapidarem Aussage, so gut wie mit dem Prime Meridia System habe ich meine LPs noch nie gehört, würden Sie sich gewiss nicht zufrieden geben. Ich verschob die Lösung des Problems erst einmal, verzichtete darauf, bekannte Testscheiben aufzulegen und benutzte die Hightech-Maschine ausschließlich für den abendlichen Musikgenuss gemeinsam mit meiner Gattin.


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