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WestminsterLab Omne

21.04.2026 // Thomas Heinemann

Was aber die akribische Arbeit und die Entwicklungstiefe bei WestminsterLab dann völlig von jeglicher Norm abhebt, sind Dinge wie die „Power-on-Demand“-Funktion, die das Netzteil für optionale Module nur dann mit Strom versorgt, wenn es benötigt wird – alles für einen Betrieb ohne störende Einflüsse auf die aktiven Teile. Oder es wird, um die Lebensdauer des Systems zu verlängern, der DS Audio Equalizer abgeschaltet. Oder beim Display-Auto-off wird sogar die Prozessorgeschwindigkeit reduziert, um das interne Störniveau zu senken. Selbst solche scheinbaren Nebensächlichkeiten ordnet WestminsterLab dem Klang unter.

Bemerkenswert konsequent ist auch die Nähe der Vorstufensektion zur Vorstufe Quest: der Omne nutzt dieselbe Architektur und dasselbe Schaltungsschema wie der größere Bruder, bei maximal lediglich sechs Dezibel Verstärkung. Alles folgt dem Konzept der kurzen Wege mit möglichst wenig Zwischenstufen, um das Signal so unbeeinflusst wie nur irgend möglich zu halten. Bei der Premiere sprach Angus Leung von nur 22 Bauteilen, die ein Signal vom Eingang bis zum Ausgang im Omne durchlaufen. Was die Funktionalität und Bedienbarkeit angeht, sind nun viele von Kunden gewünschte Komfortfunktionen integriert – zu steuern über die optisch passende Fernbedienung. Möglich wurde dies durch die vollständige In-House-Entwicklung eines Audio-Controllers, mit einer 99-stufigen Lautstärkeregelung, einer dimm- oder abschaltbaren Anzeige im Display, und einer kanalgetrennten Balance-Einstellung. Auch ist es nun möglich, einen der Eingänge als Heimkino-Bypass zu wählen, was den Omne zu einem erstklassigen Partner für Home-Entertainment-Systeme macht.

Das Design der Fernbedienung wurde ebenfalls überarbeitet
Das Design der Fernbedienung wurde ebenfalls überarbeitet

Mit dem eingebauten Pre-Out kann der Verstärker später zudem mit einem zusätzlichen Rei-Paar zum horizontalen Bi-Amping erweitert werden. Genau diese Tatsache macht seine Stellung im Portfolio für mich verständlich. Er ist weder nur der Einstieg in die Marke noch eine vereinfachte Alternative zu Quest und Rei, noch ersetzt er Quest und Rei. Er ergänzt das Programm sinnvoll und erfüllt Kundenwünsche und Anforderungen. Für den einen mag es die kompakte Erscheinung sein, für den anderen ist es die Wahlmöglichkeit und Ausbaufähigkeit durch ein Paar externer Rei, oder die Anforderungen eines Heimkinos. Das Entscheidende ist doch, dass er sich von seinen Geschwistern nicht durch geringeren Anspruch unterscheidet, sondern primär durch die höhere Integrationsdichte und den Vorteilen kürzerer Wege einer integrierten Verstärkung.

Nun stellt sich die Frage, erfüllt er die gestellten hohen Anforderungen und Zielsetzungen auch in musikalischer Hinsicht, und trägt er die bekannten WestminsterLab-Tugenden in sich. Jene besondere Mischung aus Musikalität, Ruhe, Transparenz und Authentizität, die ich an der Quest so schätze. Meine klangliche Beschreibung des Omne möchte ich mit Prince' „One Nite Alone“ aus dem gleichnamigen Album (NPG Records, 2002) beginnen. Das Album erschien ursprünglich exklusiv über den NPG Music Club und wurde nicht regulär im Handel vertrieben. „One Nite Alone“ ist eine ungewöhnlich intime, reduzierte Aufnahme – nur Stimme und Klavier, sonst nichts. Gerade daraus bezieht dieses Stück seine besondere Spannung und Kraft. Prince zeigt hier keine große Pose, sondern eine spürbare Nähe zu seinem musikalischen Empfinden. Seine Stimme wirkt unmittelbar, verletzlich, dann wieder nachdrücklich. Genau dieses Wechselspiel aus Zartheit, Präsenz und zurückgenommener Intensität macht den besonderen Charakter aus. Das Klavier begleitet mit Substanz, führt ein, begleitet, akzentuiert und schafft die verbindende Linie. Das Spektrum reicht von perlend und leicht, bis kraftvoll, mit Wucht in die Tiefe. Genau aus diesem Wechsel bezieht das Stück einen guten Teil seiner inneren Spannung. Stimme und Klavier lassen Raum und verdichten ihn wieder. Der WestminsterLab Omne zeigt hier sein Können. Er folgt mühelos der Inszenierung, lässt der Stimme ihre geschmeidige Nähe und bewahrt zugleich die feinen Schattierungen in Phrasierung und Tongebung. Ebenso überzeugend zeigt er das Klavier in seiner ganzen tonalen Spannweite: leicht und fließend, dann wieder mit kraftvollem, energischem Zugriff und spürbarer Substanz in den verdichteten Passagen. Der Omne macht die Dramaturgie und Spannung wunderbar hörbar: Zartheit und Druck, Intimität und Ausdruck, fließen zu einer glaubhaften Nähe zusammen. Das Stück ist kein leichter Tobak und schon von daher ein Prüfstein, der eine Komponente qualifiziert.


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