Bei einem Kopfhörer-Test hatte ich entdeckt, dass sich einige Stücke von Changing Places, einem Album des Tord Gustavsen Trios, hervorragend zur Beurteilung von Komponenten eignen. Dabei bieten die seitdem oft verwendeten Stücke keinerlei Klangspektakel. Es geht hier um Subtileres: Anschlagsdynamik, die Größe imaginärer Räume, die Länge des Verklingens einzelner Töne oder die Intensität der Schwingungen eines Fells einer Trommel. Außerdem verströmen die Songs von Changing Places Ruhe und gleichzeitig eine Intensität, die sie deutlich von üblichen Test-Tracks unterscheidet. Deshalb habe ich „Deep as Love“, „Graceful Touch“ und „Melted Matter“ auch bei meiner ersten Begegnung mit dem Cascade gehört – und konnte feststellen, dass dieser in Sachen Geschmeidigkeit und innere Spannung deutlich mehr zu bieten hatte als mein Aries G2.2 mit Chord Electronics' M-Scaler und DAVE. Auch ohne direkten Vergleich mit meiner Kette oder dem ursprünglichen Cascade bin ich mir schon beim ersten der drei Stücke sicher, dass ich es in meinem Hörraum noch nie so faszinierend gehört habe: Selbst das zarteste Reiben der Besen auf der Snare ist nun beständig zu vernehmen. Piano, Kontrabass und Schlagzeug werden in einem sehr großen Raum von mehr Luft umgeben. Die variierende Intensität der Anschläge teilt sich einem direkt mit und plötzlich wird auch ihre Interaktion mit dem Raum zum Thema und beim kurzen Bass-Solo gibt es mehr Griff- und Saitengeräusche zu entdecken. Und all diese Feinheiten lenken nicht vom intensiven musikalischen Fluss des Titels ab: einfach großartig.

Zu Beginn von „Graceful Touch“ kann man nur staunen, wie tief auf der imaginären Bühne das Schlagzeug positioniert ist, ohne dass es dadurch an Unmittelbarkeit verliert. Die Melodien des Flügels laden zum Träumen ein, doch daraus wird man immer wieder von heftigen Anschlägen – die legendären Three-Blind-Mice-LPs lassen grüßen – aufgeschreckt. Es wäre ja viel zu schade, nur schwelgend zu genießen, denn dann entginge es der Aufmerksamkeit, dass dank es Cascade nun selbst ganz leichte Schläge auf die Drums von länger verebbenden Hall umgeben werden. Auf „Melted Matter“ fließt die Melodie über eine minimalistische Bassbegleitung dahin, einzelne Töne des Pianos und der ein oder andere Schlag auf die Trommeln lassen die Größe des Raumes erahnen, und das sanft angetippte Fell der Bass Drum vermittelt eine Ahnung von der dem Instrument innewohnenden Energie – und trotzdem könnte man sich in dieser Fülle von Wohlklang verlieren. Ich war mir der Qualitäten des Albums durchaus bewusst, aber der aktuelle Cascade macht mehr davon erfahrbar als alle andere Wandler, die ich in meinem Hörraum genießen durfte.
Ich hätte es wissen können: Nur mit wohlvertrauten Musik-Files lässt sich auch nach zwei Jahren noch beurteilen, ob die Modifikationen beim Cascade wirklich etwas gebracht haben. Deswegen komme ich um Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit den Duisburger Philharmonieorchester einfach nicht herum, auch wenn ich mir nach dem Erlebnis in Isen mit dem Sentinel und den Hyperions zur Vermeidung von Frustrationen vorgenommen hatte, sobald keine Stücke mehr anzuspielen, die ich dort genossen hatte. Die Angst ist aber nur zum Teil berechtigt: Eine so große Abbildung, eine solche Plastizität, ein so solides Bassfundament und eine so tiefe Bühne wie jetzt mit dem Cascade hatte ich in meinem Hörraum bisher nicht erleben dürfen: Der MSB treibt auch WestminsterLab, Einstein und die Børresen T5 zu Höchstleistungen.

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