Wenn Sie Tiefbass und treibende Kraft mit dem Omne erleben möchten, dann hören Sie mal in Bernhard Schimpelsberger / Chris Gall Myriad (GLM Music, 2022) und dort beispielsweise in das Stück „Interlude II“. Percussionsinstrumente – vermutlich Kanjira oder Mridangam – füllen den Raum mit purer Energie. Oder Sie mögen den psychedelischen Rock von The Doors „Riders On The Storm“ (L.A. Woman, 50th Anniversary Deluxe Edition, 2021 Remaster, Rhino Entertainment, 2021). Diese Aufnahme lebt von der schwebend rhythmischen, dunklen Atmosphäre, die The Doors so unverwechselbar machen. Das Remaster 2021 klingt offener, feiner gestaffelt und in den Details luftiger. Mit dem Omne perfekt durchhörbar und genau mit der so wichtigen treibenden Energie, die dieses Stück zum Klassiker macht.

Ein klassisches Stück das ich sehr liebe ist von Jacqueline du Pré – „Haydn: Cello Concerto No. 1 in C-Dur, Hob. VIIb:1: II. Adagio“ (EMI, 1967). Diese Aufnahme entstand 1967 in London mit Jacqueline du Pré, dem English Chamber Orchestra und Daniel Barenboim. Das Album koppelt Haydns C-Dur-Cellokonzert mit dem Boccherini-Konzert in B-Dur und gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden du-Pré-Aufnahmen im klassischen Repertoire. Auch in späteren Wiederveröffentlichungen wird gerade diese Aufnahme immer wieder als Referenz genannt, nicht zuletzt wegen der Verbindung aus technischem Können, Klangschönheit und der unverwechselbaren Präsenz du Prés. Dieses Adagio verlangt vor allem Ruhe, eine natürlich geführte Melodie und einen warmen, kultivierten Ton. Jacqueline du Pré begegnet dem mit einer Phrasierung, die unangestrengt wirkt und dem Satz genau jenes Maß an Fluss und innerer Spannung verleiht, die Haydns langsame Sätze auch für mich so besonders machen. Der WestminsterLab Omne begegnet dieser Aufnahme mit genau der richtigen Mischung aus Ruhe und kraftvoller Präsenz. Das Cello behält seinen warmen, leuchtenden Charakter, ohne ihn zu verdicken, und bewahrt zugleich jene feinen dynamischen Abstufungen, die du Prés Spiel so besonders machen. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester bringt der Omne mit genau der richtigen Balance an Durchhörbarkeit und Geschlossenheit – ein wichtiges Kriterium, will man diese besondere Interpretation und das Können von Jacqueline du Pré entdecken. Ist die Wiedergabe authentisch, erlebt man den Zauber, der diese Aufnahme so besonders macht. Der Ome leistet genau das.
Giovanni Ceccarelli – „The Windmills of Your Mind“, aus Le Grand Michel – A Journey With Michel Legrand (Bonsaï Music / Kuroneko, 2025) ist ein akustisches Bild kreisender Gedanken, wie der Titel bereits verrät. Michel Legrand komponierte ihn Ende der sechziger Jahre für den Film „The Thomas Crown Affair“. Die Melodie folgt keiner linearen Dramaturgie, sondern ist vielmehr ein kreisender innerer Monolog, der kein Ende findet. Ein Stück mit hoher emotionaler Kraft. In dieser Interpretation wird dieser Charakter vor allem durch die Stimme getragen, die wie ein leises Nachdenken erzählt. Die Linien der Interpretation sind weich geführt, stets mit einem feinen Gespür für das Ineinander von Text und der instrumentalen Begleitung. Der WestminsterLab Omne zeigt hier seine bemerkenswerte Sensibilität, lässt tief in die Musik blicken und macht sie in ihrer Gesamtheit hörbar. Mal sind es die feinen Nuancen – ein leichtes Anrauen der Stimme, das Zurücknehmen einzelner Silben, das kaum hörbare Atmen zwischen den Phrasen, mal ist es diese faszinierende Begleitung der Band, die den tragenden Klangteppich aufspannt und zur Stimme akzentuiert, mal ist es das prägnante Klavier das träumerische Räume öffnet. Die Instrumente und die Stimme sind greifbar nah und präsentieren sich glaubhaft im Raum – einfach fantastisch! Kleine Verzögerungen, minimale rhythmische Verschiebungen – all das verlangt nach einer Wiedergabe, die nicht glättet, sondern differenziert. Der Omne folgt diesen Nuancen mit beeindruckender Selbstverständlichkeit und jener unaufdringlichen Souveränität, die man bereits von Quest und Rei kennt. So wird diese Interpretation zu einem leisen, aber umso eindringlicheren Statement: Nicht die große Geste entscheidet, sondern die Fähigkeit, Feinheiten zuzulassen – und genau darin offenbart der Omne seine Zugehörigkeit zur klanglichen Familie der großen Westminster-Komponenten.

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