Mit „Gondol“ von Album Silence des Quartetts Coşkun Karademir, Tord Gustavsen, Derya Türkan und Ömer Asian höre ich die Zwölf- und 24-Dezibel-Beschaltung im Vergleich. Der Detailgrad und die Präzision mit dem 24-Dezibel-Filter ist fantastisch. Es öffnet sich ein großzügiger Raum, in dem die Instrumente absolut klar und unverrückbar, geradezu holografischer positioniert sind. Es wird jede Nuance von Tord Gustavsens Klavierspiel offenbart. Das feine Sirren von einzelnen Saiten, wenn die Dämpfer in einer Halbpedalstellung gehalten werden, ihr freischwebendes Singen, wenn der Dämpfer gänzlich abgehoben wird und das akzentuierte Tupfen beim vollständigen Abdämpfen der Saiten: Jeder Zustand wird minutiös und hochpräzise nachgezeichnet. Mit zwölf Dezibel wirkt das Klangbild etwas weniger trennscharf und minimal unaufgeräumt, die Instrumente wirken insgesamt etwas größer und weniger hart umrissen. Das Timbre beider Abstimmungen unterscheidet sich trotz deutlich unterschiedlicher Frequenzverläufe kaum. Die beeindruckende Räumlichkeit des 24-Dezibel-Filters jedoch fehlt vollkommen. Die Wiedergabe wirkt nahezu ohne jegliche Tiefe, fast wie auf einer zweidimensionalen Bühne nur zwischen den Lautsprechern, ohne Ausdehnung nach vorne oder hinten.

Auch dieser Lautsprecher profitiert wieder ungemein von einer spezifischeren Entzerrung. Während beim kleinen Kompaktlautsprecher der Hochmittelton deutlich bedämpft werden musste, würde der Standlautsprecher auch ohne eine Bedämpfung sehr gut auskommen. Meinem persönlichen Geschmack kommen ein etwas aufgeräumterer Mittenbereich und leicht entschärfte Höhen gelegen, auch wenn der Lautsprecher dadurch etwas weniger spektakulär klingt. Eine Anhebung unter 120 Hertz dürfte jedoch allen Geschmäckern entgegenkommen. Die durch das geschlossene Gehäuse eher zurückhaltende Basswiedergabe wird so kräftiger, bleibt aber genauso impulsiv und präzise wie ohne Filter. Außerdem wirkt auch der gesamte Mittelhochtonbereich so noch ausgewogener und unangestrengter – der Lautsprecher gerät insgesamt in Balance. Der Titeltrack des Albums Cloudland vom Lars Danielsson Liberetto offenbart in diesem leicht angepassten Setup neuerlich, dass insbesondere die Räumlichkeit von einer Beschaltung mit dem Crossover Mk2 profitiert – eine Tendenz, die mit dem Kompaktlautsprecher bereits deutlich wahrnehmbar war. Mit den noch potenteren Treibern und einem größeren Hörraum, bei einer Lautsprecher-Basisbreite von ziemlich genau 2 Metern würde ich in diesem Fall sogar bereits von einer Referenz an räumlicher Wiedergabe sprechen. Obwohl die Lautsprecher nur ganz leicht eingedreht sind, kann man sie quasi nicht mehr verorten. „Cloudland“ wird ohne jegliche Einbrüche oder Ungleichmäßigkeiten auf eine virtuelle Bühnenfläche projiziert, die sich als perfektes Rechteck deutlich vor und hinter die Lautsprecher, sogar etwas links und rechts außerhalb der Lautsprecher erstreckt. Eine ähnlich perfekte Bühnendarstellung habe ich zuletzt mit den Raidho X1.6 erlebt. Der nächste Song des Albums „The Fifth Grade“ setzt gleich die nächste Referenz. Abgesehen davon, dass das verspielte Intro bei wunderbar natürlichen Instrumententimbres und mitreißender Dynamik präsentiert wird, offenbart das Ride-Recken die Rafinesse des Hochtöners. Die verschiedenen Details von Stickanschlag, Sustain und Sizzle-Kette konnte ich selten so differenziert und in einem so spannenden räumlichen Kontext heraushören.
Mit „War“ der belgischen Band Brutus zeigt sich, dass auch gänzlich andere Genres ausgezeichnet funktionieren. Die Fähigkeit, verschiedenste Arten von Musik ähnlich überzeugend zu präsentieren, schreibe ich zumeist einer besonders linearen Wiedergabe zu. In der Beschäftigung mit SPLs Frequenzweiche erwächst die Vermutung, dass auch eine höhere Ordnung der Frequenzweiche dieser Fähigkeit zuträglich sein könnte. Diese Aufnahme zeigt nochmals nicht nur die Grüße der Raumabbildung, sondern darüber hinaus eine selten erlebte räumliche Präzision. Die individuelle Größe verschiedene Elemente der Mischung konnte ich noch nie so klar heraushören. Die verzerrten Gitarren wirken wirklich wie die oft zitierte „Wall of Sound“. Sie verfügen, links und rechts im Stereopanorama platziert, über eine deutliche Ausdehnung in horizontaler Richtung. Eben genau so wie eine große Verstärkerwand wirken würde. Die sanfteren Arpeggios der E-Gitarren und der knorrige E-Bass wirken hingegen wie ein einzelner Verstärker. Die Stimme von Sängerin Stefanie Mannaerts klingt wiederum etwas größer. Die Separation von Reverb und Stimme wirkt fast greifbar. Als wäre ein Ring aus Luft um die Stimme positioniert, bevor der darum gebettete Hall einsetzt. Dass Regas IO ein hervorragender Verstärker ist, steht vollkommen außer Frage. Dass ein solches Ergebnis allerdings mit zwei verhältnismäßig erschwinglichen Verstärkern möglich ist, zeigt welches Potential dem Crossover Mk2 innewohnt und wie sehr man auch mit einfachen Verstärkern von der Abwesenheit einer passiven Frequenzweiche profitieren kann. Der Niveau nach oben scheint dank der Durchhörbarkeit der Frequenzweiche kaum begrenzt.